Luft- und Kneippkurort Kyllburg Südeifel
Geschichte und Geologie
Ein Gang durch die Stadt des Mittelalters und Wanderungen durch die Landschaftsschutzgebiete des Kyllburger Raumes
HERAUSGEGEBEN VOM EIFELVEREIN
Schriftenreihe „Die schöne Eifel“
Ausgabe Kyllburg, 1. Auflage 1964
Bisher erschienen: Ausgaben Kronenburg, Heimbadi mit den Seen der Nordeifel, Daun und die vulkanische Eifel, Wittlich, Gemünd, Naturpark Südeifel, Kelberg, Hellenthal und Manderscheid. Weitere Hefte in Vorbereitung.
Herausgeber: Eifelverein (Hauptgeschäftsstelle Düren, Philippstraße 1),
Druck: Grafische Werkstatt, Trier.
Umschlagzeichnung: J. Mettlach, Trier.
Bilder: Fotomeister H. Nieder, Birresborn, Bild-Nr.: 1, 3, 4, 5, 8, 9, 10, 11, 12, 13, 14, 17, 18, 19, 20, 21, 22, 23, 24, 25, 27, 28, 29.
Foto-Bilddienst Thörnig, Trier, Bild-Nr.: 16, 26.
Wanderwegekarte: Herausgeber B. M. Atzhorn, Kyllburg;
Druck: Firma M. Caesar, Traben-Trarbach.
Abgeschrieben 1999 von Christian Schmidt, Kyllburg
Kurstadt Kyllburg von der Malberger Straße aus
Vorwort
Das Erholungsgebiet um Kyllburg zählt schon seit Jahrzehnten zu den bedeutendsten Fremdenverkehrsgebieten der Eifel. Kyllburgs Lage im tief eingeschnittenen Tal der Kyll und im Schnittpunkt mehrerer Straßen und Wanderwege, die zu bekannten Ausflugszielen der Südeifel führen, machte es schon frühzeitig zu einem Ausgangspunkt für die touristische Erschließung eines weiten Raumes.
Der Eifelverein hat im Jahre 1956 begonnen, eine Schriftenreihe herauszugeben, in der unter dem Titel „Die schöne Eifel“ Ausgaben über alle bedeutenden Orte der Eifel erscheinen. Der Stadt Kyllburg, einem besonders beliebten Kneippkurort der Eifel, ist diese Ausgabe gewidmet. Dieses Heft soll den vielen Gästen von Kyllburg und seiner Umgebung, aber auch der einheimischen Bevölkerung und der Jugend, die Geschichte dieses Fremdenverkehrsgebietes wieder lebendig werden lassen. Besonders aber will dieses Heft den Kurgästen eine Hilfe sein bei Wanderungen und Ausflügen und auf Tagestouren, das Kyllburger Land zu entdecken und kennenzulernen sowie Kenntnisse über die geologische Struktur dieser Landschaft, der Pflanzen-, Tierwelt usw. vermitteln.
Bei der Vorbereitung dieser Ausgabe konnte der Eifelverein auf ausführliche Manuskripte zurückgreifen, die bereits vor einiger Zeit von dem leider mittlerweile verstorbenen Amtsbürgermeister Föst zur Verfügung gestellt worden waren. So ist im wesentlichen diese Ausgabe ein Vermächtnis dieses verdienstvollen Kyllburger Amtsbürgermeisters und erinnert an seine steten Mühen, Kyllburg als Kurort Anerkennung zu verschaffen und seinen guten Ruf als Fremdenverkehrsort weiter zu vertiefen.
Auch seinem Nachfolger, Herrn Amtsbürgermeister Schuster, gilt unser besonderer Dank, denn er hat maßgeblich an der Herausgabe dieses Heftes mitgewirkt. Auch allen anderen Mitarbeitern, die an dieser Schrift mitgewirkt haben, spreche ich meinen besten Dank aus. Ich freue mich, dieses Heft als 13. Ausgabe unserer Schriftenreihe den Freunden der Eifel übergeben zu können.
Düren, Juli 1964
Dr. Schramm
Vorsitzender des Eifelvereins
Zur Geologie und Landschaft von Kyllburg
Von Amtsbürgermeister a. D. Karl Föst †
Kyllburg (300—360 m über NN) liegt an der Eisenbahnstrecke Köln —Euskirchen—Trier—Saarbrücken (130 Eisenbahn-Kilometer südlich Köln, 45 km nördlich Trier und 134 km nördlich Saarbrücken; es ist Haltestelle für D- und Eilzüge). Im Netz der großen Straßen ist seine Lage sehr günstig. Es besteht direkte Straßenverbindung zur B 51, B 257, L 24, L 34 und L 32, letztere ist die alte Römerstraße Trier— Jünkerath—Köln, deren Ausbau als Europastraße (E 42) begonnen hat.
Die Landschaft, in der die Stadt Kyllburg eingebettet liegt, war ursprünglich nicht in dem Raum einbegriffen, den man heute Eifel nennt, das Gebiet zwischen der deutschen Grenze im Westen, der Mosel, dem Rhein und der Kölner Bucht, da man vordem, in karolingischer Zeit und weiterhin, mit Eifelgau (pagus eflinsis) nur einen kleineren Teil der heutigen Eifel bezeichnete. Erst als in preußischer Zeit durch volkstümliche Verallgemeinerung Name und Begriff Eifel sich über das Ursprungsgebiet hinaus ausdehnten und auch den einstigen Bedagau (pagus bedinse) umspannte, wurde Kyllburg in den Landschaftsraum Eifel einbezogen; im Laufe der Zeit kam dann für seine räumliche Bestimmung die Bezeichnung Südeifel oder auch Kyllburg in der Waldeifel auf.
Die Eifel ist heute nicht mehr Stiefkind unter den deutschen Landschaften. Alte Vorurteile sind abgetan. Heute ist das lang verkannte und doch an landschaftlicher Schönheit und geologischer Eigenart so reizvolle und reiche Eifelland längst dem Fremdenverkehr und der Wanderlust erschlossen und beglückt jeden, der Liebe und Freude an der Natur und der schönen deutschen Heimat empfindet. Wohl war das Eifeler Bergland auch in alten Zeiten schon geschätzt, als noch prächtige, ausgedehnte Waldungen das Klima begünstigten und im frühen Mittelalter die Franken zur Zeit ihrer blühenden Kultur Täler und Hänge beackerten und bepflanzten. Es hat der Eifel seit den ältesten Zeiten an Besuchern nie gefehlt. So durchzogen sie der römische Soldat und der Kaufmann, später die Mönche, die in den Eifelwaldungen in mühsamer Rodung ihre Klosterstätten errichteten, die Ritter und Edelfrauen zum Weidwerk.
Im Tal der Kyll
Eines der schönsten und eigenartigsten Täler der Eifel ist das Kylltal, das von St. Thomas über Kyllburg und Malberg bis zur Fließemer Mühle noch besonders anziehend wirkt. Die Kyll ist ein kleiner fischreicher Fluß, von den Römern Gelbis genannt, der sich aus verschiedenen Bächen des Losheimer Waldes auf der Hauptwasserscheide der Eifel bildet und bis zu seiner Einmündung in die Mosel bei Ehrang viele Bäche und Rinnsale aufnimmt. Mit 126 km ist er das längste aller der Mosel und dem Rhein zufließenden Eifelgewässer. Im allgemeinen nimmt die Kyll einen fast südlichen Lauf. An ihrem Mittellauf, wo sie eine besonders starke Krümmung bildet, liegt unvergleichlich schön und eigenartig als Mittelpunkt eines ausgedehnten Landschaftsschutzgebietes das Städtchen Kyllburg. Hier umfließt die Kyll einen langgestreckten Bergrücken in einer nahezu geschlossenen Flußschleife von etwa 3,5 km Länge. Dieser mächtige und ringsum bewaldete Bergrücken, aus dem Tale bis zur Höhe von 361 m allmählich ansteigend, trägt mit seinem größeren Siedlungsteile das malerische, stufengebaute Städtchen, auf der Höhe des Hügels die edelgestaltete, gotische Stiftskirche und den alten hochragenden Burgturm, zwei ehrwürdige Kulturdenkmale aus vergangenen Zeiten. Hier hat der Schöpfer ein Fleckchen Erde von seltener und eigener Art entstehen lassen, das der Besucher immer wieder liebend betrachtet, eingefangen von dem Zauber seiner Schönheit und der Gesetzmäßigkeit aller Gestaltung, mag er nun von der Wilsecker Linde oder vom Annenberg her, wo der Blick sich weitet auf das malerische Malberg, oder von irgendeinem anderen Standpunkte aus das Landschaftsbild bewundern.
Blick von der Wilsecker Linde auf den Stiftsberg mit Krankenhaus, Stiftskirche Burgturm und Stadtzentrum
Blick vom Annenberg (Wassertretbecken)
Der Luft- und Kneippkurort (Blick von der Mariensäule)
Manch einer wird bisweilen besinnlich und verträumt in die Wunder und Werke Gottes herrlicher Schöpfung geschaut und dabei über die Geschichte und Geschicke seiner Bewohner und über das Wirken der lebendigen Kräfte unserer Erde nachgedacht haben. Doch wollen wir dieses Wirken verstehen und die Erscheinungen und Formen im Landschaftsbild in ihrem Werden und Vergehen verfolgen, müssen wir uns mit der Vergangenheit, der Erdgeschichte im allgemeinen und der Geologie der Eifel im besonderen etwas vertraut machen.
Erdgeschichte und Geologie
Die Geologen haben die erdgeschichtliche Entwicklung in einzelne, nach Jahrmillionen zählende Zeiträume, in Zeitalter, Formationen (Perioden) und Stufen (Epochen) gegliedert und zu einem grundlegenden Schema ausgebaut, hier das Grundschema:
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Erdneuzeit: |
Erdmittelalter: |
Erdaltertum: |
Erdurzeit: |
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1. Quartär |
3. Kreide |
6. Perm |
11. Urgebirge |
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2. Tertiär |
4.Jura |
7. Carbon |
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5. Trias |
8. Devon |
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9. Silur |
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10. Kambrium |
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Die historische Geologie beginnt erst von der Zeit an, als sich vor 2 Milliarden Jahren — relativer Zeitbestimmung — auf der Erde die ersten Gesteine bildeten. Die voraufgegangene „vorgeologische Zeit“ liegt im Dunkel. Die älteste Formation, welche durch die erste Erstarrungskruste der Erde gebildet sein muß, kennen wir nicht. Gewaltige Entwicklungsprozesse, Naturereignisse und Revolutionen innerhalb der Erdkruste müssen vor sich gegangen sein, bevor sich im Altertum der Erdgeschichte allmählich die Züge des werdenden Erdbildes herausschälten.
Die Eifel war während eines Teiles des Erdaltertums ein Meer, welches die Gesteinsschichten ablagerte, die wir als Formation des Kambriums bezeichnen, einer in geotektonischer Hinsicht verhältnismäßig ruhigen Zeit, wurde in der nachfolgenden Silurzeit aus dem Meeresboden emporgehoben, um in der nächsten Periode wieder vom Meere begraben zu werden.
Von besonderer Bedeutung für das Werden des Eifellandes war die 350—310 Millionen Jahre vor der Jetztzeit währende Periode des Devon. In dieser Zeit lag das Gebiet der Eifel unter Bedeckung des sich weithin über fast ganz Europa erstreckenden Devonmeeres, dessen Boden infolge tektonischer Bewegungen schwankte, sich bald hob, bald senkte. Ströme und Stürme führten Sand, Tonschlamm und andere Sinkstoffe heran, die sich auf dem Meeresboden übereinander schichteten und schließlich fest zusammengedrückt wurden. Aus Bestandteilen von Quarz, Feldspat, Glimmer und Tonschiefer entstand die Grauwacke, ein mehr oder weniger grober Sandstein, aus Tonschlamm der Tonschiefer, ein Vorgang, der durch Wasserverlust und Erhärten seiner Bestandteile hervorgerufen wird, aus Kalkschlamm, Muscheln und Korallen der Kalkstein, aus äußerst festem Sandstein Quarzit. Aus diesen Gesteinen bildeten sich die Schichten des sogenannten Unterdevons, das eine Mächtigkeit (Dicke) von mehreren tausend Metern erreichte. Schließlich trat das Devonmeer zurück und der Meeresboden hob sich. Gegen Ende des Erdaltertums, am Ausgang der auf das Devon folgenden Karbon- (Steinkohlen-) Periode, deren Ablagerungen sich nur am Nordrand der Eifel vorfinden, wurden die überwiegend devonischen Gesteinsmassen zu einem gewaltigen hochalpinen Kettengebirge zusammengefaltet, das der Geologe das variszische nennt. Doch dieses Hochgebirge war — gemessen an geologischen Zeitbegriffen — nicht von langer Dauer. Schon bald begann seine Abtragung; Verwitterung und Erosion schleiften es ab, Bäche und Flüsse schnitten sich in das Gebirge ein, zernagten es und führten die gelösten Gesteine in Senken und Meere. Es blieb aber ein Rumpfgebirge, der aus devonischen Schiefern und Grauwacken aufgebaute Grundstock des Rheinischen Schiefergebirges, das Grundgebirge auch unserer Eifel.
Geologie und Umgebung
Devongestein bildet zum weitaus größten Teil den heute sichtbaren Boden der Eifel. Doch haben dem Devon folgende Formationen — aufgebaut aus den Zerstörungsprodukten des alten Gebirges — und erdgeschichtliche Vorgänge, die vulkanischen und andere, den devonischen Gebirgsstock der Eifel in erheblichem Maße überdeckt, so daß sich Landschaften verschiedenartigen Gepräges herausbildeten, die das Landschaftsbild der Eifel so abwechslungsreich und fesselnd gestalteten. Es würde aber im Rahmen unserer Betrachtung zu weit führen, den verschiedenen Bildungen der jüngeren geologischen Formationen hier nachzugehen. Wir müssen uns darauf beschränken, lediglich den Kyllburger Raum erdgeschichtlich näher zu betrachten, den das Landschaftsschutzgebiet um Kyllburg und darüber hinaus die Gemarkungen des Amtsbezirks Kyllburg bilden.
Gegen Ende des Erdaltertums beginnt sich das Gebirge zu senken. Besonders im Süden der Eifel hatte sich das Devon muldenartig eingesenkt; es entstand die sogenannte Trierer Bucht, die weiterhin durch jüngere Erdbewegungen noch stärker ausgeformt worden ist und den Hunsrück von der Eifel trennt. Sie stößt über die Kyll weit in das Eifeldevon bis nahe an die Salm bei Eisenschmitt heran. In sie hinein schiebt nun zu Beginn des Erdmittelalters, nach Schätzung der Geologen etwa vor 200—170 Millionen Jahren, die Trias ihr Schichtgestein und bedeckt so auch den Kyllburger Raum, dem damit gewissermaßen seine Geburtsstunde schlägt. Ihre klare Gliederung in Buntsandstein, Muschelkalk und Keuper hat der Trias, die zeitlich vor der Entstehung der Vulkaneifel liegt, den Namen gegeben. Diese drei Schichten, die in der Trierer Bucht bis hinauf in unseren Raum das Devongebirge unter sich begraben haben, sind in aufeinanderfolgenden Stufen übereinander abgelagert worden, auch wo sie jetzt scheinbar nebeneinander liegen; tektonische Bewegungen bewirkten mancherlei Änderung in der Lagerung der geologischen Schichtung.
