Eiflia Illustrata

Schannat-Bärsch, Band III, Teil 2

Kyllburg hat eine reizende Lage auf einem von der Kyll umflossenen Felsen, 1 Meile nordöstlich von Bitburg.

Die Burg wurde von dem Trierischen Erzbischofe Diedrich (Grafen von Wied) im Jahre 1229, um an den Grenzen der Besitzungen Walrams von Limburg, Herrn von Montjoie, der damals den Kölnischen Erzbischof Heinrich I. (von Mülenark) befehdete, einen festen Punkt zu haben. Walram trug Malberg von dem Erzstifte Trier zu Lehn und hatte damit nach dem Tode der Agnes von Malberg den Bruderssohn derselben, Rudolph von Malberg, belehnt. Letzterer belästigte besonders das Kloster St. Thomas und machte Streitereien in das Erzstifte Trier. Dies wollte nun Erzbischof Diedrich durch den Bau der Burg Kyllburg verhindern. Mehrere Burgmänner setzte der Erzbischof in die neue Burg zu Verteidigung derselben und gab ihnen Burglehne. Ein solches Lehn und zwar Setzlehn (sezleyn)
Setzlehn, ein Burglehn, welches den Belehnten verpflichtete, auf der Burg selbst zu wohnen, oder einen geeigneten Stellvertreter zu stellen.
erhielt auch Graf Heinrich II. von Luxemburg im Jahre 1229 für sich und seine Nachfolger mit der Verpflichtung, einen Ritter nach Kyllburg zu setzten, der dort wohnen müsse, um zur Vertheidigung der Burg stets bereit zu sein. (Hontheim I. S. 725)

Noch im 14. Jahrhunderte wird König Johann von Böhmen, Graf von Luxemburg unter den Burgmännern von Kyllburg neben Johann von Erdorf und den von Dreymühlen genannt.

Um die Burg herum wurden Häuser gebaut und Erzbischof Arnold II. (von Isenburg † 1259) konnte schon den Ort mit einer Mauer umgeben, aus dem nun nach und nach ein Flecken entstand, welcher 1589 auch von Erzbischof Johann VII. (von Schönberg), Stadtrechte erhielt.

Ein Theil des Berges, auf welchem jetzt Kyllburg liegt, gehörte der Abtei Prüm. Cäsarius bemerkte im Prümer Güter-Verzeichnisse, daß der Graf von Vianden als Vogt des Klosters das Patronatsrecht und zwei Theile des Zehnten besitze. Erzbischof Diedrich hatte schon mit dem Prümschen Abte Friedrich von Stein († 1245) eine Einigung über die Theilung getroffen. Mit dem Nachfolger desselben, Gottfried von Blankenheim, schloß Erzbischof Arnold II. 1256 einen Vergleich, nach welchem es dem Abte frei stehen sollte, auf dem Prümschen Theile eine Burg zu bauen; jedoch behielt sich der Erzbischof die hohe Gerichtsbarkeit vor. Auch sollten die Burgmänner in der Prümschen Burg zugleich dem Erzbischofe Treue geloben.

Im Jahre 1441 machte Johann Hürthen von Schönecken wegen Geldsummen, welche er auf Bauten in Kyllburg, welches ihm eine Zeit lang verpfändet gewesen war, verwendet hatte, Ansprüche an Erzbischof Jakob I. (von Sirk) und befehdete denselben. Nach der Entscheidung der Schiedsrichter sollte der Erzbischof 1000 Gulden Entschädigung zahlen. Erzbischof Johann II. (Markgraf von Baden † 1503) vermehrte die Befestigungswerke in Kyllburg.. Bis zur Auflösung des Erzstifts Trier war Kyllburg der Sitz eines Kurtrierischen Amtes, zu welchem Ackerburg, Bruderholz, Dahlem, Ehlenz, Etteldorf, Kyllburg, Kyllburgweiler, Meisburg, Merlscheid, ein Theil von Neidenbach, Orsfeld, Ein Theil von Schleid, Schwickerath, Spang, St. Johann, St. Thomas, Usch, Wilsecker und Zendscheid, auch zwei Häuser zu Lünebach gehörten. Das Erzstift hatte das Amt Kyllburg mit Vorbehalt der Landeshoheit, dem Trierschen Domkapitel verpfändet und dieses dasselbe dem jedesmaligen Domdechanten zur Benutzung überlassen. Im Jahre 1784 hatte das Amt eine Bevölkerung von 2138 Seelen.

