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Die Kunstdenkmäler des Kreises Bitburg
Ernst Wackenroder
12. Band — Ausgabe von 1927
Ehemalige STIFTSKIRCHE
des früheren Kollegiatstiftes, jetzige KATHOLISCHE PFARRKIRCHE (s. t. b. Mariae v. in coel. assumpt.)
- MERIAN, Topographia, S. 38
- SCHANNAT-BÄRSCH, Eiflia illustr. III, 1, 2, S. 513
- DE LORENZI I, S. 296—300
- SCHORN I, S. 711
- HEYDINGER, Archidiaconatus in Longuiono descriptio S. 336
- BROWERI, Ann. II, S. 163
- Trierer Sonntagsblatt Philantrop 1840, Nr. 49 u. 86
- C. W. SCHMIDT, Baudenkmale III, S. 15
- BROWERI et MASENII Metropolis II, c. XXVI
- v. STRAMBERG, Rheinischer Antiquarius I, 4, S. 541
- MARX, Erzstift II, 2, S. 113
- LOTZ, Statistik I, S. 367
- KUGLER, Kl. Schriften II, S. 224
- BOCK, Kyllburg und seine kirchlichen Bauwerke des Mittelalters
- DEHIO, Handbuch IV, S. 198
- BEISSEL, Die Einführung der gotischen Baukunst in Deutschland. In Stimmen aus Maria Laach 64, S. 250
- STRASSER (Geschlecht v. K.): Public. de Luxemb. 59, S. 357
- WACKENRODER, Kirchliche Baukunst in der Eifel: Zs. d. rhein. Vereins f. Denkmalpflege u. Heimatschutz XVII (1924), Heft 2/3, S. 126
- MAX MÜLLER, Ortsnamen I, S. 48
- MARX, Pfarreien I, a. v. O.
Handschriftliche Quellen
Im Pfarrarchiv:
- Anniversarien
- Rentenregister
- Rechnungen
- Verwaltungsakten, 18. S. Jh. Vgl. KRUDEWIG, Übersicht IV, S. 60.
Im Staatsarchiv zu Koblenz:
- Trierer Urkunden a. d. Z. v. 1220 bis 1696, sowie Kameralakten v. J. 1587 an; Kellereirechnungen und Steuersachen, 18. Jh.
- Urkunden v. J. 1276 bis 1774, darunter 139 Originale v. J. 1276 an
- 36 Hefte Akten v. J. 1407 bis 1802 betr. Visitationen, Rechnungen, Renten und Güter
- Akten des Klosters St. Thomas zwischen 1503 u. 1790
- Lehenssachen Familie von Nerenhausen, v. J. 1624 bis 1652; Familie Vogt, v. J. 1699
- Justizakten betr. Amt K.
- Karte vom Amt K.
- Handschrift d. 17. Jh. betr. Stift K.
- Zeichnungen und Notizen über Grabsteine. Vgl. AUSFELD, Übersicht S. 7, 17, 18, 79, 86, 168, 187, 113, 121, 118, 186, 132, 190
Im Domarchiv zu Trier:
- Akten v. J. 1774 bis 1781 betr. Kirchenbaustreitigkeiten
- Urkunde v. J. 1547 betr. Verpfändung von Amt und Schloß K. durch Erzbischof Johann V. gegen 4000 Goldgulden an das Domkapitel
- Reparaturen am Schloß zu K. a. d. Z. von 1623 bis 1703 nebst juristischen Gutachten
- Akten v. J. 1793 betr. Bauten zu K. (Regesten im Domarchiv und im St. A. Koblenz)
- Im Schloßarchiv zu Malberg: Stiftungsurkunde v. J. 1361 (in Abschrift d. 18. Jh.) des Johann v. Brantscheit, Kyllburger „armiger et vasallus“, zu einem neben seinem Hause errichteten Altar im Stifte Kyllburg
- Stiftungsurkunde v. J. 1368 (in Übers. d. 17. Jh.) des Wilhelm v. Malberg für das Kapitel in K. (Regesten REIMERS im St. A. Koblenz)