Die erste Stufe der Trias ist der Buntsandstein, ihm folgt der Einbruch des Muschelkalkmeeres und sein Zurückebben im Keuper, der im Gegensatz zum Sandstein und Muschelkalk nicht zu Gestein erstarrte. Steil steigt bei Trier der rote Sandsteinfelsen zu einer Hochflächenbildung empor. Von Ehrang aus setzt sich der Sandstein an der Kyll bis Philippsheim fort, wird dann von jüngeren Schichten der Trias überlagert, die zwischen Erdorf und Hüttingen (etwa 8 km) so tief eingegraben sind, daß der Muschelkalk in der Talsohle liegt. Dann zeigt sich der Buntsandstein wieder von Erdorf bis St. Thomas, wo das Unterdevon zu beiden Seiten der Kyll in der Talsohle beginnt und gegen Norden in die Höhe steigt, während der Buntsandstein sich noch bis auf die Höhen bei Weißenseifen und des Salmer Forstes hinzieht.
In unserem Räume herrscht, wie die hier folgende Übersichtsskizze deutlich erkennen läßt, der Obere Buntsandstein vor. Der Untere Buntsandstein fehlt in der Eifel, der Mittlere lagert unmittelbar auf den Devonschichten und führt devonische Blöcke in den Konglomeraten. Entstanden ist der Sandstein in unmeßbar langen Zeiträumen aus Verwitterung und Abtragung des gewaltigen, schon erwähnten variszischen Kettengebirges. Felsen und Geröll wurden völlig zu Sand zersetzt, der sich, durch Roteisen rötlich gefärbt und durch große Stürme herangeführt, in außerordentlich gleichmäßiger Ablagerung dünenartig aufschichtete. Die Sandkörner wurden teils durch Ton zu weichem, teils durch Kieselsäure zu hartem roten Sandstein verkittet und geschichtet. Nach heutiger Auffassung der Geologen sind die Schichten des Buntsandsteins Festlandbildungen, entstanden in einer Zeit großer Wüsten und in einem wüstenähnlichen Klima; früher betrachtete man sie als Strandbildungen. Jedenfalls formten sich Buntsandsteinschichten von starker Mächtigkeit.
Bei Trier findet sich der Buntsandstein in einer Stärke von nahezu 300 m, hier im allgemeinen aus roten, bisweilen auch gelben und violetten Schichten. Im Kyllburger Raum ist er nicht mehr so mächtig ausgebildet.
Als im Jahre 1955 in der Talaue zwischen Kyllburg und Malberg ein Tiefbrunnen zur Verbesserung der Wasserversogung beider Orte angelegt wurde, erreichte die Bohrung durch den Buntsandstein eine Tiefe von 70 m, ohne auf den devonischen Schiefer gestoßen zu sein. Der Sandstein hat also hier unter der Talsohle eine Mächtigkeit von mehr als 70 m. Bei St. Thomas wird die Mächtigkeit des Mittleren Buntsandsteins auf mehr als 50 m geschätzt. Hier zeigen sich Schichten von weißer, hellgelber und ziegelroter Färbung. Allseits der Kyll folgt im Kyllburger Raum auf den Buntsandstein der Muschelkalk, dessen Verwitterungsböden im allgemeinen die Vegetation und landwirtschaftliche Entwicklung mehr begünstigen als die der kalkärmeren Sandböden. Ganz jedoch oder doch mit ihren wesentlichen Teilen liegen im Sandsteingebiet die Gemarkungen Kyllburg, Kyllburgweiler, Etteldorf, Malberg, Malbergweich, Neidenbach, St. Thomas und Usch. Einzelne dieser Bezirke besitzen aber auch Muschelkalkflächen, so Etteldorf gegen Wilsecker, Kyllburg gegen Wilsecker und Orsfeld, Kyllburgweiler gegen Orsfeld und Seinsfeld. Es handelt sich hier um Unteren Muschelkalk und tonige Schichten des Mittleren Muschelkalks, welch gleiche Muschelkalklandschaft auch der Bann Malbergweich gegen Sefferweich und Fließem zeigt. Will man einmal auf der linken Kyllseite den Obergang vom Buntsandstein zum Muschelkalk — die Trennungslinie zwischen rotem und weißem Boden — näher verfolgen, so braucht man nur den Spuren der sogenannten „Langmauer“, auch „Landmauer“ genannt, nachzugehen, die ehemals, in spätrömischer Zeit, mit einer Gesamtlänge von 73 Kilometern einen Raum von 220 Quadratkilometern von Aach bei Trier bis in die Nähe von Oberkail, im wesentlichen eine geschlossene Kalk-Keuper-Landschaft, umspannte, dabei jedoch die Sandsteinflächen von Kyllburg und Kyllburgweiler aussparte. Auf den Flurkarten von Wilsecker und Kyllburgweiler finden wir noch die Flurbezeichnung „Ober der Landmauer“ und „Hinter der Landmauer“. Da die Wilsecker — im Gegensatz zu der Kyllburgweiler — Gemarkung noch nicht zusammengelegt ist, läßt sich auf der Wilsecker Flur der Verlauf der Langmauer mit Hilfe einer Flurkarte aus dem Jahre 1890 sehr gut und weit besser verfolgen als auf Bann Kyllburgweiler.
Der Keuper, die dritte Stufe oder oberste Abteilung der Trias, kommt in unserem Räume nicht vor. Auch von jüngeren Formationen finden wir nur Ablagerungen von untergeordneter Bedeutung.
Devon und Trias haben im Erdaltertum und Erdmittelalter den Aufbau des Kyllburger Raumes geschaffen; über den steil aufgerichteten Schichten des Unterdevons lagerte die Trias waagerecht wie eine Decke den roten Sandstein und den Muschelkalk ab. Das heutige Relief der Landschaft aber schuf erst das formende Wirken der Erdneuzeit in vielen Jahrmillionen. Die der Trias nachfolgende Zeit, Jura und Kreidezeit, das ältere Tertiär haben in unserem Räume keine Spuren hinterlassen. Wahrscheinlich war damals die Eifel Festland, dessen Oberfläche zum größten Teil flachwellig war, eine Fastebene. Einförmig mag zunächst diese Landschaft ausgesehen haben, bis mannigfaltige Störungen und Bildungen, Erdbewegungen und durch das Klima bewirkte Gesteinszersetzungen sie umgestalteten und veränderten. Nicht zuletzt waren es flußgeschichtliche Vorgänge, die immer wirksamen Kräfte des fließenden Wassers:
Schürfende Tätigkeit der Kyll
Es bildeten sich Rinnsale, Bäche und Flüsse, die sich zunächst nur träge fortbewegt haben mögen, die aber durch erneute Heraushebung des alten Gebirgsstocks ein stärkeres Gefälle bekamen, sich immer tiefer in ihre Unterlage einschnitten und so nach und nach romantische Täler erstehen ließen und diese oft durch viele Krümmungen noch besonders reizend und bezaubernd gestalteten, so auch das Tal in unserem Räume. Hier ist die Landschaft so reizvoll und schön, daß man das Tal und seine meist steilen Hänge mit ihren herrlichen Wäldern im Bereiche der Gemeinden St. Thomas, Kyllburg, Kyllburgweiler, Malberg, Malbergweich, Wilsecker, Etteldorf und Fließem zum Landschaftsschutzgebiet erklärte. Triasgestein und die erodierende Tätigkeit der Kyll gaben dieser Landschaft ihr Gepräge und ihren Charakter. Die farbenfroh mit Buchen, Eichen und Fichten bewaldeten Hänge und Höhen, der rotleuchtende Sandstein und seine oft harten Felsen, die den Fluß zu mäandrischen Windungen zwingen oder an der Stirn der Gehänge hervortreten, bieten dem Auge ein Bild unvergleichlicher Eigenart und Schönheit. In langen Zeiträumen hat sich die Kyll vermöge ihrer zerstörenden, erodierenden Tätigkeit immer tiefer in das Gestein eingegraben und es abgetragen. Von St. Thomas ab tritt sie in die Triasmulde und beginnt oberhalb Kyllburg, gezwungen durch Verwerfungen, d. h. Lagerungsstörungen und Brüche, eine Talmäanderstrecke, die bis zu 1 km nördlich Erdorf reicht und ganz in Buntsandstein liegt. Südlich Kyllburg und Malberg umschließt der größte Mäander die Malbergerhöhe (den Taubenberg) in einer Länge von 8—9 km. Seine stärkste Entwicklung hat er in einer 2,3 km langen, talengen Schleife, die den Kyllburger Stiftsberg umfließt.
Der Stiftsberg
Hartes Gestein, Wind und Wetter und vor allem die Wassererosion schufen und formten diesen, wie auf einer Insel fußenden Berg. Mit Recht dürfen wir vermuten, daß der Kiliberg, wie er in alten Zeiten genannt wurde, schon in grauer Vorzeit den Menschen nicht nur der näheren, sondern auch der weiteren Umgebung von Bedeutung war. Ist auch kaum anzunehmen, daß er damals den Schutz einer dauernden Ansiedlung gebildet hat, so spricht doch seine ganze Beschaffenheit dafür, daß er in Zeiten kriegerischer Gefahr den Bewohnern der zerstreut liegenden Siedlungen als Zufluchtsort, als sogenannte Fliehoder Wallburg diente, um Weib und Kind, Hab und Gut, vor feindlichem Angriff zu sichern. Obwohl uns für das einstige Vorhandensein einer Befestigung die unmittelbaren Beweise fehlen, so hat man dennoch den Kiliberg als Vorzeitburg in die Reihe der Wehranlagen aufgenommen, „da die ganze Geländegestaltung geradezu zu einer Befestigung in geschichtlich-primitiver Zeit herausfordert“. Wohl ist noch ein Abschnittgraben festgestellt, dessen Lage ein Blick auf die Karte sehr bald erkennen läßt. Die Bergkuppe, die fast überall ringsum schroff ins Kylltal hinabfällt, bedurfte in drei Himmelsgegenden, im Westen, Süden und Osten keines Abschnittgrabens, ihn ersetzten ja der Fluß und die Steilwandigkeit des Berges und vermutlich aus Erde, Baumstämmen und Steinen errichtete Verschanzungen. Nur im Norden drohte die größte Gefahr, und zwar dort, wo der inselartig gelegene Berg, die Landzunge, den offenen Zugang hatte. Das war ohne Zweifel an der Purt (das spätere Eingangstor zur Stadt und Burg, am Ende der heutigen Hochstraße vor dem Hause Quirin).
Hier führt eine schmale Passage zum Berg; sie war früher noch mehr eingeengt, denkt man sich die späteren An- und Aufschüttungen weg. Steil streben hier Hahn und Mühlengasse noch heute empor, um gleich wieder auf der anderen Seite abschüssig abzufallen. Hier konnte man den Zugang abriegeln, einen tiefen Graben ziehen, eine vielleicht schon vorhandene natürliche Senke noch vertiefen und dahinter mit allen damals möglichen Mitteln Sperr- und Verteidigungsgürtel anlegen. Als der Berg später durch Burg und Stiftskirche seine Krönung erhielt und die Stadt Kyllburg entstand, wurde er weltlicher und kirchlicher Mittelpunkt von Stadt und Land.
Gemälde. Kyllburg etwa 18. Jahrhundert
Geschenkt von Marianne Grunow, geb. Balduwein, jetzt Münstereifel
Zur Geschichte der Kurstadt Kyllburg
Von Amtsbürgermeister a. D. Karl Föst †
Das Kyllburger Land in vor- und frühgeschichtlicher Zeit
Wer sind nun die Menschen gewesen, denen der Kiliberg als Zufluchtsburg gedient haben mag?
Schon sehr früh war Leben in den Eifellanden. Wir wissen, daß die Kelten, ein indogermanischer Volksstamm, in vorgeschichtlicher Zeit in Südwestdeutschland und den rheinischen Gegenden seßhaft waren und Spuren keltischen Lebens auch in der Eifel nachweisbar sind. Später bevölkerten unseren Raum die Treverer, ursprünglich wahrscheinlich keltischer Herkunft, jedoch im letzten vorchristlichen Jahrhundert durch die eingedrungenen Germanen ein Mischvolk geworden. Doch wir können in unserem Raum noch tiefer in die Vorzeit eindringen. Die Kelten sind keineswegs die ersten Bewohner unseres Landes. So sollen vor ihnen die Ligurer in unseren Gegenden gesessen haben. Gehen wir noch weiter zurück, so finden wir zwar keine Überreste von Menschen selbst, aber doch seine mit der Zeit nach Material und Technik wechselnden Werkzeuge, die uns geradezu als Leitfossilien gelten. So wurden auf der Kyllburger Gemarkung im Flur Scharret Steinbeile gefunden, ebenso auf benachbarter Seinsfelder Flur. Welcher der verschiedenen zeitlich weit auseinander klaffenden Steinzeiten diese Beile angehören, war leider nicht festzustellen. Unterschiedlich von den Steinwerkzeugen der Altsteinzeit waren solche der Jungsteinzeit besser geformt, geschliffen, poliert und gebohrt. Gehören diese Funde der Jungsteinzeit an, so bezeugen sie den Menschen in der Zeit von 5000—2000 v. Chr. In diese Zeit fällt der Beginn der ersten ständigen Siedlungen. Damals wurde der Mensch seßhaft, baute Weizen, Gerste, Hirse, Hülsenfrüchte, Flachs an, lagerte seine Vorräte in Scheunen, züchtete Haustiere, flocht und webte. Funde im Buchenloch bei Gerolstein beweisen indessen ein viel früheres Auftreten des Menschen im Geroisteiner Raum; die Vorgeschichtsforschung verlegt seine dortige Anwesenheit bereits in die Zeit vor 30000—20000 Jahren v. Chr. Als Jäger und Nomade wird der Mensch in diesem Zeitraum aber auch sonstwo die Eifel durchstreift und ihn sein Nomadenleben auch in den etwa 20 km südlich gelegenen Kyllburger Raum geführt haben. Soviel zur Vorzeit.