Das Personal des Amtes bestand aus einem Amtmann, (der letzte war der Domdechant Anselm Franz Theodor Johann Nepomuk Freiherr von Kerpen), einem Ober-Schultheiß, einem Amtskellner und dem Stadtschultheiß.

Das Oelmaaß im Flecken war ein Maaß zu 4 Schoppen und ist ein solches Maaß 1,3712 Quart Preußisch gleich.

Das Fruchtmaaß war ein Malter zu 12 Sester, Roggen und Weizen gestrichen, Hafer gehäufelt und Gerste halb gestrichen, halb gehäufelt. Ein Sester Kyllburger ist 9,2496 Metzen Preußisch gleich.

Bei der Französischen Organisation wurde Kyllburg Hauptort eines Kantons, im Bezirke Prüm, im Saar-Departement, welches aus den Mairies Burbach, Kyllburg, Seffern und Spang bestand und im Jahre 1809 eine Bevölkerung von 4372 Seelen hatte. Kyllburg erhielt damals auch ein Friedensgericht, welches aber 1823 nach Dudeldorf verlegt wurde. Es wird jedoch monatlich zu Kyllburg von den Beamten des Friedensgerichts zu Dudeldorf eine Sitzung für Civil- und Polizeisachen für die Bürgermeistereien Kyllburg, Malberg und Seffern gehalten. Der Triersche Erzbischof Heinrich II. (von Vinstingen) stiftete im Jahre 1276 das Kollegiatstift B. M. V., von welchem im folgenden Theile nähere Nachrichten gegeben werden Sollen. Auch war Kyllburg der Sitz eines Landkapitels im Archidiakonate St. Peter. Zum Landkapitel Kyllburg gehörten die Pfarreien zu Büdesheim, Dahlem, Deudesheim, Duppach, Ehlenz, Fleringen, Ittel, Kyllburg, Lauch, Manderscheid, Meisburg, Mürlenbach, Niederprüm, Prüm, Olzheim, Orsfeld, Pronsfeld, Rammersheim, Salm, Seffern, Stadtfeld, Sülm, Udelfangen, Weinsheim, Welschbillig und Wetteldorf. Auch wurden die Abtei Prüm, das Nonnenkloster St. Thomas an der Kyll, das Kloster der Kreuzherren im Hospitale (Helenenberg) und das Kloster der Trinitarier zu Vianden zum Bezirke des Landkapitels gerechnet. Das Landkapitel von Kyllburg hatte öfter, besonders in früheren Zeiten, einen gemeinschaftlichen Dechanten mit dem Landkapitel zu Bitburg. So war z. B. zu Ende des 17. Jahrhunderts Gerhard Faber, Pfarrer zu Wachsweiler, Dechant von Bitburg und Kyllburg. Die Besetzung der Pfarrei zu Kyllburg stand dem Dechanten und dem Kapitel des Stifts gemeinschaftlich zu. Zur jetzigen Pfarrei Kyllburg gehören außer Kyllburg noch Kyllburgweiler, Orsfeld, St. Johann, St. Thomas mit Bruderholz und Wilsecker. Das Patronatrecht von Kyllburg hatten, wie Schon oben bemerkt worden ist, die Grafen von Vianden von dem Kloster Prüm zu Lehn getragen. Das Kloster mußte zwei Pferde bereit halten, damit die Kirchen zu Kyllburg und Wilsecker gehörig bedient werden konnten. Die Schöne Stiftskirche zu Kyllburg ist im Jahre 1276 von dem Erzbischofe Heinrich II. erbaut worden und ist wegen der herrlichen Glasmalerei an den drei Fenstern des Chors, wegen der kunstreichen Verzierungen und vieler Grabmäler sehenswerth. Der schöne Kreuzgang bei der Kirche ist leider sehr verfallen. In der Mitte des Kreuzgangs befindet sich eine Cisterne. An einem Pfeiler der Kirche im Chor steht folgende Inschrift:

 

ADGLAM ET IN HONOREMBV. MATRIS SVAE OVIMQVES.S.VIRGINVM HVIO ECCLIAEOSTRVCTIO PER RSSIMVMDDHENRCVM ARCHIEP TREVIREIVSD.EMQVE ILLRE CAPLVMINCEPTA ESTANNO 1276 8 MAY

 

(ad gloriam et in honorem beatae virginis matris suae omniumque Sanctorum virginum hujus ecciesiae constructio per reverendissimum dominum Henricum Archieepiscopum Trevirensem ejusdem que illustre Capitulum incepta est.)

