Geschichte
Urkundlich wird Kyllburg bereits im 8. Jahrhundert erwähnt. In vorgeschichtlicher und vorrömischer Zeit war Kyllburg mutmaßlich schon ein befestigter Platz. Aber es liegen keine Urkunden davon vor. Nach einer Schenkungsurkunde vom 16. Juli 800 schenkten die Eheleute Elmfried und Doda mehrere am Kyllberg gelegenen Ländereien an die Abtei Prüm. Wie es auch um eine solche Existenz frühgeschichtlicher Niederlassung bestellt sein mag, der Historiker kann die Ortsgeschichte Kyllburgs erst mit der Römerzeit beginnen lassen.
Als die Römer fünfzig Jahre vor Christi Geburt unter ihrem Feldherrn und Staatsmann Julius Cäsar das trierische Gebiet eroberten, den tapferen Stamm der Treverer unterwarfen und seither das Land beherrschten, siedelten sich auch am Kyllberg und in seiner Nähe Römer an, wie Spuren und Funde aus dem ersten und zweiten Jahrhundert beweisen.
So deckte der 1928 verstorbene Postverwalter Friedrich Kreutz aus Kyllburg auf parzelliertem Heideland bei Kyllburg (Bertert) römische Gräber auf, die nach Feststellung des Trierer Museums dem ersten und zweiten Jahrhundert angehören.
Die Kyllburg
Im Jahre 1239 ließ Erzbischof Theoderich von Trier, um sein Gebiet gegen die Nordgrenze des Trierer Erzbistums und gegen die Dynasten von Malberg zu schützen, als Eck- und Grenzfeste Kurtriers eine größere Burg, die eigentliche Kyllburg, erbauen. Die heute noch zum Teil erhaltene Burg wurde durch einen Schulhausbau im Jahre 1912 teilweise ersetzt.
Zur Aufbringung der Kosten dieses Burgbaues verkaufte Erzbischof Theoderich die durch den Tod der Agnes von Malberg heimgefallenen Lehen zu Roßporten unter Zustimmung seines Trierer Domkapitels für 200 Pfund ans Kloster St. Thomas.
Die unmittelbare Veranlassung zur Beschleunigung des Baues der neuen größeren Burg waren, wie dies die Gesta Treverorum bezeugen, die Gewalttätigkeiten des Ritters Rudolf von Malberg, der sich der Herrschaft von Malberg bemächtigt hatte. Er versuchte, dem, unweit von Kyllburg gelegenen, Zisterzienserinnenkloster St. Thomas, die Güter, die diesem von Agnes von Malberg geschenkt worden waren, nach ihrem Tode mit Gewalt zu entreißen. Rudolf befehdete das Kloster, und die Nonnen waren genötigt, dasselbe zu verlassen; sie wanderten sämtlich nach Trier, wo sie täglich in Prozessionen nach der hohen Domkirche zogen und während des Gottesdienstes mit lauter kläglicher Stimme die zwei Antiphonen "Media vita in morte sumus" und "Salve regina mater misericordiae" sangen, bis ihnen von dem Erzbischof gegen ihren unruhigen Nachbarn Beistand geleistet wurde. Nachdem der Erzbischof ihn mit Waffengewalt bezwungen hatte, fügte er sich. Die neue Burg auf dem Kyllberge hielt ihn auch fernerhin in Schranken. Die Kyllburg wurde ein Bollwerk, das noch manchmal sich bewähren und Angriffe auf den Kurstaat abwehren sollte.
Die Ursprünge der Stadt Kyllburg
Theoderichs Nachfolger, Arnold II. (1242–1259), umgab im Jahre 1256 die Burg und die anliegenden Häuser mit einer festen Mauer. Mit dem Abt Jofrid von Prüm schloss er am 16. August 1256 einen Vertrag wegen ihrer beiderseitigen Befestigungsbauten. Der Urkunde vom 15. August 1256 ist deswegen besondere Bedeutung beizumessen, weil aus ihr zu entnehmen ist, dass die Befestigung damals noch erweitert und ausgebaut wurde und in ihr von Burgmannen und Bürgern die Rede ist, so dass man die städtische Eigenschaft des Ortes Kyllburg, wenn nicht schon früher, doch jedenfalls von diesem Zeitpunkte an voraussetzen möchte, eine Auffassung, die auch von dem verstorbenen Archivdirektor Dr. E. Schaus geteilt wird.
Mit den Bauten Theoderichs 1239 und den Erweiterungsbauten Arnolds 1256 entstand also die mit starken Mauern und Toren befestigte Ortschaft Kyllburg, die kurtrierische Landstadt Kyllburg, die alles Charakteristische im Äußeren einer mittelalterlichen Stadt besaß, die von Burgmannen, Wächtern, Pförtnern und Bürgern bewohnt war. Die wesentlichen Merkmale einer Stadt, Mauern und Markt, waren gegeben. Mit dem Bau der Mauer übernahmen die Bürger die Verpflichtung, diese Mauer auch gegen Angriffe zu schützen, die Stadt auch die Verpflichtung, die Stadtpforten und Stadtmauern zu unterhalten. Der letzteren städtischen Aufgabe Nachdruck zu verleihen, erging später besonderer Befehl. Die Abhaltung von Märkten setzte die Verleihung der Stadt- oder Marktrechte voraus, durch die der Stadt und der Umgebung das Recht gegeben wurde, ihre Waren an bestimmten Tagen feilzubieten, zu kaufen oder zu verkaufen. Dass Kyllburg dieses Recht besaß, beweist sein Hochgerichtsschöffenweistum.
