Finissage
Langsam breitet die Nacht ihre dunkle Decke aus. Still thront, einem Mahnmal der Ewigkeit gleich, das sandsteinerne Zeugnis des Glaubens hoch auf dem Stiftsberg. Der sich ehrfürchtig Nähernde vernimmt in der nicht allzu fernen Ferne leises Gemurmel. Mit jedem Schritt, den er sich nähert, schwillt das Gemurmel zu einem Stimmengewirr an. Ein Unwissender würde sich, ob der späten Stunde, wundern. An diesem einsamen Ort der Besinnung erwartet man zu dieser Zeit nicht die Anwesenheit des Menschen. Der Unbekannte wundert sich nicht. Er hat eine Mission zu erfüllen. Seine Hand umklammert zärtlich das metallene Gerät, das er stets bei sich trägt. Er denkt: „Ich werde es euch später zeigen...“
Eine Fledermaus zischt dicht am Kopf des Unbekannten vorbei. Die laue Sommernacht verspricht ihr reiche Beute. Eine kleine, Licht aussendende Maueröffnung schiebt sich ins Blickfeld des nächtlichen Wanderers. Diese Öffnung hat er gesucht. Er weiß was ihn im Schein des austretenden Lichtes erwartet. Andächtig tritt er durch das schlichte, rundbogige Portal. Seinen Blick lässt er suchend schweifen. Er tastet nach seinem metallenen Begleiter. Jetzt sieht er was er sucht. Eine Gruppe Personen sitzt, nichts ahnend, an einem Tisch. Der Kerzenschein lässt Schatten über ihre Gesichter tanzen. Sie lassen sich ihre Getränke schmecken. Noch ahnen sie nicht was ihnen bevorsteht.
Der Unbekannte hebt seine Hand mit der schweren Maschine. Zielt. Drückt ab. Man hört ein leises Klicken. Ein Blitzen erhellt die Nacht...
So habe ich mein erstes Foto für heute Abend gemacht. Ich würde mir wünschen, dass zukünftig die Veranstalter daran denken, dass man bei Dunkelheit nicht mehr so gut fotografieren kann. Das nur am Rande. Gern bin ich, wie auch etwa 70 weitere Besucher, dem Ruf von Helmut Schwickerath gefolgt, der im Namen des Fördervereins „Kyllburg Verein(t)“, zu eine nächtlichen Finissage eingeladen hat.
Die Ausstellung „Grenzüberschreitung“ hat vom 4. bis 31. Juli 2010 über 1000 Besucher angelockt. Nach Aussage von Helmut Schwickerath eine beachtliche Besucherzahl, wenn auch viele oft nur zufällig die Ausstellung während ihrer Stiftskirchenbesichtigung entdeckt haben. Der Vorsitzende der Kyllburger Vereinsgemeinschaft ist hell erfreut über die zahlreichen intensiven Gespräche mit den Besuchern. Er dankt auch von Herzen den vielen Freiwilligen, die fast einen Monat lang die Aufsicht über die Bilder der Föhrener Künstlerin Annamalt geführt haben.
Dieser Abend, im weiteren Verlauf musikalisch gestaltet von Edith van den Heuvel und Dany Schwickerath, soll eine alte Tradition fortsetzen. In den vergangenen Jahrhunderten feierten die Künstler gerne eine Finissage, wenn sie an einer Ausstellung eines ihrer Werke verkaufen konnten.
Im Laufe seiner Eröffnungsrede bedankt sich Helmuth Schwickerath beim Hausherrn Dechant Bender für dessen Mut so eine Ausstellung im Kreuzgang zu genehmigen. Als Dank überreicht er ihm ein Foto mit dem Titel „Vier Sünder“.
Ein weiteres Geschenk erhält die tausendste Besucherin Alexandra Mathey. Sie bekommt ein T-Shirt der Künstlerin Annamalt.
Nun folgt der Auftritt der beiden Musiker. Der Volksfreund schrieb einst über die beiden: „Überzeugend dabei vor allem die Virtuosität von Schwickeraths filigranem Gitarrenspiel sowie die klare, warme und recht variationsfähige Stimme Edith van den Heuvels.“ Was der Volksfreund vergessen hat zu schreiben, ist, dass sie einfach schöne Musik machen. Man spürt, dass die Zwei Spaß dabei haben. So sagt Dany Schwickerath in einem Gespräch in der Pause: „Nun, ich weiß welche Akkorde ich spielen muss. Alles andere ist Improvisation. Mal klappt's, mal nicht. Wenn es klappt, dann macht es richtig Spaß.“
Ich bin mal so vermessen zu behaupten, dass es an diesem Abend geklappt hat. Die dargebrachten Jazz-Standards begeisterten auf jeden Fall das Publikum. Es war sogar der ein oder andere bekannte Song darunter.
Pünktlich zum Ende der Veranstaltung öffnet der Himmel seine Schleusen. Nichteinmal Winni Müller ist in der Lage mit seinem Trompetenspiel, er spielt „Ich bete an die Macht der Liebe“, den Wettergott zum Umdenken zu bringen. Den Gästen, Künstlern und Musikern macht der Regen nichts aus. Man zieht kurzerhand vom Paradies in den Kreuzgang, wo man noch lange Zeit gesellig plaudernd beisammen steht.