Die Länge des Schiffs beträgt im Lichten 115 Fuß 10 Zoll Rheinisches Maaß, die Weite 43 Fuß. Der Chor ist 29 Fuß 4 Zoll lang und 27 Fuß 3 Zoll breit. Die Länge der ganzen Kirche beträgt im Lichten 143 Fuß 10 ZollE. W. Schmidt Baudenkmale, III. Lieferung 1841. S. 15.). Eine vorzügliche Zierde der Kirche sind aber die schönen Glasgemälde au den drei Fenstern des hohen Chors, wovon leider das eine zur Rechten durch die Ungeschicktheit eines Arbeiters stark beschädigt und fast zur Hälfte vernichtet worden ist. Die bildlichen Darstellungen auf den Fenstern sind aus der Lebensgeschichte des Erlösers genommen, und bilden verschiedene Abtheilungen, Geburt, Tod und Auferstehung. An den Fensterabtheilungen sind die Namen derjenigen bezeichnet, welche die Fenster der Kirche Zum Geschenke gemacht haben, als:

IACOB KILBURG CANON ET CANTOR HVIVS ECCLESIAE 1534. — ferner BERNARD KILBURG DECAN ET CAPITVLVM D. MARIAE KILBURG 1533 und D. BERNARD hanc .... ded. Sen 1534.

Wenn auch diese Jahreszahlen nicht schon darthäten, daß die Gemälde zu einer Zeit angefertigt worden, wo Johann van Eycks Erfindung der Schmelzmalerei auf Glas noch blühte, so würden dies doch die Pracht und die Zusammenstellung der Farben beweisen. Zeichnung und Ausführung sind eben so vortrefflich. Auch Oelgemälde sind in der Kirche. Von diesen ist besonders dasjenige merkwürdig, welches die Jungfrau Maria darstellt, wie sie Milch aus ihrer Brust drückt, welche vier Mönche (vielleicht Kirchenväter) begierig mit dem Munde auffangen.

Auch viele Grabsteine befinden sich in der Kirche, wie ich schon früher erwähnt habe, so der des Johann von Brandscheid und anderer dieses Geschlechtes, des Johann von Schoenberg, † 1540 und der Katharina von Wilsecker. Im untern Theile des Fleckens ist noch eine zweite Kirche, St. Maximin, in welcher die Frühmessen und Todtenmessen gelesen werden.

Die Einwohner von Kyllburg treiben Ackerbau und einen bedeutenden Hopfenbau. Auch die Bierbrauerei ist nicht unbedeutend. Bei Kyllburg wachsen viele Kirschen, aus welchen Kirschwasser gebrannt wird, das in guten Jahren einen bedeutenden Ertrag gibt.

Zu Kyllburg werden jährlich fünf Kram- und Viehmärkte gehalten.

Eine 60 Fuß lange Brücke führt über die Kyll. Von dieser Brücke hat man eine sehr schöne Aussicht.

Die vormaligen Kellnereigebäude werden jetzt zur Schule und anderen Gemeindezwecken benutzt. Kyllburg hat auch eine Armenanstalt.

Die zum Stifte gehörigen Häuser ließ die Französische Regierung am 16. Messidor XI. (5. Juni 1803) versteigern und zwar ein Haus mit Hof, Stallung und Bering für 1010 Frs. (296 Thlr.); ein dergleichen für 530 Frs. (141 Thlr.); ein drittes für 820 Frs. (165 Thlr.) und ein viertes für 805 Frs. (214 Thlr.)

Das dem Kurfürsten gehörig gewesene Cratzische Gut wurde für 7850 Frs. (2093 Thlr.) am 9. August 1811 versteigert. Die dem Domkapitel zugehörig gewesene Mühle mit drei Gängen und Bering wurde für 4075 Frs. (1086 Thlr.) versteigert.

Auch die Ländereien der Domdechanei, Wiesen des Stifts Kyllburg und des Klosters St. Thomas wurden versteigert. Im Jahre 1840 besaß die Gemeinde 276 Morgen Holzungen, 18 Morgen Schiffel- und Wildland und 27 Morgen Ackerland, Wiesen u. s. w.