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Die Kunstdenkmäler des Kreises Bitburg
Ernst Wackenroder
12. Band — Ausgabe von 1927
Kapitelsaal, Kapitelhaus und Kreuzgang
Im Winkel zwischen Chor und Kreuzgang liegt der ehemalige Kapitelsaal, zusammen mit der Kirche entstanden, zugleich als Kapelle des Dekans anzusehen, jetzt „alte Sakristei“ genannt, und das mit dem Kreuzgang erbaute Kapitelhaus. Der Kapitelsaal mit der Mauerstärke des Schiffes, im Lichten 4,90 m im Quadrat, hatte nach der außen sichtbaren Eckquaderung auch früher ein Obergeschoß. In spätgotischer Zeit wurde das Obergeschoß erhöht, erhielt ein zweiteiliges großes Fenster mit geradem Sturz, und der Bau wurde mit dem Kapitelhaus unter ein Dach gebracht. Das nach Osten gelegene Fenster des Kapitelsaales mit einer dicken, auf Konsolen gesetzten Platte, die als Altar diente; im Wandfeld daneben eine halb vorspringende Piscine mit schwerem Becken. Von den Türen ist nur die in der Kirchenwand ursprünglich, auch sie zeigt das 14. Jh. an mit ihrem besonders schweren Profilrahmen bei geradem Sturz. Reizvoll ist die zugleich ausgeführte Einwölbung (Fig. 99). Sehr kräftige Birnstabrippen und Gurte von vier stark gebusten Kreuzgewölben vereinigen sich zu breiten, der Mauer vorgelegten Streifen, die Wände wohlklingend und symmetrisch aufteilend, unterstützt durch das Rundprofil der Stichkappen und durch i. J. 1920 erfolgte Bemalung der Birnstabprofile in Blau und Rot, die auf die derbe Mittelsäule verlaufend herabgeführt sind. So wirkt der Raum wie ein sicheres Gewölbe. Gegen eine spätere Einwölbung sprechen die Profile und die Schlußsteine, mit ihren großen Blumenkelchen ganz gleich denen des Schiffes (s. o.). Man sieht auch keine Merkmale für das Einsetzen der Vorlagen und der Übergang ohne Kapitell findet sich z. B. auch schon am Sedile im Chor (s. o.). Das Motiv des lisenenartigen Herabgleitens ist auch im Schiff und Kreuzgang verwendet (vgl. die Beispiele bei LÜCKER, a. a. O.). Für das Verlaufen der Rippen in den Säulenschaft haben wir hier ein frühes Beispiel, die schweren Birnstabrippen hätten ein zu starkes Kapitell erfordert. Eine durch die Wand gelegte Treppe nach oben ist neu; ebenso aus jüngerer Zeit die Tür zum Kapitelhaus, von dem ein Sakristeiraum abgetrennt ist.
Das Kapitelhaus
(Fig. 87 u. Fig. 100), jetzt Küsterwohnung, schließt sich mit dünneren Mauern unter einem Dach an und richtet sehr günstig die Fenster von vier Räumen nach Osten und Süden. Die Ostseite mit ziemlich regelmäßig gesetzten schmalen Hausteinfenstern, fast alle vermauert und verändert, zweiteilig mit Dreipaßblenden in geradem Sturz, wie sie in Trier und an Metzer Häusern d. 14. Jh. (WILH. SCHMITZ, Der mittelalterliche Profanbau in Lothringen) noch zu sehen sind. Die schmale Südwand ist bis in den Giebel hinein symmetrisch mit schmalen Rechteckfenstern besetzt. Auf der Mitte der Front erscheint als schmaler Streifen der alte Kamin, von einem zwischengeschobenen, niedrigen Heizraum ausgehend, nach Trierer Art mit Bogen auf Konsolen. Zugänglich war das Haus allein vom Kreuzgang aus, mit betonter Mitteltür über einer im Halbkreis geführten Podesttreppe. Eine bequeme Küchendiele diente als Durchgang zu vier Einzelzimmern. Die gewölbten Keller ebenfalls vom Kreuzgang aus zugänglich. Das ganze Obergeschoß nahm der Schlafsaal ein, dessen Balkendecke jetzt fehlt. Wie die tiefliegenden Balkenlöcher zeigen, war sie für den Dachraum auf Trempel gelegt. Wie eine ältere und eine jüngere Tür in der Giebelwand zeigen, gelangte man vom Schlafsaal durch das Geschoß über dem Kapitelsaal in die Kirche; das zeigen auch die abgeschlagenen Treppenstufen an der Kirchenwand. Der interessante kleine Bau zeigt im wesentlichen noch den alten Zustand, die von Architekt Walter (Trier) rekonstruierten Fassaden bei Bock (a. a. O. Fig. Nr. 11) geben mehr als dagewesen ist.