Eine Kirche in Kyllburg war schon i. 9. Jh. vorhanden. Das Güterverzeichnis der Abtei Prüm v. J. 893 (BEYER, Mrh. Ukb. I, Nr. 135) kennt auf Etteldorfer Gebiet zwei Kirchen. Davon ist eine nach dem Kommentar des Caesarius von Prüm v. J. 1222 auf dem Berge Kileburhc gelegen und wird von Caesarius als Mutterkirche bezeichnet. Nach einer Schenkungsurkunde v. J. 800 aus dem goldenen Buch der Abtei Prüm schenkten die Eheleute Elmfried und Doda mehrere am Kiliberg gelegene Ländereien an die Abtei Prüm, die dort schon Besitz hatte. Es ist wahrscheinlich, daß dieser Länderbesitz mit dem ersten Kirchenbau im Zusammenhang steht (BEYER, Mrh. Ukb. I, Nr. 13. — BOCK, a. a. O. S. 6). Erzbischof Heinrich II. von Trier beginnt dann zur Feier seiner i. J. 1272 erfolgten Wiedereinsetzung in die bischöfliche Würde den Neubau, den wir heute vor uns haben (v. STRAMBERG, a. a. O. S. 541 u. 563). In der Gründungsurkunde v. J. 1276 ist von dem alten Bau nicht mehr die Rede; der Erzbischof baut die Kirche „bei seiner Burg zu Ehren der allerseligsten Jungfrau Maria und aller heiligen Jungfrauen und gründet gleichzeitig ein Kollegiatstift B. M. V., für das er die Kanoniker von auswärts i. J. 1276 herbeiholte: „... apud castrum nostrum dictum Kilburch ecciesiam instituimus adque in dei nomine construere incepimus. Ibidem canonicos saeculares instituendos duximus et locandos“ (GOERZ, Mrh. Reg. IV, S. 61. — GOERZ, Reg. d. Erzb. S. 53. — BROWER, a. a. O.). Dasselbe besagt eine spätere Inschrift, die an der Nordvorlage des Triumphbogens in Kopfhöhe angebracht ist:
AD GL [ORIAM] DEI ET IN HONOREM B. v. MATRIS SUAE O [MN] lUMQUE S. S. VIRGINUM HUIUS ECCL [ES] lAE C [ON] STRUCTIO PER RE [VERENDl] SSIMUM D. D. HENR [l] CUM ARCHIEP [lSCOPUM] TREVIR [ENSEM] EIUSDEMQUE ILL [UST] RE CAPITULUM INCEPTA EST ANNO 1276. 8. MAY
(vgl. SCHORN, a. a. O. I, S. 721. — SCHMIDT, a. a. O. 3, S. 15. — BOCK, a. a. O. S. 10). In demselben Jahr am 16. Mai erteilt der Erzbischof zum Bau von Kirche und Stift ein Ablaßprivilegium (Abschr. i. Diplomatar des Stiftes Kyllburg. — GOERZ, Reg. d. Erzb. v. Trier S. 53. — GOERZ, Mrh. Reg. IV, S. 61). Baumeister ist der Zisterziensermönch Heinrich, dem er nach einer Urkunde v. 18. Mai 1284 das von diesem in Kyllburg erbaute Haus zu seiner und der Steinmetzen Wohnung überläßt und der Kirchenfabrik übereignet (GOERZ, Reg. d. Erzb. S. 56. — Ders., Mrh. Reg. IV, S. 260). Dieser Zisterzienser wäre dann der Erbauer des verhältnismäßig kleinen Chorhauses mit den niedrigen, gerade geschlossenen Seitenchören. Der Erzbischof sicherte dann den Unterhalt der Kanoniker durch Einkünfte aus inkorporierten Pfarrkirchen (GOERZ, Reg. der Erzbischöfe von Trier, S. 53. — DE LORENZI I, S. 297. — BOCK, a. a. O. S. 7). Die Anzahl der Kanoniker betrug i. J. 1284 zunächst nur vier (GOERZ, Reg. d. Erzb. v. Trier S. 56). Erst Erzbischof Dyther von Nassau, der i. J. 1304 das Kollegiatstift bestätigte, setzte die Zahl der Kanoniker auf zwölf fest und inkorporierte dem Stift weitere Pfarreien, auch die von Kyllburg. Erzbischof Balduin fügte i. J. 1349 noch andere umliegende Pfarreien hinzu (GOERZ, Reg. d. Erzb. S. 67. — DE LORENZI I, S. 297).