Römer und Franken rücken unseren Raum in die Frühgeschichte. Als die Römer 50 Jahre vor Chr. Geburt unter ihrem Feldherrn und Staatsmann Julius Cäsar das trierische Gebiet eroberten, unterwarfen sie den tapferen Volksstamm der Treverer und beherrschten seither das Land in den nächsten Jahrhunderten. Zahlreich sind die Spuren in unserem Raum, ganz besonders bei Neidenbach an der großen römischen Eifel-Militärstraße. Hier lassen viele Funde und Ausgrabungen römische Siedlungen aus dem ersten und zweiten Jahrhundert n. Chr. erkennen, so; Tempel, Apollo-Altärchen, Mauerreste, Meilensteine, Grabfunde, Gefäße, Münzen usw. Bei Fließem finden wir die großangelegte Villa Otrang, bei Kyllburgweiler wurde die Statuette einer Minerva gefunden, eine römische Villa gelangte dort leider nicht zur Freilegung. Neuerdings ist man auch bei St. Thomas auf eine römische Villa gestoßen. Auf Bertert bei Etteldorf wurden römische Gräber aufgedeckt. Auch die an anderer Stelle erwähnte Langmauer sei hier nochmals genannt. Einen besonders interessanten Fund machte 1875 der Kyllburger Bauunternehmer Ludwig. Auf seinem Steinbruch an der Bademer Straße konnte er beim Abräumen circa 100 Römerurnen ausgraben. Da diese aber so nahe an der Oberfläche, kaum ein Fuß tief, lagen, waren die meisten zerbrochen, so daß nur 8 Stück geborgen werden konnten. Sie waren verschieden in Form und Größe, in einigen waren noch gut erhaltene kupferne Spangen enthalten. Damit ist die Anwesenheit und Ansiedlung der Römer nicht nur im Kyllburger Raum, sondern auch unmittelbar bei Kyllburg selbst zur Genüge erwiesen.
Mit dem Ende des weströmischen Reiches im fünften Jahrhundert schoben sich die ripuarischen Franken nach der Eifel und der Maas vor. Ihre Landnahme bedeutet einen tiefen Einschnitt in die Geschichte der Eifel. Die Franken bedeckten die Eifel mit ihren Siedlungen, Dörfern und Höfen. Doch im Gegensatz zu der römischen Zeit fehlen uns im Kyllburger Raum Bodenfunde für die fränkische Zeit. Es hängt dies offensichtlich mit der geologischen Beschaffenheit und der durch diese bedingten landwirtschaftlichen Nutzbarkeit des Landes zusammen. Die Franken bevorzugten für ihre Siedlungen die ergiebigeren Muschelkalkgebiete und die Schwemmböden späterer Formationen in den Talauen. Die Böden im Oberen Buntsandsteingebiet reizten nicht; sie wurden zunächst gemieden und erst später in Nutzung genommen. Ein fränkisches Gräberfeld wurde im Jahre 1910 auf Gemarkung Kyllburgweiler im Flur „Auf dem Wolfszoll“ ausgegraben. Die Stufe, in die die Gräber zeitlich eingewiesen werden, ist unbestimmt; es ist aber nicht ausgeschlossen, daß sie der frühfränkischen Zeit angehören.
Castrum Kiliberg
Die früheste historische Überlieferung für den Kiliberg und seine Umgebung beginnt erst im Zeitraum der Frankenkönige des Karolingerhauses. Mit dem Jahre 800, dem Jahre der Kaiserkrönung Karls des
Großen, tritt unser Raum in das Licht der Geschichte. Für dieses Jahr finden wir im „Goldenen Buch“ der Abtei Prüm den Akt der Schenkung eines Feldstückes „prope Kiliberge“ an die Abtei. Am Schlüsse der Urkunde heißt es: „Carta quam Helmfridus et coniunx sua Doda fecerunt in pago Bedinse iuxta castrum Kiliburg“. Hier werden erstmals in der Geschichte die Namen „Kiliberg“ und „Kiliburg“ genannt. Die Gelehrten sind sich bis heute noch keineswegs im klaren, welche Bedeutung diesem „castrum“ beizumessen ist. War es im Jahre 800 bereits eine feste Siedlung oder war unter der Bezeichnung „castrum“ lediglich die einstige Wallburg zu verstehen? Eine befriedigende Antwort auf diese Frage ist bis heute nicht gegeben worden. Die einen sehen in dem „castrum“ im Jahre 800 das schon durch seine hohe Lage feste Städtchen selbst. Wenn man weiß, daß das deutsche Städtewesen erst später bestimmtere Formen annahm, so könnte man das castrum allenfalls als feste Siedlung ansprechen, aus der sich später das Städtchen entwickelte. Aber selbst eine feste Siedlung um das Jahr 800 wird von anderen bestritten, die in dem Schlußabsatz der o. a. Urkunde einen späteren Zusatz erblicken. Auffällig erscheint zudem, daß das Prümer Urbar vom Jahre 893 und der Kommentar des im allgemeinen gut informierten Exabtes Caesarius vom Jahre 1222 zu diesem Urbar weder ein castrum noch eine villa Kiliburg erwähnen;
wohl spricht Caesarius von einer Kirche auf dem Berge Kileburhc:
„Una ecclesia sita est iuxta malberhc in monte, qui appellatur Kileburhc“. Dabei erscheint beachtenswert, daß er den Berg nicht Kiliberhc, sondern Kileburhc benennt. Es ist nicht von der Hand zu weisen, daß er mit Kileburhc die mutmaßlich ehemalige Wallburg bezeichnen will.
Der Landesherr baut die Kyllburg
Um das Jahr 1200 sind die Erzbischöfe von Trier unabhängige Landesherren, denen die Ritterbürtigen ihres Landes den Huldigungseid leisten. Um diese Zeit, wahrscheinlich aber schon weit früher, dürften die Erzbischöfe auch über das Kyllburger Gebiet Hoheitsrechte besessen haben. Im Jahre 973 macht Kaiser Otto II. auf die Bitte des Erzbischofs Theoderich von Trier aus den Besitzungen der trierischen Kirche und der Abtei Prüm in der Bedensischen Grafschaft einen Bannforst, den sogenannten Kyllwald und zwar im Umkreise von Manderscheid die Lieser hinab bis zur Mosel, diese und die Sauer hinauf bis Echternach, von da geraden Wegs seitwärts bis Erlesbura (heute St. Thomas) an der Kyll und von hier bis Manderscheid wieder in die Lieser, er schenkt alle Rechte darin dem Erzbischof und dessen Kirche. Innerhalb dieser Abgrenzung liegt der Kyllburger Raum. Der Bannforst ist allerdings im Jahre 1023 auf die Einsprüche benachbarter Edelherren stark reduziert worden. Ob der Erzbischof auch im Kyllburger Raum seine Vorrechte verlor, bleibt dahingestellt. Als dann um die Wende des 12. Jahrhunderts Erzbischof Johann I., der von 1190—1212 regierte, das ganze Allodium in Kyllburg von Dietrich, Grafen von Hochstaden erworben und diesem dasselbe zu Lehn übertragen hatte, war er ohne Zweifel unabhängiger Landesherr über Kyllburg geworden, zumal er auch bereits 1192 die Vogtei über die trierische Kirche von dem Pfalzgrafen Heinrich abgelöst hatte. So hatte Johann I. die Voraussetzungen geschaffen, die es seinem Nachfolger ermöglichten, den Berg Kyllburg zu befestigen und das Trierer Erzbistum gegen seine Nordgrenze zu schützen. Über den letzten unmittelbaren Anlaß zum Bau einer starken Burg weiß die Gesta Treverorum zu berichten:
„Ungefähr zu derselben Zeit (Mai 1236) starb Agnes, die Herrin der Feste Malberg. Diese nahm Rudolf, der Sohn ihres Bruders, als Nachfolger in Besitz. Es wurde ein Vertrag geschlossen, derart, daß Walram, der Sohn des Walram, (Herzog von Limburg und Graf von Luxemburg), jene Feste vom Erzbischof erhalten sollte, Rudolf aber diese von Walram. Dieser Rudolf machte sich sofort daran, die in der Nachbarschaft wohnenden Nonnen von St. Thomas wegen einiger Güter anzugreifen, die ihnen Agnes übertragen hatte. Er wollte ihnen diese entreißen und sie aufgrund seines Rechtes als Nachfolger an sich ziehen. Da. sein Drängen das Übergewicht bekam, verließen alle ihr Kloster und zogen in die Stadt Trier. Dort blieben sie einige Zeit, kamen täglich in einer Prozession zur Messe in den Dom und sangen während der heiligen Handlung selbst mit klagender Stimme die beiden Antiphonen: „Mitten in dem Leben sind wir vom Tod umfangen“ und „Sei gegrüßt, Königin, Mutter der Barmherzigkeit“. Dies taten sie auf den Rat des Erzbischofs, der höheren Geistlichen und der Dominikaner. Doch hiermit nicht zufrieden, griff Rudolf sogar die Güter des Bischofs selbst an. Um seine Unverschämtheit zurückzuweisen, begann Erzbischof Theoderich im Jahre des Herrn 1239 den Bau einer Feste auf dem Berge Kyllburg. Dagegen konnte während jenes ganzen Jahres Walram nichts ausrichten, gehindert durch die äußern heftigen Kämpfe gegen Conrad, den erwählten Kölner (Erzbischof)“.
Die neue Burg auf dem Kyllberge hielt den Malberger fortan in Schranken. Sie wurde ein Bollwerk, das noch manchmal sich bewähren und Angriffe auf das Erzbistum und den Kurstaat abwehren mußte. Zum Burggrafen bestellte Erzbischof Theoderich II. (1212—1242) die Gräfin Ermesinde von Luxemburg, deren Sohn und dessen Nachfolger mit der Verpflichtung, einen Ritter zur persönlichen Residenz in der Burg zu stellen, der aber das vom Grafen ausgeworfene „Setzlehn“ vom Erzbischof empfangen solle. Als erster Burgmann bestätigte der Erzbischof den Herrn von Falkenstein (a. d. Our).
Entwicklung des Ortes zur Stadt
Theoderichs Nachfolger, Arnold II. (1242—1259) umgab im Jahre 1256 die Burg und die anliegenden Häuser noch mit einer festen Mauer. Mit dem Abt Jofrid der Abtei Prüm, die damals auf dem Berge noch Ländereien besaß, schloß er am 16. August 1256 einen Vertrag wegen ihrer beiderseitigen Befestigungsbauten. Dieser Urkunde ist deswegen besondere Bedeutung beizumessen, weil aus ihr zu entnehmen ist, daß die Befestigungen damals noch erweitert und ausgebaut wurden und in ihr von Burgmannen und Bürgern die Rede ist. Mit dem Bau Theoderichs 1239 und den Erweiterungsbauten Arnolds 1256 entstand die mit starken Mauern und Toren befestigte Ortschaft, die kurtrierische Landstadt Kyllburg, die alles Charakteristische im Äußern einer mittelalterlichen Stadt besaß, die von Burgmannen, Wächtern, Pförtnern und Bürgern bewohnt war. Die wesentlichsten Merkmale einer Stadt:
Mauern und Markt waren gegeben. Mit dem Bau der Mauern übernahmen die Bürger die Verpflichtung, die Stadtpforten und Stadtmauern zu unterhalten. Der letzteren städtischen Aufgabe Nachdruck zu verleihen, erging später besonderer Befehl. Im Jahre 1332 erscheint Kyllburg im Sammelprivileg Kaiser Ludwigs des Bayern unter den mit dem Frankfurter Stadtrecht begabten Orten. Die Bezeichnung Stadt wird erst seit dem 14. Jahrhundert regelmäßig. In einer Lehensurkunde von 1347 taucht zum ersten Male das bis heute im Gebrauch gebliebene Stadtsiegel auf, das im Bild eine Kirche und r. u. l. vom Dachreiter das kurtrierische Kreuz zeigt; Umschrift: SIGILLUM OPIDI KILBURCH.
Kyllburg unter kurtrierischer Herrschaft
In der Mitte des 13. Jahrhunderts war das Recht, den deutschen Kaiser zu wählen, ausschließlich an die sieben vornehmsten Fürsten übergegangen. Erzbischof Arnold II. zählte zu diesen und wählte mit ihnen. Er wird deshalb als der erste Kurfürst von Trier und somit als erster kurfürstlicher Landesherr von Kyllburg zu betrachten sein, obgleich diese Eigenschaft einer anderen Ansicht zufolge erst seinem Nachfolger Heinrich II. (1260—1286) zuerkannt wird, weil mit ihm die planmäßige und mit Energie betriebene Begründung und geographische Zusammenfassung der erzstiftischen Herrschaft beginnt. Heinrich (von Vinstingen) ist mit Kyllburg besonders verbunden; er entstammte dem Kyllburg benachbarten Schloß Malberg und war Domdechant von Metz, als ihn der Papst im Jahre 1260 nach einer zwiespältigen Wahl durch das Trierer Domkapitel zum Erzbischof ernannte.
Die Stiftskirche
Dem Burgbau auf der Bergeshöhe führte Erzbischof Heinrich II. bald ein zweites Bauwerk in Gestalt einer schönen Kirche, der noch heute in ihrer Ursprünglichkeit erhaltenen altehrwürdigen Stiftskirche, zu. Die Kirche, mit deren Bau der Erzbischof im Jahre 1276 begann, wurde in zwei Bauabschnitten errichtet und war um das Jahr 1350 vollendet.
Das Collegiatstift
Mit der Kirche zugleich gründete Heinrich ein Kollegiatstift zu Ehren der seligsten Jungfrau Maria, das er mit Einkünften für 12 Kanoniker (später waren es 10) und einen Dekan ausstattete. Anfangs wohnten die Stiftsherren in einem Reventer zusammen mit gemeinschaftlichem Refektorium und Dormitorium. Später erhielt jeder Kanonikus sein eigenes Haus nebst Garten, von welchen heute noch einige vorhanden sind. Zur Hebung der Einkünfte wurden dem Stift verschiedene Kirchen inkorporiert. Der Bau der Kirche und des Kollegiatstifts vermehrten Kyllburgs Bedeutung und Ansehen sehr. Im Jahre 1802, als man alle geistlichen Orden beseitigte, wurde das Kollegiatstift aufgelöst;
die Güter gelangten durch die französische Regierung zur Versteigerung mit Ausnahme der Kirche, welche Kyllburg als Eigentum erhielt.
Verwaltung und Wirtschaft
Als Erzbischof und Kurfürst Balduin (1307—1354) die Regierung des Erzstifts übernahm, fand er eine wenig ausgebildete Verwaltung seiner Lande vor. Er, der einflußreiche und hervorragende Herrscher des Erzstifts, das unter ihm eine neue Blüte erlebte, organisierte die Verwaltung und schuf damit die Grundlage für die einheitliche Entwicklung des aus den verschiedenartigsten Bestandteilen zusammengesetzten trierischen Gebiets, mit anderen Worten den wohlgeordneten Kurstaat. Bei der Gestaltung und Einrichtung des Kurfürstentums trug er den bestehenden Verhältnissen volle Rechnung, so daß seine Einrichtungen wenigstens den Hauptzügen nach über 400 Jahre gedauert haben, wenn man sie mit der französischen Revolution abschließen will. Sein Staat wurde in das Oberstift mit der Hauptstadt Trier und das Niederstift mit der Hauptstadt Koblenz eingeteilt. Zum Oberstift gehörten 27 Ämter, darunter auch das Amt Kyllburg, dem eine Anzahl von Gemeinden zugeteilt wurden. Amtmann war in Kyllburg zunächst der mit dem Burglehn betraute Burggraf. Die Ämter waren Verwaltungsbezirke für alle Angelegenheiten der weltlichen Regierung. Der Burggraf hatte jetzt als gleichzeitiger Amtmann nicht allein wie früher,
die Burg zu schützen und dem Erzstift zu erhalten, sondern war auch der Vermittler der Regierungsangelegenheiten zwischen dem Landesherrn und den Gemeinden des Amtsbezirks, Träger der bürgerlichen Verwaltung, hatte dazu als Chef der Polizei jurisdiktionelle Funktionen und endlich auch die Steuern und die Subsidiengelder der Bewohner in Empfang zu nehmen. Dem Amtmann unterstand auch die Gerichtsbehörde. Ihre Organisation war damals allerdings noch keine so geordnete und einheitliche wie heute. Verwaltung und Justiz waren nicht scharf von einander geschieden. Dem Amtmann war ein kurfürstlicher Amtskellner (cellerarius) unterstellt, der die Verwaltung der Domainen zu führen und die Einkünfte einzusammeln hatte, die meistens in Naturalien bestanden. Er war der Finanz- und Rechnungsbeamte. In späterer Zeit bestand das Beamtenpersonal der Ämter in einem Amtmann, einem Amtsverwalter, einem Schultheiß, einem Amtskellner, noch später kam ein Einnehmer und Gerichtsbote hinzu. Die Ernennung der Beamten stand ausschließlich dem Kurfürsten und nach 1547 für Kyllburg dem trierischen Domdechanten als Amtsherrn zu. Die gemeindliche städtische Verwaltung führten der Bürgermeister und die Ratsschöffen.
