Der Choraltar in den verschiedenen Jahrhunderten << Innere Ausstattung und liturgische Gebrauchsgegenstände der Kirche >> Die Glasmalereien der drei Chorfenster

Kyllburg und seine kirchlichen Bauwerke des Mittelalters

herausgegeben von Dr. Franz Bock

VI. Innere Ausstattung und liturgische Gebrauchsgegenstände der Kirche

C. Der neue Nebenaltar und der Taufstein

Gleichwie der 1877 in Fortfall gekommene Hochaltar in den Formen des Zopfstils den Abschluss des Chores und die dortigen gemalten Fenster zu sehr verdeckte, so nahm auch, den Berichten von Augenzeugen zufolge, der Nebenaltar in dem Chörchen zur Evangelienseite des Hauptaltars einen ungebührlichen Anlauf zur Höhe, sodass dadurch das hintere kleine Fenster fast vollständig unsichtbar wurde. Der neue, im Jahre 1877 daselbst errichtete Nebenaltar ist sowohl in Bezug auf Composition als auch hinsichtlich der technischen Ausführung als durchaus gelungen zu bezeichnen. Derselbe wurde in dem farbschönen, grünlichweissen Sandstein Kyllburgs von dem dortigen talentvollen Bildhauer Peter Quirin nach einem stilvollen Entwurf meisterhaft ausgeführt. Dieser Nebenaltar liefert durch die in den Leuchterbänken – predellae – trefflich gemeisselten Halbbilder von Heiligenfiguren, den Patronen der Geschenkgeber, den augenscheinlichen Beweis, dass das Kyllburger Steinmaterial sich auch für Ausführung von feineren, figuralen Bildwerken ausgezeichnet eignet. Wie verlautet, hat der Jünglings-Verein von Kyllburg, welcher von dem dortigen Kaplan geleitet wird, den lobenswerthen Beschluss gefasst, in der gegenüberstellenden Nebenkapelle zur Epistelseite des Altars einen dem eben besprochenen ähnlichen Altaraufsatz mit dem Standbilde des h. Joseph von dortigen Steinmetzen an Stelle des jetzigen, höchst provisorischen Altars errichten zu lassen. Bei Erwähnung dieser Nebenkapelle, unmittelbar am Eingange zur grösseren Sakristei, sei hier noch nachträglich bemerkt, dass daselbst an der Evangelienseite, in der platten Wandfläche vertieft eingemeisselt, eine Grabinschrift sich vorfindet, die, von alter Tünche und moderner, missverstandener Polychromie überkleistert, schwer zu entziffern war. Dieselbe ist in lateinischen Majuskelschriften gehalten und hat ohne die gebräuchlichen Abkürzungen folgenden Wortlaut: Anno Domini MCCCCCXXIII, more Treverensi, die Priscae virginis obiit venerabilis Dominus Matthias Wilhelm, Canonicus hujus ecciesiae et pastor in Sinsfelt. In deutscher Uebersetzung: Im Jahre des Herrn 1523 nach Trierer Zeitrechnung, am Tage der h. Jungfrau Prisca (18. Januar), starb der ehrwürdige Herr Matthias Wilhelm, Kanonikus dieser Kirche und Pfarrer in Sinsfelt.
Das heutige Seinsfeld, ein Pfarrdorf ¾ Stunde von Kyllburg entfernt.

Auch der neue Taufstein, der erst im Jahre 1887 ebenfalls vom Bildhauer Peter Quirin angefertigt wurde, ist in Form und Ausführung durchaus als gelungen und mustergültig zu bezeichnen. Der Entwurf zu diesem in seinen architektonischen Einzelheiten äusserst zierlich gestalteten „fons baptismalis“ rührt von einem englischen Vorbilde, befindlich in der Christ’s Church– Christuskirche – zu Oxford, aus der letzten Hälfte des 15. Jahrhunderts her. Dem schönen Taufstein fehlt jedoch zur Zeit noch ein reich durchbrochener Helmaufsatz in Eichenholz, der als verschiebbarer Deckel das Ganze abschliessen und so bekrönen soll, wie solche architektonisch durchbrochenen Helmaufsätze noch an Taufsteinen älterer Kirchen angetroffen werden.

Was nun den alten Taufstein betrifft, der stark verletzt und beschädigt sich heute noch vorfindet, so scheint derselbe anderswoher entnommen und hierher versetzt worden zu sein, da ja die ehemalige Stiftskirche wohl schwerlich das Taufrecht besessen hat, dieses vielmehr höchst wahrscheinlich nur der Pfarrkirche des h. Maximin zu Kyllburg zustand. Dieser alte Taufstein ist für die rheinische Kunstgeschichte insofern von besonderem Interesse, als derselbe in der vorliegenden Gestalt und Verzierungsweise seltener anzutreffen ist, wie auch an der obern Kuppe, dem Behälter für das Taufwasser, Wappenschilder in der älteren Form des 14. Jahrhunderts anderswo kaum mehr vorkommen dürften. Es wird Heraldikern von Fach nicht schwer fallen, aus der „Blasonirung“ der Wappenschilder nachzuweisen, welchem Dynastengeschlecht der Eifel oder welcher Abtei die Herstellung dieses merkwürdigen Taufsteins zuzuschreiben ist. Jedenfalls aber verdient derselbe mit seinen noch nicht nachgewiesenen heraldischen Abzeichen eine sorgfältige Aufbewahrung in einem der Flügel der geräumigen Kreuzgänge. Wie in einem kirchlichen Museum würde dieser merkwürdige Taufbrunnen nebst jenen vielen anderen hochinteressanten und werthvollen Ueberresten von Altären der besseren Renaissance mit figürlichen Bildwerken in Stein, welche sich heute wenig beachtet in dem Kapitelshause vorfinden, in die leeren Wandflächen des östlichen Flügels der Kreuzgänge so einzufügen sein, wie bereits ein Theil der alterthümlichen Epitaphien der Kirche in dem südlichen Flügel ein ehrenvolles Unterkommen für fernere Zeiten gefunden haben. Auch für die Fachschule, die hoffentlich bald mit staatlicher Beihülfe in Kyllburg zur Hebung der zahlreichen Steinmetzbetriebe des industriellen Kyllthales zu Stande kommen wird, würde sich eine solche Ansammlung und Aufstellung von älteren Skulpturwerken an den heute kahlen Wandflächen der Kreuzgänge als Lehrmittel und Vorbilder in mehr als einer Beziehung bestens empfehlen.

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