Kyllburg unter französischer Herrschaft
Im Frieden von Campo Formio vom 17.10.1797 hatte der deutsche Kaiser in die Abtretung des linken Rheinufers eingewilligt, das nunmehr von den Franzosen als französische Provinz betrachtet, behandelt und ausgebeutet wurde, bevor es 1801 durch den Frieden von Luneville Frankreich staatsrechtlich einverleibt wurde, Im Jahre 1798 wurde die ganze bisherige Verfassung, Regierung und Verwaltung aufgelöst und eine völlig neue eingeführt. Was in Frankreich seit 1789 bis 1797 unter schweren Kämpfen und vielen Greueln geworden war, das wurde nun bei uns in wenigen Monaten und ohne wahrnehmbaren Kampf ins Werk gesetzt, nämlich Umsturz der bisherigen Gesellschaftsverfassung und Einführung republikanischer Institutionen. Das linke Rheinufer wurde in vier Departements unterteilt. Kyllburg gehörte zum Saardepartement mit dem Hauptort Trier und wurde zur Kantonstadt eines besonderen Kantons Kyllburg gemacht, wie u.a. auch Prüm, Daun und Gerolstein. Die Franzosen brachten der Stadt die egalisierende Munzipalverfassung, die grundsätzlich keinen Unterschied mehr zwischen Stadt- und Landgemeinden machte. Kyllburg verlor damit, wie auch alle anderen Städte, seinen Stadttitel, wenn es auch wiederum über die Orte der Nachbarschaft hinausragte, indem man es zur Kantonstadt eines eigenen "Kantons Kyllburg" machte.
Kyllburg als Stadt in der Folgezeit
Dass Kyllburg 1332 nicht nur "de jure" als Stadt geführt wurde, sondern auch "de facto" Stadt war und seine Stadtrechte ausübte, bezeugte weiterhin zunächst einmal sein Stadtsiegel. In einer Lehensurkunde Jakobs von Kirchberg von 1347 taucht zum ersten Male das bei Ewald Rhein, Siegelkunde, und bei Dr. Franz Bock publizierte Stadtsiegel auf, dessen Stilmerkmale ohne Zweifel auf das 14. Jahrhundert verweisen. Das Siegel trägt die Inschrift: "Kilburch sigillum opidi".
Der Kyllburger Wappenstein
Der Kyllburger Wappenstein war früher am Brunnen an der Purt angebracht war; heute ist er am Eingang des Kurparks "Hahn" in die Giebelseite des "Haus des Gastes" eingebaut. Der Wappenstein vereinigt das Wappen des Erzbischofs Johann von Schönenberg, der von 1581 bis 1599 regierte, mit dem Wappen Kyllburgs, das die Umschrift trägt: "Der Stadt und Freiheit Kyllburgh Wapfen". Wenn Wackenroder und vor ihm schon verschiedene andere in ihren Abhandlungen eine angebliche Stadtrechtsverleihung vom Jahre 1580 bzw. 1583 aus diesem Stein herleiten, so liegen hierfür keine urkundlichen Belege vor.
Die Stiftsfreiheit
Außer dem Kapitelhaus, Kreuzgang und den Häusern der Stiftsherrn ziert die alte Stiftsfreiheit noch die Gerichtsstätte unter den vier kraftvollen Linden im so genannten Kreuzgärtchen. Der Blick fällt auf eine Jahreszahl auf einem verwitterten, moosüberzogenen Kreuz: 1607. Lange Jahre vor 1607 war dieser Platz eine viel besuchte Stätte. Hier haben unsere Vorfahren die Linde als heiligen Baum verehrt. Unter der Linde wurde Recht gesprochen und gerichtet. Frommer Sinn hatte im Mittelalter auf hoher Steinsäule ein Kreuz errichtet. Manch tapferer Ritter der Kyllburg mag hier vor dem Kreuz unter den Linden dankbar seine Knie gebeugt haben, wenn er siegreich aus blutiger Fehde zurückgekehrt war. Und mancher arme Sünder, der mit letzter Kraft und brechenden Knien die Stiftsfreiheit erreicht und so der kurtrierischen Gerichtsbarkeit und den Verfolgern entzogen war, warf sich in reuevollem Dankgebet vor dem Kreuz nieder. So war es noch, als das Kreuz 1786 renoviert wurde, als längst der letzte Ritter der Kyllburg zur ewigen Ruhe in der Stiftskirche gebettet war.
Die Stiftsfreiheit begann direkt oberhalb der Burg und erstreckte sich über das komplette Stiftsplateau. In der Mauer zum Pfarrgarten ist eine alte Steinplatte eingelassen. Auf ihr erkennen wir links den dickbäuchigen Freiheitsvogel "Geiko", in der Mitte die Inschrift "STIFTSFREYHEIT" und rechts ist das Wappen der Familie des letzten Stiftsdekan, Christoph Nell, eingelassen.
Durch Napoleon wurde die Stiftsfreiheit aufgehoben.
Kyllburg wieder Stadt
Am 15., 16. und 17. September 1956 schenkte Ministerpräsident Dr. Altmeier Kyllburg die Stadtrechte wieder. Im Mittelpunkt stand die Verleihung der Stadtrechte. Die äußere Feier wurde durch ein Festspiel "Aus vergangenen Tagen" gekrönt.
1200 Jahre Stadt Kyllburg
Im Jahr 2000 feierte die Stadt ihr 1200jähriges Bestehen. Ganz Kyllburg war in den letzten Juli-Tagen des Jahres auf den Beinen. Die lange Vorbereitung hatte sich gelohnt. Geboten wurde ein abwechslungsreiches Programm, bei dem ein Höhepunkt den nächsten jagte.