Der Kirche in der üblichen Weise südlich vorgelegt ist der Kreuzgang
(Fig. 101), heute stark erneuert; die alten Teile sind am besten im Nordflügel erhalten. Er ist in der Anlage völlig quadratisch, regelmäßig, und im Detail gleichartig. Die einstöckigen, offenen Flügel sind im Lichten 30 m lang und 3,50 m breit bei 4,50 m Scheitelhöhe, ausgeführt in demselben roten Sandstein wie die Kirche. Die einfachen Außenseiten sind durch Strebepfeiler derselben Art aufgeteilt, wie sie der Kreuzgang innen zeigt, außen mit besonders viel Steinmetzzeichen bedacht. Die Nordwand ist zwischen die Strebepfeiler der Kirche gelegt und ist mit deren Frontflächen bündig. Zugänglich ist der Kreuzgang von außen durch ein schlichtes Portal auf der Westseite und ebenso neben dem Kapitelhaus auf der Ostseite; hier zeigt das Tympanon des Portals etwas Schmuck (Fig. 102). Zur Kirche führten zwei Eingänge (s. o.), ausgezeichnet durch einige Stufen. Jeder Flügel des Kreuzgangs (Fig. 87) ist in acht quadratische Gewölbefelder aufgeteilt, deren Kreuzgewölbe ähnliche Birnstabrippen zeigen, wie sie sich in der Kirche finden. Die Rippen und die spitzbogigen Gurte sind als Bündel herabgeführt; ihre Linien fließen über die Kapitelle hinweg. Kapitelle und Schlußsteine sind durch Auflagen von Laubwerk und dekorativen Köpfen sehr abwechslungsreich gestaltet. Besonders Laubwerkmasken und Männerköpfe mit langen Haaren und Bärten sind hier ein beliebtes Motiv (Fig. 102) der nun tätigen Steinmetzen. Die im Kreuzgang durchgeführten Dreiblattendigungen an den Dreipaßnasen beginnen schon am Westportal der Kirche und an der kleinen Tür zum Treppenturm. Ganz gleichartig sind die Öffnungen des Kreuzgangs; zwischen regelmäßig gesetzten Strebepfeilern als festen Rahmen steht das Maßwerk in breiten, tiefen Leibungen: drei schmale Fensterstreifen mit leichten Dreipässen, darüber in der Spitze jedesmal ein großer Vierpaß. Die Leibung schon mit dem stumpfen Knick.
Im Kreuzgang eine Anzahl Grabsteine und Epitaphien
- Grabstein des Pastors Johannes Vianden v. J. 1553
- des Pastors Jakobus Lamberti v. J. 1621
- der Angela Buchels, „celleraria“ zu Kyllburg, v. J. 1745
- des Petrus von St. Thoma, Pastors in Neidenbach, v. J. 1659
- des i. J. 1633(?) verst. Lorentz Rabstein, „Grafen [Burggraf!] alhie zu Kilburg“
- der Anna Bernardi, v. J. 1630
- ein zweimal benutzter Grabstein, 1,90 x 0,93 m, eines i. J. 1650 Verstorbenen und eines i. J. 1757 verst. Kantor und Dekanus Mathias....ling
- Grabstein, 2,10 x 0,86 m, des i. J. 1502 verstorbenen Paters Gerhardus von Kylburg
- Grabstein des nach d. J. 1562 verst. Joachim von Schonenburg, Trierischer Rat und Amtmann zu Daun, Cochem und Ulmen, Herr zu Hartelstein, Mitherr zu Ulmen. Ein Teil der Inschrift ist zerstört. Auf den Ecken des Grabsteins die Wappen Schonenburg, Brohl-Braunsberg, Weyer von Nickenich und Dalberg.
Mittelfeld eines spätgotischen Epitaphs
mit einer Kruzifixusszene (1 x 0,70 m) in Hochrelief, roter Sandstein. Christus mit beiderseits flatterndem Lendentuch. Zu den Figuren unter dem Kreuz links noch die Figur des hl. Antonius. Den Hintergrund bildet die Stadt in Relief.
Von einem auseinandergenommenen kleinen Wandaltar von weißem Sandstein, wahrscheinlich aus Kloster St. Thomas a. d. Kyll, ist der Kartuschenrahmen mit der Stifterinschrift an der Kreuzgangwand angebracht. Danach ließen den Altar „die Conventualinnen dieses Klosters“ Geschwister Anna Katharina, Juliana und Maria Jakobe von Kesselstadt i. J. 1612 erbauen. Die übrigen Teile liegen für sich. Auf dem Pilasterstreifen links die Wappen Kesselstadt und Enschringen, rechts Eltz und Burgtorn. Die gerahmte Mitte mit einer Kruzifixusszene in Hochrelief gefüllt, vorne links die knienden Stifterinnen.
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