Das Hochgericht und sein Weistum
Im hohen Mittelalter gab es in unseren Landen Hochgerichte, ursprünglich Landgerichte des Gaugrafen, denen die hohe Gerichtsbarkeit zustand. Diese Gerichte, auch Blutgerichte genannt, urteilten an Haupt, Hals und Hand, an Leib und Leben, erkannten auf Todesstrafe oder Verstümmelung, Verbannung und Verknechtung. Auch in Kyllburg amtierte ein Hochgericht, dessen Gerichtsbann sich weit über die heutigen Gemarkungsgrenzen ausdehnte. Es darf vermutet werden, daß dieses Gericht anfänglich und lange Zeit hindurch in Sachen der hohen Gerichtsbarkeit zu urteilen hatte; später übte es allerdings nur noch die niedere Gerichtsbarkeit, von 1719 lediglich die freiwillige Gerichtbarkeit aus und hatte so nur die Entscheidung über Klagen wegen „Schad und Schuld“. Die Bezeichnung „Hochgericht“ behielt es aber trotz Minderung seiner Befugnisse bis zu seiner Auflösung im Jahre 1798 bei. Das Hochgericht besaß ein Weistum, das Hochgerichtsschöffenweistum zu Kyllburg, das vermutlich auf die Freiung des Erzbischofs Arnold von 1256 zurückreicht. Dieses wertvolle Weistum gewährt uns einen aufschlußreichen Einblick in die Kyllburger Gerechtsame weit zurückliegender Jahrhunderte. Es befaßt sich vorwiegend mit bürgerlichen Rechtsangelegenheiten, mit Bestimmungen über Gewerbewesen, Fronen, Wald-Nutzung, Jagd, Fischerei, Maß, Gewicht, Versorgung, Verkehr, Schöffen und Gerichtsverfahren, aus denen nur hervorzuheben sei, daß Urteile im Zweifelsfalle an das Wittlicher Gericht gehen sollen. Wenn in dem Weistum der Herr genannt wird, so ist unter dem Herrn in erster Linie der Erzbischof und Kurfürst zu verstehen, später der Domdechant als Amtsherr. Schultheiß und Schöffen pflegten das Recht. Die Bürger sollten in Freiheit frei kaufen und verkaufen dürfen. Jeder sollte zu seinem Recht kommen: der Burgherr, der Bürger, der Burgmann, der Müller, der Bäcker, der Wirt, der Jäger und Fischer und auch der Fremde. Schultheiß und Schöffen sollten Klage und Gegenklage hören und ihre Entscheidung treffen nach dem geschriebenen und von den Vorfahren überlieferten Recht. In 34 Paragraphen regelt das Hochgerichtsschöffenweistum das Kyllburger Recht. Aber nicht nur dieses allein bezeugt das Weistum, es läßt uns vielmehr darüber hinaus auch mancherlei Schlüsse auf das mittelalterliche Leben in Kyllburg zu. Darüber hier nur dies:
Nach dem Burgherrn waren die Wirte zu beliefern, damit die über Feld kommenden fremden Leute Brot bei ihnen fänden, und danach den Burgleuten und Bürgern. Ebenso war es mit dem Gemeindebäcker. Die Fremden hatten also sogar einen Vorrang vor den meist adeligen Burgmännern, den sonstigen Burgleuten und Bürgern. Wenn man bedenkt, daß die Wirte im Mittelalter im Rang hinter den Burgleuten und Bürgern standen, so beweist uns das, daß die Lebensmittelversorgung im Interesse des Fremdenverkehrs schon damals im Vordergrund stand. Die meisten dieser Fremden waren sicherlich Wallfahrer, die einzeln oder in kleinen oder größeren Prozessionen zu dem damals in hoher Verehrung stehenden Gnadenbild „Unserer Lieben Frau von Kyllburg“ pilgerten.
Man war aber nicht nur für den Gast und sich selbst besorgt, man schützte auch den fremden Geschäftsmann. So durfte ein fremder Händler, der wohlfeile Waren zum Verkauf ins Städtchen brachte, selbst dann weder gepfändet noch behelligt werden, wenn er einem Bürger Geld schuldete.
Der Wald gehörte teils dem Herrn, teils den Bürgern. Eigentum der Bürger war der Etzelter (heute Malberg zugehörig), der Klopp und der Hahn, der allerdings unter der besonderen Schirmherrschaft des Herrn stand. Eigenwald des Herrn waren das Buchholz hinter dem Klopp und der Wehrbusch hinter der Brücke. Die Nutzungen dieser fünf Walddistrikte waren nicht an das Eigentum gebunden, sondern besonders geregelt. Der Hahn war noch eigens geschützt. Hatte jemand im Hahn einen Baum gefällt, so war er in eine Geldstrafe von 10 Gulden verfallen, oder es wurde ihm auf dem Baumstumpf eine Hand abgehauen; die Entscheidung hatte der Herr. Was die Jagd anlangt, so war es dem Bürger erlaubt, der ein par hundger und ein par gär(n)cher (= Garne) hat, ein Häschen zu fangen oder mit der Armbrust zu schießen; ein Reh, das ins Garn lief, sollte ungeteilt abgegeben werden. Grundsätzlich gehörte auch die Fischerei in der Kyll zu den Rechten des Landesherrn; sie stand ihm im ganzen Flußbett uneingeschränkt zu, er konnte auch Tag und Nacht krebsen lassen, doch ohne das Gerät der Fischer zu schädigen. Den Fischfang der Bürger regelte der Schöffe. Drei namentlich bezeichnete Wasserstellen in der Kyll blieben dem Herrn allein vorbehalten. Daß sich das Weistum eingehend mit der Fischerei beschäftigt, erklärt sich aus der volkswirtschaftlichen Bedeutung des Fischfangs in damaliger Zeit. Zudem war die Kyll stets fischreich, noch heute lockt den Sportangler die forellenreiche Kyll, deren Fische schon der Römer Ausonius mit den Worten rühmt: nobilibus gelbis celebratus piscibus.
Im Jahre 1558 regelte der Amtmann Hugo von Schönenburg zu Kyllburg das Brotbacken und den Weinausschank noch durch eine besondere Bäcker- und Wirteordnung, um in Übung gekommene Mißbräuche abzustellen, durch die „der arme gemeine Man allein merklich beschwert und beschädigt sei“. Er bestimmte eine Kommission, die sich aus dem Schultheißen, einem Scheffen, einem Burgmann und einem Stiftsherrn zusammensetzte und deren Aufgabe es war, peinlich und mit Fleiß Mißbräuchen zu begegnen, Verstöße und Vergehen festzustellen und zur Bestrafung zu melden. Der Wein durfte erst ausgeschenkt werden, nachdem er durch die Sachverständigen freigegeben war.
Weitere, später erlassene Bestimmungen regelten die Pflichten des Müllers vielfach bis ins kleinste.
Eine andere Ordnung betraf das Gewerbe der Woll- und Leinenweber der Stadt und des Amtes Kyllburg. Ihre Zahl war so groß, daß sich die Weber in einer Bruderschaft zusammenschlössen. Wann die Bruderschaft gegründet worden ist, wissen wir nicht. Die Bruderschaftsordnung des Amtsherrn Damian Ernst von Warsberg vom 30. April 1696 renoviert die schon „vor undenklichen Jahren“ ins Leben gerufene Bruderschaft, nachdem sie durch Kriegsereignisse fast in Vergessenheit geraten war, sich vordem aber bestens bewährt hatte. Man darf wohl annehmen, daß sie schon lange vor dem dreißigjährigen Krieg bestanden hat. Aufgabe der Bruderschaft war, zur Ehre Gottes und zur Unterhaltung guter Polizei zu wirken, gute Gebräuche zu erhalten und dem gemeinen Nutzen zu dienen. Die Satzung regelte in 10 Pargraphen die Rechte und Pflichten der Bruderschaft in kirchlicher und weltlicher Hinsicht. Am Tage ihres Patrons Matthias fand ein besonderer Gottesdienst statt, dem ein jeder Bruder beiwohnen mußte; unentschuldbares Ausbleiben war unter Strafe gestellt. Der Weberlehrling hatte eine dreijährige Lehrzeit zurückzulegen. Keinem Eingesessenen im Amt Kyllburg war es erlaubt, zu weben oder Handel zu treiben, wenn er nicht der Bruderschaft angehörte. Kyllburgs Maße und Gewichte mußten beachtet werden. Die Bruderschaft hatte das Recht, an Markttagen und anderen Gelegenheiten zu visitieren, zu strafen und zu confiszieren. Die Geldstrafe stand zur einen Hälfte der Obrigkeit, zur anderen der Bruderschaft zu. Fremde Tuchhändler zahlten höhere Gebühren als die amtsangehörigen. Ging ein Kunde von einem alten Weber zu einem neuen über, so mußte der vorherige Weber erst geldlich abgefunden werden. Niemand durfte Tuch weben, nicht einmal einen Webstuhl in seine Behausung einstellen, wenn er nicht Mitglied der Bruderschaft war. Nur der Schloßburg und den Stiftsherren, „welche auf ihrer Immunität (Stiftsfreiheit) wohnen“, war es gestattet, ihr Leintuch zu Hause machen zu lassen.
Mit Leder und Schuhwaren versorgten Stadt und Amt die in Kyllburg ansässigen Gerber und Lederhändler. Auf den Märkten fand eine strenge Kontrolle der Verkaufsart und Preisbildung statt, wobei neben Güte der Ware auch das Maß und Gewicht auf seine Richtigkeit genau geprüft wurde. Der gewerblichen Arbeit des Landes diente das aufs engste mit dem Bauerntum der Nachbarschaft verbundene Handwerk.
Die Pfandverschreibung von Stadt, Schloß und Amt
Am 20. August 1547 verpfändete Kurfürst und Erzbischof Johann V. (von Isenburg) seine Stadt, das Schloß und das Amt Kyllburg mit Vorbehalt der Landeshoheit dem trierischen Domkapitel für 4000 rheinische Gulden zur Nutzung. Für die Untertanen von Stadt und Amt sollte diese Abtretung keine nachteiligen Folgen haben. Fürsorglich für seine Untertanen faßte der Landesherr die Vertragsbedingungen ab. Die Landeshoheit verblieb dem Erzbischof und Kurfürst, die Verwaltung aber dem Trierer Domkapitel durch die Person des jeweiligen Domdechanten, der sich zunächst noch Amtmann, später aber Amtsherr nannte. Ihm standen als Vertreter des Domkapitels die erzstiftischen Renten, Nutzungen und Gefälle zu, die geistliche und weltliche Obrigkeit und Gerechtigkeit, die er gehalten war, bestens und getreulich zu handhaben. Die Untertanen sollten Schirm und Schutz genießen, zu keiner ungewöhnlichen Fron angehalten werden, sondern bei alten Rechten, dem Herkommen und guten Gewohnheiten verbleiben. Die Kyllburger Wälder mußten getreulich gehütet und gepflegt und durften nicht schädlich verwüstet und geschlagen werden. Auch anderes Tun und Lassen des Domkapitels hatte Grenzen.
Bis zum Beginn der französischen Fremdherrschaft verblieben Stadt und Amt ununterbrochen dem Domkapitel in pfandweiser Überlassung.
Der Dreißigjährige Krieg und die Folgezeit
Die traurigen Ereignisse des Dreißigjährigen Krieges mit all seinem Elend und seinen Schrecken ging auch an Kyllburg nicht vorüber. Zunächst waren es die mit dem deutschen Kaiser verbündeten Spanier, die aus den Niederlanden Truppen in das Erzstift einrücken ließen. Im
August 1625 zog eine Abteilung von 6000 Mann spanischer Truppen unter dem Grafen Isenburg in den Kurstaat ein und besetzte unter anderen Ämtern auch das Amt Kyllburg, wo sich die Truppe Monate hindurch auf Kosten der armen Bevölkerung gütlich tat und sich wie in Feindesland benahm. Als der Schwedenkönig Gustav Adolph Ende 1631 in Mainz festen Fuß gefaßt hatte, mußte mit seinem Vorrücken in das Erzstift gerechnet werden. Die Schweden zogen dann auch von Koblenz die Mosel hinauf und nahmen eine Anzahl von Ortschaften in Besitz, aus dem kölnischen Gebiet machten sie weite Streifzüge in die Eifel bis in die trierischen Gebiete hinein. Wenn die Schweden nicht bis Trier kamen, es scheint während des ganzen Krieges kein Schwede die Stadt betreten zu haben, so hatte doch die „treue Stadt Kyllburg“ unter ihnen schwer zu leiden. In der Umgebung von Kyllburg hatten die Schweden stark verschanzte Lager, wie die Flurnamen: Schwedengraben und Schwedenschanze bezeugen. An der Straße von Kyllburg nach Badern steht ein altes Kreuz. Von diesem Kreuz wird erzählt, daß ein Kyllburger Schöffe von den Schweden zu Tode geschleift worden sei, weil er sich weigerte, die von den Schweden der Stadt auferlegte Schätzung von 20 000 Talern zu zahlen oder sie aufzubringen, nicht in der Lage war. Dieses Kreuz heißt heute noch „Schwedenkreuz“. In den unglücklichen Jahren 1635, 1636 und 1637 entbrannte der Krieg heftiger als je. Kurfürst Christoph, dem das Wachsen der kaiserlichen Macht Sorgen bereitete, lehnte sich daher um so inniger an Frankreich an. Aber ein lothringischer Oberst an der Spitze wallonischer und deutscher Scharen führte ihn in Gefangenschaft. Spanische Truppen breiteten sich aus, auch sie gaben sich, wie schon früher andere, wie im Feindesland. Im Jahre 1637 müssen die Franzosen die von ihnen besetzte Festung Ehrenbreitstein übergeben. Doch auch nach ihrer Vertreibung brachte die Besatzung des Landes durch kaiserliche und verbündete Truppen keine besseren Zeiten. Hungersnot und Pest räumten gewaltig unter der Bevölkerung auf. Es war eine verworrene, stürmische und schreckensvolle Zeit. Sie trifft hart auch die Kyllburger Müllerin Katharina Salm. Die Müllerin wendet sich deshalb an ihren Amts- und Lehnsherrn mit der Bitte, ihr beizustehen und die Mühlenpacht zu ermäßigen, da die Mahlwerte so stark abgenommen hätten;
ein Drittel der Mahlleute lebe nicht mehr. Das sei für sie um so mehr niederdrückend und schädigend, als die Mahlleute zu Kyllburgweiler, Orsfeld, Wilsecker und Etteldorf seit dem „Lotharingischen Überfall und Verderben“ abgeschreckt worden seien, ihre Frucht wie bis dahin nach Kyllburg zu bringen, und nunmehr in St. Thomas, Schloß Seinsfeld, Kail und Malberg mahlen ließen; was in der ganzen Woche einkomme, könne an einem Tage gemahlen werden. Zudem sei sie durch die Wintereinquartierung in zwei Jahren und durch Kriegskontributionen in unerträglicher Weise geschröpft worden, wobei durch die „Lothringisch Leuth“ die Mühle dermaßen ruiniert und verdorben worden sei, daß sie innen und außen instandgesetzt werden müsse. Wie schwer es die Bevölkerung damals hatte, läßt der Befehl des Domkapitels vom 23. Februar 1638 erkennen, da demjenigen, der bei Einquartierung ausziehe, angedroht war, für alle Zeit der Bürgerschaft für sich und seine Kinder verlustig gehe, ferner der Befehl vom 21. Januar 1639, daß keiner unter Konfiskation seiner Güter bei Kriegszeiten aus dem Amt weichen dürfe.