Dem regelmäßigen Grundriß nach ist die Kirche von vornherein nach einheitlichem Plane angelegt, jedoch in verschiedenen, bald aufeinanderfolgenden Abschnitten erbaut. Die Chorpartie ist jedenfalls i. J. 1276 begonnen, das Schiff in der ersten Hälfte d. 14. Jh. fertig geworden. Daran hat sich unmittelbar der Bau des Kreuzgangs angeschlossen. Infolge ungenügender Einkünfte des Stiftes verringerte i. J. 1597 der Erzbischof Johann von Schönberg die Zahl der Kanoniker auf zehn. Damit stimmt überein, daß i. 18. Jh. neun, heute noch z. T. vorhandene Kanonikatshäuser genannt werden (MARX, Erzstift II, 2, S. 114). Im Kurfürstlichen Hofkalender v. J. 1794 werden acht canonici capitulares und vier extracapitulares, sowie ein Chorisocius und ein Altarist genannt. Von den Kanonikatshäusern ließ die französische Regierung i. J. 1803 vier versteigern (SCHANNAT-BÄRSCH, a. a. O. III, I, 136 2, S. 156). Die Dekane sind bei BROWER, Metropolis I, S. 259 und bei SCHORN I, S. 718 aufgeführt. Der letzte war Chr. Ph. Nell, unter dem i. J. 1802 das Stift aufgelöst wurde. Die Kirche fiel dabei an die Pfarrei Kyllburg und wurde Hauptkirche. Nach dem Visitationsbericht v. J. 1803 ist sie nicht besonders im Stand, der Chor war angeblich vom Schiff durch Mauern abgeschlossen (Trierisches Archiv 1916, S. 169). Im 19. Jh. gerieten die Baulichkeiten in Verfall; die Kirche wurde in den dreißiger Jahren notdürftig wiederhergestellt, als der Pfarrgottesdienst dorthin verlegt wurde. Nach einem Bericht des Trierer Sonntagsblattes Philanthrop (1840, Nr. 86) wurde in den zwanziger Jahren die Bedachung des Kreuzganges abgebrochen und anderweitig verwendet, was zur Folge hatte, daß das ungeschützte Gewölbe auf der Süd- und Westseite i. J. 1840 beseitigt wurde (SCHMIDT, a.a.O. S. 17). Gelegentlich der umfassenden Restauration i. J. 1863 u. 1864 wurden die zwei noch fehlenden obersten Geschosse und der Steinhelm des Turmes aufgesetzt (BOCK, a. a. O. S. 23. — DE LOKENZI, a. a. O. I, S. 299). Im J. 1891 /92 wurde der ganz zerfallene Kreuzgang mit 13 500 Mark Kosten (9000 Mark von der Provinzial Verwaltung und 4500 Mark Kaiserliches Gnadengeschenk) wiederhergestellt, ebenso die Sakristei (früher Kapitelsaal) i. J. 1894 durch den Liebfrauenverein zu Kyllburg. Ins J. 1897 fällt eine Ausmalung der Stiftskirche, und i. J. 1900 wurden am Äußern der Kirche die notwendigsten Sicherungsarbeiten ausgeführt.
In seiner planmäßigen Gestaltung stellt das Kollegiatstift bei bescheidenem Umfange und vollständiger Erhaltung ein interessantes Beispiel einer solchen, im Westen seltenen, kleinen Stiftsanlage d. 14. Jh. dar (Fig. 86). Das hallenartige Schiff der Kirche (Fig. 87) geht offenbar auf die in der Stadt Trier für die kleinen Ordensstiftungen beliebten einschiffigen Bauten zurück (vgl. KUTZBACH, Trierer Gotik 1240—1340 in Trierische Chronik VII, S. 33), von denen die Dominikanerkirche die älteste ist und deren Typus sich der Zisterzienser-Baumeister übersetzt hat. Das Schiff, im Lichten 13,35 m breit, 35,90 m lang und 17,50 m hoch, ist überaus kühn in der Konstruktion; der aus fünf Seiten des Achtecks und einem Joch gebildete hohe Chor ist im Lichten 7,20 m breit und 9,10 m tief. Die kleinen, zisterziensisch platt geschlossenen Nebenchöre sind 2,90 m breit und mit 3,65 m so tief wie das Vorjoch des Hauptchores. DEHIO (a. a. O.) vermutet mit Recht, daß ursprünglich eine Basilika geplant war, also ein Bau, der dann auch niedriger und kürzer ausgefallen wäre. Der Turm ist neben die Westfront gesetzt. Der am Ort gewonnene rote Sandstein ist sowohl als Bruchstein wie als Haustein zum Bau verwendet. Dabei ist die östliche Hälfte des Baues für Verputz berechnet gewesen ; die westliche Hälfte zeigt glatte Quadern mit geringer Fugendicke. Das Westportal liegt auf der Mittelachse; das Doppelportal auf der Nordseite des Schiffes ist als Haupteingang anzusehen. Ein hohes Satteldach deckt den einschiffigen Bau, das Chorhaus ist vor die glatte Giebelwand gesetzt und die niedrigen Seitenapsiden begnügen sich mit Pultdächern.
