12.07.2010

Der Berg ruft - ein Rückblick

Bevor vor 3 Jahren das erste Mal die Kirmes auf dem Stift gefeiert wurde, war die Veranstaltung lange totgesagt: "Eine Kirmes lockt keine Katze mehr hinter dem Ofen vor" - "Früher das Kirschenfest war viel besser" - "Es sind ja immer die selben, die du am Trilles siehst"

Keiner konnte damals ahnen, dass die neu gegründete Vereinsgemeinschaft Kyllburg verein(t) das Ruder rumreißen könnte. Mit dem Standortwechsel von der Hochstraße hoch zum Platz vor der Stiftskirche gelang den "Vereinten" rund um ihr Oberhaupt Helmut Schwickerath ein wahres Meisterwerk. Die dröge Pflichtveranstaltung für "Immer-die-selben" wurde zu einem Event für Jung und alt. Auch wenn das Grundkonzept bislang immer gleich war, erhielt jeder neue Bergruf ein individuelles Gesicht.

Public Viewing auf dem StiftSo dominierte am diesjährigen Kirmessamstag die Fußballweltmeisterschaft das Geschehen auf dem Stiftsberg. Eine gewagte Darkroom-Konstruktion vor dem Nordportal sollte es ermöglichen, dass einfallendes Licht die Beamerprojektion auf die Leinwand nicht beeinträchtigen sollte. Doch niemand konnte damit rechnen, dass kurz vor Anpfiff ein Gewittersturm den halben Festplatz in eine Trümmerwüste - ja, ich übertreibe - verwandeln würde. Eilig riss man sämtliche Kabel aus den Übertragungsgeräten, um wenigstens die teure Technik in Sicherheit zu bringen. Dabei entstand ein Kabeldefekt, der den erschienenen 100 Bundestrainern den Anpfiff vermasselte. Während etwa 20 verzweifelte Fernsehtechniker versuchten den Fehler zu finden, erreichte den Trainerstab via Internet die Botschaft vom 0:1 für Deutschland. Verzweifelt zerstob sich das fußballkundige Fachpublikum in alle Winde, um irgendwo in aller schnelle bewegte Bilder des Spiels gegen Argentinien erhaschen zu können. Die tropischen Temperaturen ließen derweil den plötzlich stark geschrumpften Stab der Fernsehtechniker schwitzen. Eilig wurden Assitenten ausgeschickt, die diverse Kabel und Receiver herbeibrachten und plötzlich, das blaue Beamerbild verwandelte sich in ein Rauschen. Ja, man hatte den Fehler gefunden. Nur noch schnell die Schüssel ausgerichtet und schon konnte die Übertragung des Spiels beginnen.

Die untreu gewordenen Bundestrainer erhielten schon bald fernmündliche Kunde vom technischen Erfolg auf dem Stiftsberg und kehrten reumütig zurück. Was folgte war nicht nur ein Sieg des Menschen über die Fernsehtechnik, nein, auch ein 0:4 Sieg der Deutschen Mannschaft, der dem Argentinischen Trainer Maradonna Tränen der Trauer und allen 80 Millionen Deutschen Bundestrainern Tränen der Freude bescherte.

Der Sieg war ein guter Einstand, um am Bierstand Standfestigkeit zu beweisen. Man munkelt, es soll den ein oder anderen gegeben haben, der den Festplatz auch nach Trillesschluss nicht verließ und am kommenden Morgen die Gelegenheit zum Weitertrinken direkt wieder nutzte. Es war auch wirklich heiß. Kein Wunder, wenn man da Durst bekommt.

Was gibt es noch zu Kirmes zu sagen? Nun, im Grunde gab es die meisten bewährten Sachen aus dem Vorjahr wieder: Strandbar, Bodega, Pizza und Bratwurst, Bier und Musik. Am Sonntag nutzten wieder viele das heitere Geschichterraten mit den Eheleuten Hendriks, Kinderschminken und Tanz und Musikdarbietungen auf der neuen Bühne. Für Abkühlung und Spaß sorgte der große Pool.

Grenzüberschreitung - eine AusstellungParalell zur Kirmes fand und findet eine Ausstellung im Kreuzgang der Stiftskirche statt. Unter dem Titel "Grenzüberschreitung" werden großformatige Acrylgemäle der Künstlerin Annamalt, erklärt durch Texte von Edward Naujok, gezeigt. Im Innenhof des Kreuzgangs steht eine riesige Objektinstallation von Helmut Schwickerath. Die Ausstellung ist noch bis zum 31. Juli 2010 täglich geöffnet.

Zur Austellungseröffnung war der Autor Michael Preute angereist. Den meisten ist er besser unter seinem Pseudonym Jacques Berndorf bekannt. Er hielt eine grandiose Eröffnungsrede in der er die drei Künstler und deren Kunst vorstellte.

Am Nachmittag des Kirmessonntags sah das zahlreich erschienene Publikum, neben Livemusik, zahlreiche Tänze der Kyllburger Tanzgarden und eine Aufführung des Kyllburger Kindergartens. Der Kindergarten beteiligte sich auch erstmals mit einem Stand an der Kirmes. Hier wurden erfrischende Fruchtspieße und Fruchtsalate verkauft.

Würde man ein Resüme ziehen, käme man zu dem Schluss, dass die Kyllburger Kirmes von Jahr zu Jahr besser wird. Das liegt wohl hauptsächlich an dem gewaltigen Engagement der Vereinsführung rund um Helmut Schwickerath. Allen Helfern und Machern sei hiermit der herzlichste Dank ausgesprochen.

Bis zum nächsten Jahr, in dem es hoffentlich wieder heißt: "Der Berg ruft!"


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