Noch waren die Wunden nicht vernarbt, die der Dreißigjährige Krieg dem Erzstift zugefügt hatte, da brach eine neue Leidensperiode über das Land herein. Während in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts kaiserliche Heere im Osten des deutschen Reiches gegen die Türken kämpften, glaubte König Ludwig XIV. von Frankreich eine günstige Gelegenheit zu haben, seine Eroberungspläne in den Nachbarländern zu verwirklichen. 1673 fallen die Franzosen ins Erzstift ein. Unmenschliches hatten in der Zeit vom Ende Juli 1673 bis zum 8. September 1675 die Bewohner in Stadt und Land zu erdulden. Die Landstädte wurden von Reiterscharen überfallen, geplündert und ausgeraubt. In der ganzen Eifel hauste, wie uns Marx berichtet, die Fourille'sche Reiterei wie eine Räuberbande. Es kann kaum bezweifelt werden, daß Kyllburg von ihr verschont blieb, wenn es an Aufzeichnungen hierüber auch fehlt.
Kyllburg im letzten Jahrhundert kurtrierischer Herrschaft
Im 18. Jahrhundert, dem letzten kurtrierischer Herrschaft, verlief das Leben in Kyllburg und seinem Amtsbezirk bis zum Untergang des Kurstaates im allgemeinen ruhiger, wenn auch keineswegs rosig; in seinem Verlauf kündigten sich bereits die Ereignisse an, die ihm gegen sein Ende folgten, auch die Erbfolgekriege in der ersten Hälfte des Jahrhunderts, in der zweiten der Siebenjährige Krieg, konnten auf die wirtschaftlichen Verhältnisse des Kurstaates nicht ohne Wirkung bleiben. Am Ausgang des 18. Jahrhunderts (1787) hatte Kyllburg 535 Einwohner. Fast alle hatten einen handwerklichen oder gewerblichen Beruf. Alle besaßen etwas Land, Vieh wurde nur in ganz geringer Zahl gehalten. In den Steuerlisten sind verzeichnet: Wirte und Bäcker, Müller, Schuster und Schneider, Schreiner, Schmiede, Maurer, Steinmetze und Steinbrecher, Glaser, Dachdecker, Bierbrauer, Tuchkrämer, Köhler, Tagelöhner u. a. An rein bäuerlichen Betrieben gab es nur den einen oder anderen. Die Gemarkung war verhältnismäßig klein und schwierig zu bebauen; Florland, d. h. pfluggängiges Land war kaum vorhanden. Wie zahlreiche Rechtsvorgänge beweisen, wußten sich die Bürger der Stadt stets selbstbewußt und unabhängig zu vertreten. Eine Akte des Jahres 1776 läßt allgemeine Zufriedenheit erkennen. Man war unter sich friedsam und einig, der gemeindliche Nutzen wurde von den Bürgermeistern redlich und bestens besorgt, es gab keine unruhigen Köpfe. Mit der weltlichen und geistlichen Obrigkeit hatten die Bürger ein gutes Verhältnis. Die Kurfürsten, hier nur zu nennen die drei letzten:
Franz Georg, Johann Philipp und Clemens Wenzeslaus waren bei der Bevölkerung geachtet und beliebt. Manch einem wird es heute ein Lächeln abgewinnen, wenn gesagt wird: Es war die gute alte Zeit. Das ist auch insofern verständlich, als man sich heute im Zeitalter moderner Wirtschaftsmethoden, der Rationalisierung, Technisierung und Mechanisierung keine rechte Vorstellung mehr davon machen kann, wie anspruchslos und genügsam man vor noch nicht 200 Jahren war, wie man sich zwar in Haus und Hof und Flur von Tag zu Tag abmühte und abrackerte, aber dennoch frei blieb von Unrast und Unruhe.
Als die Franzosen den Kurstaat besetzten, mußte der Kurfürst sein Land für immer verlassen. Damals gehörten zum Amte Kyllburg außer der gleichnamigen Stadt die Ortschaften Ackerburg, Bruderholz, Dahlem, Ehlenz, Etteldorf, Kyllburgweiler, Meisburg, Merlscheid, ein Teil von Neidenbach, Orsfeld, ein Teil von Schleid, Spang, St. Thomas, Usch, Wilsecker und Zendscheid, die Höfe Schwickerath und St. Johann und zwei Häuser zu Lünebach.
Kyllburg unter französischer Herrschaft
Im Frieden von Campo Formio vom 17. 10. 1797 hatte der deutsche Kaiser in die Abtretung des linken Rheinufers gewilligt, das nunmehr von den Franzosen als französischer Provinz betrachtet, behandelt und ausgebeutet wurde, bevor es 1801 durch den Frieden von Luneville Frankreich staatsrechtlich einverleibt wurde. Im Jahre 1798 wurde die ganze bisherige Verfassung, Regierung und Verwaltung aufgelöst und eine völlig neue eingeführt. Was in Frankreich seit 1789 bis 1797 unter schweren Kämpfen und vielen Greueln geworden war, das wurde nun bei uns in wenigen Monaten und ohne wahrnehmbaren Kampf ins Werk gesetzt, nämlich Umsturz der bisherigen Gesellschaftsverfassung und Einführung republikanischer Institutionen. Das linke Rheinufer wurde in 4 Departements eingeteilt. Kyllburg gehörte zum Saardepartement mit dem Hauptort Trier und wurde zur Kantonstadt Kyllburg gemacht. In den Gemeinden unter 5000 Seelen führte ein Munizipalagent mit einem Adjunkten die Verwaltung. In Kyllburg fungierten 1798/1799 die Munizipalagenten Heinrich Mannarts und Nikolaus Brantzen. Die Gesamtheit der Munizipalagenten eines Kantons bildete die Kantonmunizipalität. Der aus der Mitte der Agenten gewählte Präsident mit einem Sekretär als Unterstützung leitete die Munizipalverwaltung in staatlichen und Gemeindeangelegenheiten. Diese Art der Verwaltung bestand bis zum Mai 1800. Zur Vereinfachung der Verwaltung wurden danach mehrere Einzelgemeinden zu Samtgemeinden, Mairien genannt, zusammengelegt. Die Verwaltung der einzelnen Gemeinden, die Munizipalverwaltung, führte ausschließlich der vom Präfekten abhängige Maire als Organ der unmittelbaren Staatsverwaltung und auch der Selbstverwaltung. Die Mairie war die unterste staatliche Behörde. Der Kanton Kyllburg bestand nunmehr aus den Mairien Burbach, Kyllburg, Settern und Spang. Die Mairie Kyllburg setzte sich zusammen aus den Ortschaften Etteldorf, Kyllburg, Kyllburgweiler, Orsfeld, St. Thomas und Wilsecker. Für den Bereich des Kantons war ein Friedensrichter eingesetzt, der in Zivilsachen über Klagen bis zum Betrage von 100 Franken, über Ackerschäden, Besitzklagen, Miet- und Lohnklagen zu befinden hatte. In Strafsachen urteilte der Friedensrichter bei kleinen Polizeiübertretungen, auch war er zuständig für Klagen von Privatpersonen, über Forstfrevel und über Wortbeleidigungen. Im Jahre 1798 wurde das civile Standesamt, 1804 der Code Napoleon und 1810 das französische Strafgesetz, der Code penal eingeführt.
Was die wirtschaftlichen Verhältnisse in der Zeit der Fremdherrschaft anlangt, so mag nicht bestritten werden, daß die landwirtschaftliche Gesetzgebung der Fremdherrschaft (so der 1798 im Kurstaat verkündigte französische Code rural) den Bauern manche Erleichterungen gebracht und die Volkswirtschaft, Industrie und Handel vorübergehende Förderung erfahren haben, so darf man andererseits nicht übersehen, welchen Nachteilen und Bedrückungen die Bevölkerung durch Kontributionen und Steuern ausgesetzt war, welche unschätzbaren Kulturwerte der Eifel, Kunst- und Schriftstücke, sowie Altertümer der Klöster, Kirchen und Schlösser vernichtet wurden und von welchem Nachteil für Wohlstand und Wirtschaft der Eifel die Beraubungen ihres großen und wertvollen Waldbestandes gewesen sind, der für den Militärbedarf übermäßig ausgenutzt wurde. All dies trifft auch in besonderem Maße für Kyllburg zu.
Kyllburg unter preußischer Herrschaft
Als die Macht Napoleons durch den Untergang der französischen Armee in Rußland 1812 und die Niederlage bei Leipzig am 18. 10. 1813 vollständig gebrochen war, brachte der Sieg über den französischen Imperator zwar im allgemeinen die Wiederherstellung der alten Staaten, das Erzbistum und Kurfürstentum Trier aber als weltlicher Staat war untergegangen. Durch die Schlußakte des Wiener Kongresses kamen 1815 die ehemaligen kurtrierischen Gebiete an Preußen, dem der Kongreß, der im November 1814 eröffnet worden war, den größten Teil der Rheinlande zuerkannte. Damals wurde Kyllburg dem Kreise Bitburg zugeteilt, der aus 43 Bürgermeistereien gebildet wurde, die dann nach und nach in 11 Amtern zusammengefaßt worden sind. Kyllburg wurde Sitz einer Bürgermeisterei. Die französische Munizipalverfassung blieb in preußischer Zeit noch bis zur Einführung der Gemeindeordnung vom 23. 7. 1845 unverändert in Geltung. Auch andere französische Gesetze wurden vielfach noch jahrzehntelang beibehalten. Das Friedensgericht blieb in Kyllburg bis zum Jahre 1821 bestehen, um alsdann infolge Neueinteilung der Friedensgerichtsbezirke nach Dudeldorf verlegt zu werden. In Kyllburg wurden seit 1843 periodische Gerichtssitzungen abgehalten; sie wurden auch noch lange beibehalten, nachdem das Amtsgericht in Bitburg zuständig geworden war. Im Jahre 1856 führte Preußen eine Städteordnung und eine Landgemeindeordnung ein. Da Kyllburg damals nicht mit der Städteordnung bewidmet wurde, war sein Rechtscharakter als Landgemeinde festgelegt, nachdem es 600 Jahre lang ununterbrochen Stadt gewesen. Im Jahre 1914 wurden die Bürgermeistereien Kyllburg und Malberg zu einer Bürgermeisterei mit dem Namen „Kyllburg“ vereinigt.
Auch unter preußischer Zeit gab es noch Zeiten der Not und die Eifel blieb noch lange das Schmerzenskind der preußischen Verwaltung, obwohl es an Unterstützung und verdienstvoller Tätigkeit durch den Staat nicht gefehlt hat.
Mit der allgemeinen Entfaltung des Wirtschaftslebens und der Steigerung des Wohlstandes nach den Kriegen 1864, 1866 und 1870/71 nahm Kyllburg fühlbaren Aufschwung, besonders noch gefördert durch den Bau der durch das Kylltal führenden Eifelbahn Trier—Köln im Jahre 1873; die Eisenbahn, deren Stationsgebäude und Tunnels aus Kyllburger Sandstein errichtet wurden, brachte Kyllburg nicht nur an den großen Verkehr schlechthin, sondern auch tagtäglich den Kyllsandstein in alle Teile Deutschlands.
Während also die Zeit nach dem Krieg 1870/71 Kyllburg einen raschen und kraftvollen Aufschwung brachte, blieb der Ort zwar auch während des ersten Weltkrieges 1914/18 äußerlich unversehrt, aber die Nachkriegswirkungen, so besonders Geldentwertung und Arbeitslosigkeit, brachten Ungemach und Not. In treuer soldatischer Pflichterfüllung sind im ersten Weltkrieg 33 Kyllburger Bürger gefallen oder ihren Verwundungen erlegen. Wie groß die Zahl derer ist, die später noch an ihren Kriegsverwundungen und -leiden verstorben sind, ist nicht bekannt.
Das noch größere Drama des zweiten Weltkrieges forderte von Kyllburg 79 Todesopfer (58 Soldaten und 21 Angehörige der Zivilbevölkerung), 21 Vermißte und etwa 50 Kriegsversehrte. Im September 1944 hatte der Vormarsch der amerikanischen Truppen diese bereits über die deutsch-luxemburgische Grenze geführt. Zahlreiche Orte des Kreises Bitburg waren in ihrer Hand. Doch erfolgte jetzt noch keine Besetzung der Stadt Bitburg. Die Rundstedt-Offensive, die am 16. 12. 1944 begann, drängte sie vielmehr wieder zurück, brachte aber eine Verschlimmerung der Lage unseres Gebietes und auch Kyllburgs. Schwere Bombenangriffe auf Kyllburg trieben die Bevölkerung in die Eisenbahntunnels. Am 2. 1. 1945 wurde die altehrwürdige Kirche St. Maximin vollständig zerstört und dem Erdboden gleichgemacht. Bombenabwürfe und Artilleriebeschuß hatten den Ort zu 35% zerstört.