Die zwei Bauabschnitte des Schiffes (Fig. 88) liegen nicht weit auseinander. Das Maßwerk der vier dreiteiligen Fenster auf der Osthälfte des Schiffes, die fast die ganze Wand öffnen, unterscheidet sich nicht viel von den kleinen zweiteiligen, die in der Westhälfte und auf der Nordseite angebracht sind. Der Turm nebst dem Treppentürmchen ist bis zur Höhe der Schiffsmauer mit dieser zugleich entstanden, wie das Mauerwerk zeigt. Der aus reinen Quadern aufgeführte Turm ist außen ganz glatt, eng gefugt, ohne Fenster und auch wieder des harten Bausteins wegen ohne Putz geblieben. Das Treppentürmchen ist aus dem Achteck entstanden und ähnlich wie die Nebenapsiden am Chor mit dem Mauerwerk des anstoßenden Strebepfeilers zugleich unter Verwachsung hochgeführt. Vom neuen Teil an, also mit dem dritten Geschoß, springt der Turm etwas zurück und unterscheidet sich durch die Art des Mauerwerks, wie durch die rundbogigen, täuschend nachgemachten spätest-gotischen Formen der Schallfensterprofile.
Das Doppelportal (Fig. 89) auf der Nordseite zeigt eigenartige, zierlich frühe Formen, die auch innen (s. u.) an der älteren Kreuzgangtür und am Turmhalleneingang wiederkehren. Zwei große Dreipässe füllen ein hohes, spitzbogiges Tympanon über einer breiten rechteckigen Tür. Die Zwickel und Nasen klein, zwischen Sonne und Mond unauffällig ein Kruzifixus; im Giebelzwickel ein Dreipaß im Kreis mit dem Relief des Trierer Kreuzeslamm. In diesem leichten Rahmen der Dreipässe waren Figuren der Mutter Gottes und des hl. Johannes Ev. aufgemalt, die i. J. 1894 Veranlassung gaben, die vordem Mittelpfosten angebrachte Steinfigur der Mutter Gottes (Fig. 90) zu bemalen. Die Bossen der Figur müssen gleich eingebunden gewesen sein, wie z. B. das über die Stäbe fortgeführte Kopftuch zeigt. Die Ende d. 14. Jh. gearbeitete Figur, 1,63 m hoch, steht auf einer Blätterkonsole mit langgezogenen, federigen Blättern, die, getragen von Bündelsäulen, das Postament bildet. Der mit weichen Eichenblattkrabben besetzte Baldachin in leichten Formen ist auf die Pfostengliederung aufgesetzt und schon sehr zerstört. Das Faltenschema ist ohne viel Umstände durchgeführt. Um den rechten Arm mit dem Zepter legt sich in scharfer Kurve der Mantel, betont an dieser Stelle durch begleitende Schüsselfalten, während der Kontur auf der ändern Seite der Figur durch graziös herabgeführte Faltenüberfälle erzeugt ist. Das Kleid darunter schräg herabfließend, vom schmalen Gürtel gefaßt, das Antlitz eingerahmt vom Haar, Kopftuch und niedriger Krone, vor der Brust ein Schmuck in Vierpaßform. Im Gegensatz zur minnehaften Madonna auf dem Hochaltar (s. u.) wirkt diese Portalmadonna robust, das Antlitz schaut mit etwas harten Zügen in die Ferne, die Haltung ist natürlich und wie freischreitend. Das auch hier ganz bekleidete Kind mit segnender Rechten, aber ohne die Beziehung zur Mutter. Ein Trierer Künstler dürfte auch hier zunächst in Frage kommen. Beide Figuren stehen in einem ähnlichen Verhältnis zueinander wie die Oberweseler Madonnen (vgl. BACK : Zsch. d. Rhein. Vereins XVI, S. 64. — LUISE FISCHEL, Mittelrheinische Plastik d. 14. Jh., München 1923), die ältere außen am Chor nach d. J. 1331, die jüngere am Pfosten des Südportals um 1395. Doch liegen die Kyllburger Figuren zeitlich näher beieinander, an Qualität stehen sie zurück.