Kyllburg heute im Lande Rheinland-Pfalz
Seit 1946 gehört Kyllburg mit dem Trierer Raum dem damals neu geschaffenen Lande Rheinland-Pfalz an. Der letzte Weltkrieg hatte Kyllburg nicht nur furchtbare Zerstörungen im Ort und ein zerrüttetes Wirtschaftsleben hinterlassen. Es kam noch hinzu, daß die Zufahrtsstraßen in Grund und Boden zerfahren waren und der trostlose Zustand der Straßen und die Beschlagnahme der Hotels und Wohnungen Kyllburgs Wiederaufbau noch hemmten, als andere Orte bereits wieder aufsteigen konnten. Dennoch gingen Bevölkerung und Verwaltung unverdrossen, arbeitsam und zielbewußt an die Wiedererstellung der zerstörten Gebäude und des Wirtschaftslebens. Schon 1948/49 wurden die meisten Häuser der Stiftstraße in einer anerkennenswerten Selbst- und Nachbarhilfe wiedererstellt. Als die Straßen in einen brauchbaren Zustand versetzt waren und die Gemeinde, Kreis, Land und Bund helfen konnten, wurden nach und nach die Kriegsverwüstungen beseitigt. Das Hotel- und Gaststättengewerbe und die Geschäftswelt beseitigten die Kriegsschäden und modernisierten ihre Anwesen und Lagen oder bauten sie ganz neu.
Im Ort wurden nach dem 2. Weltkriege neu erstellt: die Kyllbrücke zwischen den beiden Ortsteilen (die alte war gesprengt worden), die durch Bomben zerstörte katholische Kirche St. Maximin, das Sparkassengebäude mit anstoßenden Gebäuden (nach Beseitigung des Ruinenfeldes in der Ortsmitte), Wohnsiedlung auf dem Stiftsberg, der Kindergarten, eine zweite neue Brücke, da die vorhandene den Verkehrsansprüchen nicht mehr gewachsen war. Wiederhergestellt wurden ferner der Friedhof und die stark zerstörte evangelische Kirche, durchgreifend restauriert die alte Stiftskirche und ihr schöner Kreuzgang. Die Wasserversorgung wurde erheblich verstärkt. Alle diese und andere Maßnahmen verbesserten und bereicherten das Gesamtbild Kyllburgs wesentlich; darüber hinaus waren sie eine der Voraussetzungen für die wirtschaftliche Wiederbelebung, insbesondere des Kyllburger Fremdenverkehrs.
Im Jahre 1956 erhielt Kyllburg seinen verloren gegangenen Stadititel zurück. Kyllburg, Stadt und Amtssitz seit dem Mittelalter bis in die zweite Hälfte des vorigen Jahrhunderts, hat seine besondere Form und Wesensart erhalten durch seine geschichtliche Vergangenheit, durch seine naturgeschaffene, reizvolle landschaftliche Lage, seine mittelalterlichen Bauwerke, durch sein Heilklima, das es zum Kurort von besonderem Ruf machte, und durch sein Wirtschaftsleben in Vergangenheit und Gegenwart. Durch die Gesetzgebung des Jahres 1856, d.h. durch die Einführung der Rheinischen Städteordnung ging ihm sein Stadtrecht verloren. Kyllburg hatte sich mit diesem Verlust nie so recht abgefunden. Verständlich war es daher, daß es anstrebte, den Rechtscharakter einer Stadt wieder zu erhalten. Mit Freude und Stolz erfüllte es jeden Kyllburger, als in den Tagen seiner 700-Jahr-Feier der Ministerpräsident am 16. September 1956 in einem feierlichen Staatsakt Kyllburg die Stadtrechte wieder verlieh.
Luft- und Kneippkurort Kyllburg
Von jeher hatte Kyllburg großen Fremdenzulauf. Daß es schon im Mittelalter von Fremden stark besucht wurde, läßt sich urkundlich nachweisen. Das an anderer Stelle erörterte Hochgerichtsschöffenweistum läßt deutlich die Besorgtheit für den Gast und fremden Geschäftsmann erkennen. Fraglos werden die meisten der Fremden Wallfahrer gewesen sein, später aber zogen andere Gründe den Fremden an. Vor allem waren es die günstigen klimatischen Verhältnisse, im einzelnen:
die Höhenlage der Stadt am Südhang der Eifel in 300—360 m NN, der Schutz, den die überragenden Höhenzüge der Stadt bieten, der die Stadt umschließende Wassergürtel der Kyll, der nicht nur eine Milderung und einen Ausgleich der Temperaturen bewirkt, sondern auch eine Frischhaltung der Luft,
die Lage der Stadt auf dem Erosionssporn über der Kyll, deren Talnebel das Stadtzentrum nur selten erreichen.
Zu dieser günstigen Klimalage kommt dann noch der wunderbare Reiz der Landschaft, die von der Natur so mächtig geschaffen wurde und Menschenhand aufbauend und wirksam zu gestalten wußte.
Vom Bahnhof aus steigt die Stadt allmählich bis zur Höhe von 360 m an, ist aber gleichwohl von rauhen Winden geschützt, weil sie ringsum von bedeutend höheren, bis zu 500 m auf dem jenseitigen Ufer ansteigenden Bergrücken umschlossen wird.
Der Naturpark „Hahn“ mit seinem bequemen und ebenen
Promenadenwegen als Rundgang am Stadtrand
Bequeme Promenadenwege mit zahlreichen Ruhebänken führen in die nähere und weitere Umgegend. Wer kürzere Spaziergänge liebt, findet dazu Gelegenheit im Naturpark „Hahn“ (Rundgang am Stadtrand), ein besonderes Naturgeschenk von Laub- und Nadelwald. Fern vom Verkehrslärm findet hier der Erholungsuchende in der frischen, staub- und rauchfreien ozonreichen Gebirgsluft einen angenehmen Aufenthalt. Der Wanderfreund hat zahl- und abwechslungsreiche Möglichkeiten in einem ausgedehnten Wanderwegenetz. Idyllische Brücken überqueren die forellenreiche Kyll, die dem Sportangler auf einer Flußstrecke von 15 km Gelegenheit zum Angelsport bietet. Außer den Forellen sind weitere vorkommende Fischarten: Aeschen, Weißfische, Barben und Hechte.
Für die ärztliche Betreuung stehen 4 Ärzte, 2 Zahnärzte, 1 Apotheke, ein Krankenhaus, geführt von den Ordensschwestern der Franziskanerinnen, und ein Kneippbad mit finnischer Sauna, geführt von der Schwesterngemeinschaft Heilig-Geist-Schwestern, zur Verfügung. Für Trinkkuren mit stark alkalischem Heilwasser ist eine Trinkhalle vorhanden. Heilanzeigen: Herz- und Kreislaufstörungen, Verbrauchserkrankungen, Erschöpfungszustände, Stoffwechselerkrankungen, Erkrankungen der Luftwege, Frauenleiden.
Kurmittel: Alle Kneippschen Anwendungen, Bäder (kalt und warm), Wassertreten, Diätkost, Saunabäder, Massagen, Krankengymnastik, Terrainkuren, Ultraschall, Aerosol-Therapie, Kurzwelle.
Für die Aufnahme der Gäste ist in Hotels und Pensionen bestens gesorgt; letztere genügen auch den verwöhntesten Ansprüchen. 11 Hotels, Gasthöfe und Pensionen bieten den Besuchern mit den Vorzügen und Annehmlichkeiten des Landaufenthalts auch die Bequemlichkeiten der Stadt. Das größte Gästehaus ist das Kurhotel Eifeler Hof, das sich mit Recht als größtes und vornehmstes Etablissement der Eifel bezeichnen darf. Es wurde 1890 von Familie Wilhelm Schulte gebaut und Säule des Kyllburger Fremdenverkehrslebens, verschaffte dem Kurort internationalen Ruf.
Am Abhange des Stiftsberges äußerst malerisch gelegen, eröffnet es von seinen Terrassen aus eine überraschende Aussicht in das anmutige Tal der Kyll und es verfügt nach Beseitigung seiner erheblichen Kriegsund Besatzungsschäden wieder über 110 Betten, über große Speisesäle, Veranden, Terrassen, Gesellschaftssäle, Restaurationsräume und einen hübschen Wintergarten.
Kneipp-Sanatorium und Kurhotel Eifeler Hof mit modernem
Kneipp-Bad und finnischer Sauna. Größtes Hotel der Eifel
Im Jahre 1955 wurde im Hotel eines der modernsten Kneippbäder mit finnischer Sauna eingerichtet, in dem sämtliche Behandlungen nach Kneipp in freundlich gekachelten Stationen unter ständiger fachärztlicher Leitung möglich sind. Diese Einrichtung ist auch allen übrigen Gästen und Freunden der Stadt zugängig, so daß auch ambulante Kuren möglich sind. Ab l. Juni 1959 haben zur Erhaltung seiner Zweckbestimmung die Heilig-Geist-Schwestern (Säkulärinstitut) in Mammolsheim/Taunus das Haus übernommen. In großer Feierstunde wurde am l. Mai 1960 das Hotel als Keippsanatorium anerkannt und ihm die Kneipp-Plakette verliehen. Mit Wirkung vom 24. 12. 1960 wurde die Kurstadt Kyllburg durch das Ministerium des Innern als Kneippkurort anerkannt. Damit ist Kyllburg Luft- und Kneippkurort. Kyllburg hatte es schwer nach dem letzten Kriege, inzwischen aber hat es seinen alten Rang als Kurort wieder, nachdem es den Vorsprung aufgeholt hat, den andere, nicht oder nicht so empfindlich in ihrem Wiederaufbau behinderte Kurorte gewinnen konnten, hatten doch die Kriegs- und nachfolgenden Besatzungsschäden die Wiederbelebung der Kyllburger Wirtschaft und des Fremdenverkehrs ungewöhnlich stark und für viele Jahre gehemmt. Mit Befriedigung wird Kyllburg festgestellt haben, daß die Zahl der Übernachtungen von 1494 im Sommerhalbjahr 1949 auf 35 281 in 1961 angestiegen ist. Der Amtsbezirk Kyllburg hatte im Kalenderjahr 1961 48 172 Übernachtungen und ist führend unter den 10 Amtsbezirken des Kreises Bitburg.
Zur weiteren Förderung des Fremdenverkehrs hat die Stadt Anfang 1964 am Fuße des Naturparks „Hahn“ etwa 20000 qm Privatgarten-und Wiesengrundstücke erworben, um hier ein geschlossenes Kurzentrum mit Schwimmbad, weiteren Kureinrichtungen und sportlichen Anlagen auszubauen.
Luft- und Kneippkurort Kyllburg
Ein Rundgang durch die Stadt des Mittelalters
Bearbeitet von Amtsbürgermeister a. D. Karl Föst †
Die Kyllburger Sehenswürdigkeiten sind in den Werken
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von Dr. Franz Bock, „Kyllburg und seine kirchlichen Bauwerke des Mittelalters“ (1895) und
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von Ernst Wackenroder, „die Kunstdenkmäler des Kreises Bitburg“ (1927) eingehend behandelt und durch viele Abbildungen augenfällig gemacht worden (besonders reich und gehaltvoll ist die Illustration im Wackenroder). Auf diese Werke (Im Buchhandel nur noch gelegentlich antiquarisch zu haben) stützen sich im großen und ganzen die nachfolgenden Abhandlungen.
Wir gehen vom Eifeler Hof aus über die Hochstraße und Stiftstraße zur Stiftskirche. Am Ende der Hochstraße (an der Purt) machen wir kurz halt. Hier stand das im Jahre 1822 abgebrochene Stadttor mit Wappenstein über dem Torbogen. Es bildete den Anfangspunkt (Nordende) des Beringes, der entlang dem steilen Anstieg zur Burg die Häuserreihen der Stiftstraße als Stadtmauer umschloß. Auf der Westseite, also rechts von der Straße, verfolgt man die alte Stadtmauer in den nach den Häusern zu gelegenen Mauern der Hausgärten, östlich, also links von der Straße, verfolgt man sie als gemeinsame äußere Umfassungsmauer der Gartengrundstücke der Häuser der Stiftstraße. Hier lenkt die Mauer dicht an die Burg heran, begleitete die Rückseite des abgebrochenen Herrschaftshauses der Burg, geht in weitem Bogen um das Stift herum, die Stiftsfreiheit einschließend, und findet ihren Anschluß wieder bei den Gartenmauern der Häuser. Hier an der Purt allein hatte die von der Kyll umflossene als Wallburg annehmbare Burgkuppe ihren landseitigen Zugang (s. Kyllburger Stiftsberg). Hier ist auch an einer Sandsteinsäule, die auf den Eingang zum Naturpark Hahn hinweist, die Kopie des schon erwähnten Wappens angebracht, genannt:
Der Kyllburger Wappenstein
Der Wappenstein vereinigt das Wappen des Erzbischofs und Kurfürsten Johann VII. (von Schönenberg), der von 1581 bis 1599 regierte, mit dem Wappen Kyllburgs, das die Umschrift trägt: „Der Stadt und Freiheit Kylburgh Wapfen“. Der Stein ist doppelt datiert durch die am oberen Rande angebrachte Jahreszahl und das Wappen des genannten, damals regierenden Kurfürsten. Dieser Zeit entspricht auch die stilistische Form des Steines. Wenn Bock und Wackenroder vor und nach ihnen verschiedene andere in ihren Abhandlungen eine angebliche Stadtrechtsverleihung vom Jahre 1580 bzw. 1583 aus diesem Stein herleiten, deuten sie den Wappenstein falsch. Sie übersehen alle, daß zu einer solchen Verleihung keine Veranlassung gegeben war, da Kyllburg ja seit Jahrhunderten schon Stadt war; sie übersehen auch die Pfandverschreibung des Jahres 1547, in der der Erzbischof und Kurfürst Johann IV. (von Isenburg) dem Domkapitel nicht den Flecken, sondern ausdrücklich „seine Stadt“ Kyllburg verpfändete. Welche Bewandtnis es mit dem Wappenstein hat, ist vorerst noch ungeklärt. Eines aber macht die Vereinigung der beiden Wappen unverkennbar:
eine starke Verbundenheit des Kurfürsten mit Kyllburg. In französischer Zeit finden wir den Wappenstein im Siegel der Samtgemeinde (Mairie), in der Folgezeit bis heute im Siegel der Bürgermeisterei und des Amtes Kyllburg.
Wappenstein
Wir steigen nun die schmale und malerische
Stiftstraße
empor, die trotz der zahlreichen neuen Häuser an Stelle der kriegszerstörten ihren mittelalterlichen Charakter nicht verloren hat. Wenn wir beim Aufstieg die langgezogene Häuserreihe zu beiden Seiten der Straße aufmerksam betrachten, so werden wir doch noch einzelne alte Häuser und manche aufschlußreiche Tür- und Fensterstürze und andere Merkwürdigkeiten entdecken können. Das Haus Nr. 68 z. B. ist ein Kanonikerhaus, das im Wappenstein über der Türe die Inschrift trägt:
„1711 EREXIT MATHIAS VITALIS RICHARDI CANONICUS ET PASTOR IN KILBURG PRO FAMILIAE.“ Das Haus Nr. 67 — genannt das Kustoshaus = Wächterhaus — ist leider durch den Krieg zerstört worden.
Am Ende der Stiftstraße stoßen wir links auf die Burganlage, von der nicht mehr viel übrig geblieben ist. Das Herrenhaus wurde im Jahre 1912 abgerissen, um dem Bau der Kyllburger Schule Platz zu machen. Erhalten aber blieb
der wuchtige Burgfried
als ältestes Kyllburger Bauwerk. Er ist 30 m hoch und 1910 instandgesetzt und zugänglich gemacht worden. Im Zuge der Ringmauer gelegen, hatte der Burgfried die Straße zu sichern. Er ist fünfgeschossig, besitzt heute einen bequemen Treppenaufgang und bietet vom neuen Dachgeschoß aus, das nach allen Seiten hin mit Aussichtsfenstern versehen ist, über die Stadt und das Kylltal eine herrliche Aussicht. Dank seiner massiven Bauweise konnte er die Jahrhunderte überstehen. Seine Mauern sind im Fundament 3 m, im unteren Drittel etwa 2,50 m dick und verjüngen sich in ihren Maßen nach oben. Oben im Turm hielt der Wächter Ausschau und meldete ankommende Freunde und Feinde. Zu seiner besonderen Aufgabe gehörte die Überwachung der benachbarten Burg Malberg, wenn Fehde entstanden. Der Turm war ehemals bedeutend höher als heute und soll nach mündlicher Überlieferung im Jahre 1769 um etwa 10 m abgetragen worden sein. Es kann keinem Zweifel unterliegen, daß er s. Zt. um dieses Maß höher war, weil sein Zweck, einen Ausblick über den ihm nordwestlich vorgelagerten Bergrücken hinweg zu haben, sonst nicht erreicht worden wäre. Der untere Zugang zum Turm war ursprünglich nicht vorhanden; er ist nach Aufzeichnungen erst 1780 ausgebrochen worden. Bis dahin lag der Eingang nicht ebener Erde, sondern im zweiten Geschoß auf der Hofseite. Damals galt der untere Raum des Turmes als Burgverlies, er war durch ein Tonnengewölbe abgedeckt, das mit einem Einsteigloch versehen war, durch das man die Gefangenen von oben herab mit einem Seil hinunterließ. In französischer Zeit nach 1794 wurde dieses Erdgeschoß als Etappengefängnis beibehalten. Der Turm hat einen bequemen Aufgang. Rechts neben dem Turm hinter einer hohen Rampe liegt die ehemalige Stallung, später Schule, dann Jugendherberge, jetzt Wohngebäude. An der Nordseite des Schulgebäudes ist ein altes Pförtchen angelehnt, das man im Volksmund das „Mühlenpförtchen“ nennt. Von hier soll in alter Zeit ein geheimer Gang, zum Teil unterirdisch, zu der im Tal gelegenen Mühle geführt und der Aufgabe gedient haben, die Burgbewohner während einer Belagerung mit Mehl und Brot zu versorgen.
Die Stiftsfreiheit
Gegenüber dem Eingang zur Burganlage (Schule) finden wir in der Mauer rechts der Stiftstraße einen Quaderstein mit einer bergaufwärts weisenden Hand und der Inschrift STIFTSFREYHEIT eingemauert. Der Stein mag früher nicht unweit seines jetzigen Platzes angebracht gewesen sein und sollte auf die Stiftsfreiheit und das Stiftstor hinweisen; von besonderer Bedeutung war die Schrifttafel wohl für denjenigen, der auf der Stiftsfreiheit Asyl suchte, und mit der Burg nichts zu tun haben wollte. Die Stiftsfreiheit war das Gebiet um die Stiftskirche herum, es hatte eine Länge von etwa 350 m und war durch Mauern und einen Turm am Eingang eingeschlossen. Der Eingang lag im Mauerriegel zwischen der Burgmauer und der Mauer des Pfarrgrundstucks Hier ist jetzt eingemauert der Inschriftstein mit dem Wort „Stiftsfreiheit“, einem Adler und einem Wappenstein vom Jahre 1768 der das elterliche Wappen des Kyllburger Stiftsdechanten Christoph Philipp Nell zeigt.
Stiftsfreiheit
Auf dem Gebiete der Stiftsfreiheit lagen - jetzt noch zum Teil vorhanden — die Kanonikatsgebäulichkeiten und etwas erhöht die ehemalige Gerichtsstätte mit einer 3 m hohen, schlanken Rundsäule eingemeißelt: 1607 - Renovata 1786 C.N. (= Christoph Nell); heute ist die Statte zur Kriegerehrung verwendet.
Und nun noch wenige Schritte und wir haben Kyllburgs imposantestes Bauwerk vor uns:
Stiftskirche
Die ehemalige Stiftskirche
Die Stiftskirche ist, wie schon erwähnt, im Jahre 1276 gleichzeitig mit einem Collegiatstift von Heinrich II. gegründet worden. Erzbischof Heinrich ist in dem Kyllburg benachbarten Schloß Malberg geboren Sein Geburtsort macht es erklärlich, daß er für den Bau einer Kirche und die Gründung eines Stifts den Kiliberg erwählte. Heinrich kannte Land und Leute seiner Heimat, die herrliche und eigenartige Lage des Berges und die tiefe Frömmigkeit der Bevölkerung ringsum Mit sicherer und glückhafter Hand wußte er Schönheit der Schöpfung und Menschenkunst zu vereinigen und der gläubigen Bevölkerung in der näheren und weiteren Umgebung seiner Heimat in besonderem Maße zu dienen.
Inneres der Stiftskirche Kyllburg
Die Kirche, jetzt bald 700 Jahre alt, hat den Unbilden der Witterung und den Stürmen einer vielbewegten Zeit durch Jahrhunderte hindurch standgehalten. Sie ist eines der wenigen prächtigen kirchlichen Bauwerke, die der alten Trierer Erzdiözese zur Zierde gereichten ein Monument des Mittelalters, ein großartiger Bau und ein Meisterwerk frühgotischer Baukunst, zu dem Kyllburg mit berechtigtem Stolz aufschaut. Kühn in seiner Konstruktion das Schiff, und ausdrucksvoll seine fromme Dämmerung, stattlich der Turm, das Kapitelhaus und der südlich der Kirche angelehnte, in seiner Architektur einfache, dennoch herrliche Kreuzgang, den man als den schönsten zwischen Trier und Maria-Laach bezeichnet.
Kreuzgang der Stiftskirche
Ein hohes Satteldach deckt den einschiffigen Kirchenbau. Am Nordportal der Kirche, ehemals von einer offenen Vorhalle überbaut steht eine gegen Ende des 13. Jahrhunderts ausgearbeitete Steinfigur der Muttergottes (die sogenannte Staudenmadonna), die den Besucher sogleich die Marienkirche erkennen läßt.
Im Innern der Kirche sind beachtenswert:
die Portale, die schönen Schlußsteine im Gewölbe, die sehr interessanten Nischeneinbauten aus den ersten Baujahren (Doppelpiscina und Dreisitz), ein Wandtabernakel des 15. Jahrhunderts, Stifterepitaph mit Vesperbild (1630), Epitaph des Johann von Schönenburg (um 1540) vom Metzenhausenmeister des Trierer Domes. Erhaltene ursprüngl. Ausstattungsstücke:
hochgotisches Triumphkreuz (13. Jahrhundert), das Kreuz ist 1,85 m hoch, St.-Anna-Altar (1629, großer Steinaltar an der Nordseite des Schiffes, wertvolles Denkmal der Renaissance, im Mittelpunkt das Jesuskind zwischen Maria und Anna, davor kniend der Stifter und in Nebenfiguren dessen Angehörige), barocke Strahlenmadonna (jetzt in St. Maximin), Chorgestühl aus dem 16. Jahrhundert, aus der ehemaligen Zisterzienserinnenabtei St. Thomas, Kanzel des 18. Jahrhunderts in den Formen des späten Rokoko, zwei Beichtstühle vom Ende des 18. Jahrhunderts, die Orgelempore, die um 1745 eingebaut wurde, die Orgel im Rokokostil, an der Südwand des Schiffes sechs Grabsteine von Rittern, die in der Stiftskirche ihr Grab gefunden haben. Die Grabsteine sind aus der Zeit des 14. bis 16. Jahrhunderts, für die Kostümkunde ihrer Zeit und genealogisch und heraldisch sehr wertvoll. Zu den ältesten und hervorragendsten Bildwerken des Trierer Landes gehört das in Sandstein von Meisterhand im 13. Jahrhundert gemeißelte altehrwürdige Gnadenbild der Mutter Gottes, Die Kyllburger Madonna, zu der in den vergangenen Jahrhunderten Pilger von nah und fern zusammenströmten (jetzt renoviert im Chor).
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Gnadenbild der Mutter Gottes |
Stauden-Madonna |
Ein wertvolles Kunstwerk, das die Stiftskirche birgt, sind die drei Chorfenster in ihren leuchtenden Farben. Harmonisch in das gotische Chor eingeordnet, gehören sie zu den besten Stücken aus der Glanzzeit der Glasmalerei der flandrisch-kölnischen Frührenaissance. Sie sind Stiftungen der Kanoniker aus den Jahren 1533 bis 1535. Die bildlichen Darstellungen auf den Fenstern sind aus der Lebensgeschichte des Erlösers genommen; die Hauptdarstellungen sind Geburt, Kreuzigung und Grablegung Christi in den Mittelfenstern, darüber entsprechend im jeweiligen Vierpaß Verkündigung, Dreifaltigkeit und Auferstehung. Unter den Hauptbildern die Heiligen Antonius, Matthias, Rochus. Im linken und mittleren Fenster kniend der Stifter. Die eine der Widmungsinschriften lautet: Herr Bernhard Kilburg, Landdechant von Kilburg, 1533, die andere: Jakob Kilburg, Kanonikus und Vorsänger dieser Kirche, Bruder des Dechanten. Im September 1939 hatte man die Fenster ausgebaut und im Keller des Kapitelhauses gut verpackt. Wie vorsorglich und richtig diese Maßnahme war, hat sich gegen Ende des zweiten Weltkrieges gezeigt, als die einfachen Ersatzfenster an einem Sonntagmittag durch den Luftdruck einer Bombe, die auf die Wiese hinter das nahegelegene Anwesen Rütt fiel, völlig zerstört wurden. So aber konnten die historischen Fenster gerettet und im Juli 1947 wieder eingesetzt werden. Im Winkel zwischen Chor und Kreuzgang liegt das ehemalige Kapitelhaus und der Kapitelsaal, jetzt „alte Sakristei“ genannt, die einen Schatz alter liturgischer Gewänder birgt. Das Kapitelhaus, in dem sich jetzt die Küsterwohnung befindet, ist ein interessanter kleiner Bau, der Im wesentlichen noch den alten Zustand zeigt.
Blieb die Stiftskirche mit ihren an sie angelehnten Bauten auch in ihrer Ursprünglichkeit erhalten, so hatte doch der Zahn der Zeit ihr erhebliche Schäden zugefügt. Besonders aber hatte sie durch Kriegseinwirkungen im Kriege 1939/45 so sehr gelitten, daß ihr Verfall ohne eine weitgehende Restaurierung unaufhaltsam geworden wäre. Das hatten auch die maßgebenden Kreise erkannt. So begannen denn auch im Jahre 1959 mit großzügiger Unterstützung der Landesregierung Rheinland-Pfalz, des Bistums Trier, des Kreises Bitburg und unter Mithilfe der Stadt und Pfarrei Kyllburg umfangreiche Renovierungsarbeiten zur Erhaltung des wertvollen Kulturdenkmals. In mehreren Bauabschnitten wurden durchgeführt: Neueindeckung des Daches, Erneuerung der Blitzschutzanlage, Gewölbesicherung, Isolierung gegen aufsteigende Feuchtigkeit, Entwässerungsanlage, Heizungsanlage, Innenputzarbeiten, Ausmalung u. a. Der bisherige Hochaltar in den Formen der modernen Gotik — wahrscheinlich der dritte Altaraufbau in den vergangenen Jahrhunderten — wurde durch eine neue Mensa ersetzt. Am 17. September 1961 konnte die Kirche nach zweijähriger Unterbrechung wieder ihrer Bestimmung zugeführt werden. Inzwischen hat sie auch ein neue Glockengeläute erhalten. Am 8. Dezember 1963 wurde das renovierte Gnadenbild in einer einmaligen Feierstunde zusammen mit dem neuen Tabernakel enthüllt. Die restaurierte Krone stammt aus dem 15. Jahrhundert. Das Zepter schenkte die Jugend der Stadt.
Wir konnten hier nur das Wesentlichste an sehenswerten Denkmälern Kyllburgs kurz besprechen. Abschließend sei noch auf drei Bauwerke hingewiesen, die zwar keine Altertumswerte darstellen, aber doch mithelfen, der Stadt ihr Gepräge zu geben, nämlich:
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die wiedererstandene St.-Maximin-Kirche,
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die evangelische Kirche,
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die Mariensäule.
Schon sehr früh besaß Kyllburg eine Kirche, die St.-Maximin-Kirche, auch Stadtkirche oder Unterkirche genannt. Sie war von jeher bis zur Säkularisation die Pfarrkirche von Kyllburg. Diese Kirche, der erstmalig im Jahre 1304 Erwähnung getan wird und die 1945 bei einem Bombenangriff total zerstört wurde, war keineswegs die erste Kyllburger Kirche. Eine solche, Mutterkirche genannt, war schon im 9. Jahrhundert vorhanden. Sie mag, wie Geschichtsforscher annehmen, nicht unweit der heutigen und der vorangegangenen St.-Maximin-Kirche gestanden haben und wahrscheinlich bereits in frühmerowingischer Zeit erbaut worden sein.
Festgefügter Gemeinsinn, Aufbauwille, opferfreudiger Sinn der Gläubigen und ihres Pfarrers und eine tatkräftige Führung haben aus den Trümmern der alten Kirche wieder ein Bauwerk in modernem Stilempfinden erstehen lassen, das sich harmonisch in das Kyllburger Orts- und Landschaftsbild einfügt und das Gesamtbild Kyllburgs noch wesentlich bereichert und verschönert.
Ein wuchtiger quadratischer Turm, mit einem flachen Pyramidendach gekrönt, überragt das ganz aus Kyllsandstein erstellte Bauwerk und den von allen Seiten malerisch aufsteigenden Ort. Hier ist eine moderne Kirche entstanden, die durch die Art ihrer Gruppierung und ihre architektonische Gestalt von eindrucksvoller Wirkung ist und den Vorteil genießt, außerhalb der Gefahrenzone des Verkehrs zu liegen, eingebettet in die Sicherheit und Stille des Friedhofs. Im September 1954 erhielt sie ihre Weihe.
Die St.-Maximin-Kirche
Die evangelische Kirche
Im Berghang über St. Maximin steht die 1900 erbaute evangelische Kirche, auch sie wurde vom letzten Kriege hart mitgenommen, aber 1953 wieder hergestellt.
Oben auf der Höhe des Berges haben Kyllburger Steinmetzen im Jahre 1886 kunstgerecht die Mariensäule als Aussichtsturm errichtet. Segnend schaut die Muttergottes ins Tal hinab, behütend die ihr zu Füßen liegende Stadt.
Mariensäule, als Aussichtsturm,
von dort schöner Ausblick auf
Kyllburg und Malberg
Allgemeines
Kyllburg war früher und ist auch noch heute eine kleine Stadt. In einer Eingabe der Stadt um Herabsetzung der Reichs- und Türkensteuer im Jahre 1593 wird die Zahl der Feuerstätten (Haushaltungen) mit 40 angegeben, in einer Steuerliste vom Jahre 1625 mit 52. Im Dreißigjährigen Kriege war Kyllburgs Bevölkerung auf 40 Einwohner zusammengeschmolzen. 1684 wurden 30 Feuerstätten gezählt. 1787 betrug die Einwohnerzahl 535, 1818 waren es 708 und 1871=1140, 1905=1139, 1925=1139, 1939=1128, 1946=1225 und 1963=1341. Entsprechend der Bevölkerungsentwicklung stagniert auch die soziale Struktur der Stadt, die unverändert als Arbeiter-Beamten-Gemeinde gewerblichen Typs anzusprechen ist.
67 Gewerbe- und Handwerksbetriebe sind ansässig und zwar:
11 Hotels, Pensionen und Gaststätten, mit 245 Fremdenbetten,
sowie 150 Fremdenbetten in Privathäusern,
16 Einzelhandelsgeschäfte,
17 Handwerksbetriebe mit Ladengeschäft,
11 Handwerks- und Industriebetriebe ohne Ladengeschäft,
12 sonstige Gewerbebetriebe.
Von den 392 Berufstätigen pendeln 208 zu ihren auswärtigen Arbeitsplätzen, das sind 53%.
Einen für die Zukunftsentwicklung der Stadt bedeutungsvollen Schritt unternahm die Stadt in den Jahren 1960/63, indem sie etwa 30000 qm Wohnsiedlungsgelände und 35 000 qm Industriegelände an der Bademer Straße erworben hat.
Der im Frühjahr 1964 am Fuße des Naturparks „Hahn“ von der Stadt erworbene Grundbesitz von etwa 20 000 qm (56 Parzellen) dient einer neuen Epoche zur Förderung des Fremdenverkehrs. Noch im Sommer 1964 soll auf diesem Gelände der Neubau einer Freibadanlage beginnen. Die Schwimmbadbenutzung soll für das Jahr 1965 ermöglicht werden. Der Projektplaner, Bäderarchitekt Karnatz aus Trier, hat die Planung so gestaltet, daß sich auf dem Gesamtgelände ein für die Eifel einmalig schönes Kurzentrum ausbauen läßt. Einen weiter bedeutsamen Grundstückskauf auf dem Stiftsberg hat die Stadt 1964 getätigt. 11 416 qm Grundstücksfläche einschließlich ehemaligem Kanonikerhaus wurden erworben. Die Stadt konnte die vielen Grundstückskäufe in den Jahren 1960/64 nur erreichen durch das lobenswerte Verständnis der Grundstückseigentümer. Eine Anzahl von Bürgern hat mit dem Verkauf ihr einziges Gartengrundstück hergegeben. Besonders an dieser Stelle hierfür allen Grundstücksverkäufern Anerkennung und herzlichen Dank.
Wanderungen von Kyllburg aus
Besonders anziehend wirkt das Tal der Kyll von St. Thomas über Kyllburg und Malberg bis zur Fließemer Mühle. Glanzpunkte der Natur erwarten und überraschen hier den Wanderer zu jeder Jahreszeit. Um das Tal mit seinen Hängen in ihrer Natürlichkeit zu schützen und zu erhalten, ist es im Bereiche der Gemeinden St. Thomas, Kyllburg, Kyllburgweiler, Wilsecker, Etteldorf, Malberg, Malbergweich und Fließem zum Landschaftsschutzgebiet erklärt worden. Den Wanderern und Naturfreunden zur Erleichterung haben Kurverwaltung und Eifelverein, Ortsgruppe Kyllburg, das über 130 km fassende Wanderwegenetz in drei Zonen A, B und C eingeteilt und die einzelnen Wanderwege innerhalb dieser Zonen mit Nummern versehen. Eine ausgezeichnete Wanderwegekarte hierzu hat Bruno M. Atzhorn, Kyllburg, herausgegeben, die dieser Schriftenreihe beigefügt ist.
Zone A
Ausgangspunkt: am Hotel Kyllburger Hof (Hahneingang)
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Mittlerer Hahn-Rundgang (1,7 km)
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Oberer Hahn-Rundgang (1,5 km)
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Unterer Hahn-Rundgang (1,9 km)
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Marktplatz über A1 — A3 — Sportplatz — Karl-Kaufmann-brücke — Kyllburg (2,8 km)
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Marktplatz — Boorkyllbrücke — Wiesental — Malberg — Kyllburg über B2 (3,2 km)
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Marktplatz über A5 — Liegewiese mit Aufstieg zur Malberger Höhe (Josef-Schulte-Pavillon) — Malberg — Kyllburg über B 6 (4,5 km)
Zone B
Ausgangspunkt: am Kurhotel Eifeler Hof und Kneipp-Sanatorium
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Marienstraße — Meißeiterweg — Mariensäule, Blick auf Kyllburg und Malberg, — Kyllburg (1,2 km)
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Über B1 — Annenbergpromenade — Wassertretbecken — Malberg — Kyllburg über A5 (2,2 km)
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Über B1 — Malberger Flur — Schloßwald — Behrensbrücke — Malberg — Kyllburg über B2 (2,5 km)
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Über B1 — B3 — Sang, Blick auf das Kylltal mit St. Thomas — Kasholz — St. Thomas — Kyllburg über C3 (8,4 km)
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Über B1 — B3 — Mohrweiler — Eisenmännchen — Neidenbach
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Malbergweich — Malberger Schloß — Malberg — Kyllburg über B6 (14,4 km)
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Malberg — Kyllburg — Fließem — röm. Villa Otrang — Erdorf
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Kyllburg (zurück mit der Bundesbahn) (10,4 km)
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Über B6 — Schloßwald — Siebengemeindewald — Neidenbachtal — Malberg — Kyllburg über B6 (15,4 km)
Zone C
Ausgangspunkt: am Hotel „Zur Post“
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Kyllbrücke — Bademer Straße — Wilsecker Straße — Taubenberg
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Ringpfad — Malberg — Kyllburg über B2 (5,4 km)
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Über C1 — Wilsecker Linde (Karl-Föst-Pavillon) — Wilsecker — Etteldorf — Bertert — Warmheck — Malberg — Kyllburg über B2 (8,2 km)
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Bahnhof — Strenger Hals — Sang — St. Thomas — Kyllburg über C7 (8,6 km)
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Kyllbrücke — Oberkailer Straße — Weilerbachbrücke — Klopp — Kyllburgweiler — Dickt — Patischkreuz — St. Thomas (9,0 km)
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Kyllbrücke über C4 — Burg Seinsfeld — Steinborn — Patischkreuz über C4 — St. Thomas — Kyllburg (zurück mit der Bundesbahn) (10,2 km)
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Kyllbrücke über C4 — Straße Kyllburg — St. Thomas — Klopp, endend in C4 (9,0 km)
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Kyllbrücke — über C4 — C6 — Kylltalpfad — St. Thomas — Kyllburg über C3 (9,8 km)
Zwischen Kyllburg und St. Thomas
Fremdenverkehrsort St. Thomas
Von Kyllburg führen verschiedene Wege durch prachtvolle Buchen-und Tannenwälder nach St. Thomas. Welchen Weg man auch immer wählen mag, jeder ist reich an landschaftlichen Schönheiten und wird dem Wanderer hohen Genuß bieten.
Das Ortsbild von St. Thomas wird beherrscht von dem stattlichen Kloster und seiner alten Kirche, in einer farbenprangenden Umgebung. Ein Ort des Friedens und der Ruhe, der es den frommen Nonnen erleichtern sollte, den Genüssen des Lebens zu entsagen. Doch gar oft wurden sie in ihrer Stille und Beschaulichkeit gestört, so durch den vorher schon genannten Rudolph von Malberg, um nur ein Beispiel zu nennen. Der alte Name von St. Thomas ist Erlesbura; er wird erstmalig im Jahre 973 erwähnt. Hier in Erlesburen errichtete das Kloster Himmerod i. J. 1173 auf dem Grundstück des heutigen Klosters eine Kapelle zu Ehren des einige Jahre zuvor ermordeten und heilig gesprochenen Erzbischofs Thomas Becket von Canterbury. Im Anschluß an den Kapellenbau stiftete Ludwig von Deudesfeld und seine Gemahlin Ida zu Ehren der Jungfrau Maria und des heiligen Thomas Becket ein adliges Frauenkloster, sie bestimmten gleichzeitig ihre Töchter zu Nonnen des Klosters, von denen Elisabeth die erste Äbtissin war. Der stattliche Kirchenbau, den wir jetzt vor uns haben, ist im Jahre 1222 geweiht worden. Im Jahre 1742 brannten die Klostergebäude mit dem Kirchendach ab. Schon zwei Jahre später (1744) bauen die Nonnen das Kloster wieder auf. Im Jahre 1802 wurde das Kloster bei der Säkularisation der Klöster aufgehoben.
Fremdenverkehrsort St. Thomas
Das i. j. 1222 geweihte Gotteshaus ist sehenswert, einfach zwar, doch voll des größten Reizes. An der Westseite zieht sich fast in halber Länge des Kirchenschiffes das Nonnenchor hin, auf einer gewölbten kryptaähnlichen Halle, deren Boden mit Grabsteinen hier ruhender Äbtissinnen bedeckt ist. Vor Jahren wurde die Kirche durch umfangreiche Renovierungsarbeiten in ihren ursprünglichen Zustand gebracht, darüber hinaus erhielt sie ein neues Seitenschiff. Das ehem. Kloster ist seit 1942 Bischöfliches Priesterhaus und Theologische Bildungsstätte für Priester und Laien. Außerdem ist es Sitz der katholischen Landvolkhochschule des Bistums Trier. Die Einwohner von St. Thomas sind Kleinbauern, Waldarbeiter, Beschäftigte der Bundesbahn und Sägewerksarbeiter.
Blick auf die Krypta der Klosterkirche (1222)
(vom Ostchor auf Westchor)
Fremdenverkehrsort Malberg
Fremdenverkehrsort Malberg
Burg und Schloß Malberg
Nur 1,1 km von Kyllburg entfernt liegt das idyllische Malberg, dessen beide Schlösser hoch vom Hügel hoheitsvoll herniederschauen. Hier überrascht und entzückt uns wiederum ein Glanzpunkt im Landschaftsschutzgebiet des Kylltales, eines jener Landschaftsbilder, das uns durch Formgestaltung, Frische und Farbigkeit in lebensfrohe und heitere Stimmung versetzt. Achtunggebietend schauen die beiden Malberger Schlösser von ihrer dominierenden Höhe auf dem sich aus dem Tal erhebenden Plateau auf den Ort hernieder, der sich um den Schloßhügel herumzieht, gleichsam des Hügels und der Burg Schutz suchend. Malberg war das Stammschloß eines alten Dynastengeschlechts, das schon im 11. Jahrhundert angesehen und mächtig war. Rudolph von Malberg, der zu Anfang des 13. Jahrhunderts lebte, war dem erzbischöflichen Stuhle zu Trier feindlich gesinnt. Er trieb seine Feindseligkeiten, unter denen auch die Nonnen von St. Thomas an der Kyll hart zu leiden hatten, so weit, daß, wie bereits früher hervorgehoben, der Erzbischof sich veranlaßt sah, zu Kyllburg auf dem Berge eine Feste zu bauen, um den Gewalttätigkeiten des Rudolph wirksam begegnen zu können. Im Laufe der Jahrhunderte wechselten die Besitzverhältnisse der Burg und Herrschaft Malberg oft. Zur Herrschaft gehörten Malberg, Malbergweich, ein Teil von Neidenbach und der nicht mehr vorhandene Hof Burscheid. Im 17. Jahrhundert kam die Herrschaft durch Kauf an die Beyer von Boppard, dann an die von Griechingen. Später erwarb sie der Kölner Weihbischof Werner von Veyder, dessen Erben noch heute im Besitze des Schlosses sind. Weihbischof von Veyder ist der Erbauer des neuen Schlosses, welches in seinem Äußern die Zeit seines Ursprungs (1710) nicht verleugnet. Das alte Schloß entstammt dem 16. Jahrhundert. Von einer mittelalterlichen Burg ist nichts mehr zu sehen, sie muß aber an derselben Stelle gestanden haben, wie die jetzige Schloßanlage. Heute unterhalten die Schloßbesitzer im Schlosse eine Fremdenpension.
Mit großem Erfolg wurden in Malberg während der Sommermonate 1922, 1924 und 1929 unter Leitung von Dechant Heidger die Wilhelm-Tell-Spiele aufgeführt. Weit über die Grenzen der Eifel hinaus wurde durch sie der Ort Malberg bekannt und beliebt.
Der Ort Malberg zählt 1002 Einwohner, ohne Mohrweiler 850. Von den Erwerbstätigen pendelt die Hälfte zu auswärtigen Arbeitsplätzen. Die landwirtschaftlichen Betriebe sind Nebenerwerbs- und kleinbäuerliche Betriebe. Von Bedeutung ist neben einem Steinmetzbetrieb die Metallwarenfabrik „Eifelwerk“ der Firma Heinrich Stein & Co. Das Werk mit seinen 100 Beschäftigten ist die Fortsetzung der im Jahre 1749 gegründeten Malberger Eisenhütte.
Römische Villa Otrang bei Fließem
Am Eingang einer Talsenke, die oberhalb Erdorf in das Kylltal einschneidet, auf einer Stelle, die den Namen Otrang (Odrang) führt, stand in römischer Zeit ein in großen Dimensionen aufgeführtes Gebäude mit Türmen, Galerien usw., dessen 1825 entdeckte Überreste die frühere Pracht dieses Bauwerks ahnen lassen, das über 66 Räume verfügte. Mit den Nebengebäuden war die ganze Anlage etwa 400 m lang und 130 m breit und mit Mauern umgeben. Von besonderem Interesse sind die technisch vollendeten Mosaikböden, von denen heute nur noch fünf vorhanden sind; ihre Komposition und Farbenzusammenstellung kann dem Gediegensten, was aus jener Kulturepoche bekannt ist, zur Seite gestellt werden. Geheizt wurden die Räume durch Hypokausten, eine Art Warmluftheizung. Wie luxuriös die Villa ausgestattet war, lassen besonders die großartigen Badeanlagen erkennen.
Über Zweck und Bedeutung der großzügigen Anlage gehen die Ansichten der Forscher auseinander. Die einen halten den Bau für den Landsitz eines römischen Großen, vielleicht eines Kaisers, während andere in ihm eine Jagdvilla und wieder andere eine villa rustica sehen wollen. Man nimmt heute meist an, daß es ein reicher Treverer war, der hier auf ererbtem Grund und Boden mit Hilfe römischer Architekten sein Haus erstellen ließ. Datiert wird der Bau ins erste bis zweite Jahrhundert n. Chr. Aber schon vorher lebten hier Menschen. Ausgrabungen i. J. 1929 stellten eine keltische, später römisch überlagerte Siedlung fest. Dem Landsitz gegenüber, jenseits des Tales, befand sich ein Tempel der Diana und eine Kultstätte der Minerva.
Kyllburg. Ansicht aus dem 18. Jahrhundert

