Die Westfassade (Taf. V), mit hohem glattem Giebel, ist eingerahmt von zweimal getreppten Strebepfeilern, die bis zur Dachtraufe reichen. In der Mittelachse ein vierteiliges Maßwerkfenster, 2,87 m breit und 7,80 m hoch, fast ein Drittel des 28,50 m hohen Fassadengiebels einnehmend. Das schlanke Portal (Fig. 91) darunter ist mit allen Feinheiten der Hochgotik ausgestattet. Im spitzbogigen Tympanon über geradem Sturz eine blinde, achtteilige Rose, umrahmt von tiefen Hohlkehlen. Das Fassadenmotiv wiederholt sich in dem dünnen, spitzen Giebeldreieck und den langen flankierenden Pilastern. Die Laubwerkmasken wie an den vier dreiteiligen Fenstern der Osthälfte des Schiffes, die Krabbenmotive einfacher als am Baldachin der Portalmadonna. Die vornehm schlichte Fassade verbreitert angenehm mit seiner Fläche der wuchtige, fensterlose Turm.
Das Schiff (Fig. 92) ist ein ungeteilter, lichter Raum, die fünf Joche sind kreuzgewölbt und leicht gebust mit kräftigen Birnstabrippen und ebensolchen Gurtbogen. Schlanke Bündelsäulen wirken wie Lisenenstreifen. Mit ihren glatten Kelchkapitellen nehmen sie unter meist spitz vorspringendem Abakus die Rippen auf und gliedern die Wand gemeinsam mit einem Profilstab, der die durch Stichkappen gebildeten Wandflächen umrahmt. Die ganz flachen Basen liegen auf Achteckpostamenten. Die glatte Schräge der hohen Fenster ist als Horizontalgesims auf den Wandflächen fortgeführt und umrahmt rechteckig das hoch heraufgezogene, innen schmucklose Doppelportal. Das Chorhaus öffnet sich nach dem Schiff in voller Breite, der hohe Triumphbogen springt kaum vor und gewährt die volle Ansicht des Chorgewölbes und der hochgereckten, lanzettförmigen Fenster, während die steilspitzbogigen Öffnungen der Nebenapsiden im Eindruck ganz untergeordnet bleiben und die glatte Stirnwand des Chores nur durch ihre Dunkelheit unterbrechen (s. o. betr. Basilika).
Beachtenswert sind die schönen Schlußsteine mit großen, freien Blatt- und Blütenmotiven und die Portale im Innern der Kirche. Die schwer gerahmte rechteckige Tür zum Kapitelsaal (s. u.) unterscheidet sich sehr von der ungünstig vermauerten Kreuzgangtür daneben, mit ihrem spitzbogigen Tympanon, sehr bereichert als Portal der Turmhalle wiederkehrend. Jünger in der Form und mehr nach dem Schema ist die Türumrahmung zum Treppentürmchen daneben, mit geradem Sturz. Wie beim Doppelportal außen sind auch hier an den Innenportalen die großen Blenden über geradem Türsturz verwendet, meist in schwerer Gewänderahmung, mit zierlichen und primitiven Einzelformen, wie sie sich z. B. in der Südvorhalle der Kirche in Münstermaifeld finden (vgl. LÜCKGER, Die Stiftskirche St. Martin zu Münstermaifeld: Zs. d. rhein. Vereins f. Denkmalpflege u. Heimatschutz 15 S. 146). Spätgotisch ist die Kreuzgangtür am Westende mit ihrem ausgesprochenem geraden Stabwerk.
Von den ursprünglichen Ausstattungsstücken haben sich noch einige erhalten, die übrigen sind nach erfolgter Säkularisation angeschafft, als die Kirche Pfarrkirche wurde; ein Teil der alten Stücke ist i. 19. Jh. der Idee der Stileinheit zum Opfer gefallen.
Auf der Südseite der Chorwand zur Seite des Altars sehr interessante Nischeneinbauten aus den ersten Baujahren. Links eine Doppelpiscina, 47 cm tief (Fig. 93) im Maßwerkaufbau den Chorfenstern ähnlich, jedoch mit Rundwulstprofilen ausgestattet. Ein dünnes Säulchen mit flüchtig gearbeitetem Kapitell teilt die Öffnung, den Abschluß bildet ein steiler, mit flachen Krabben besetzter Dreiecksgiebel. Auf der rechten Seite der Nische im Boden ein kreisrunder Ausguß.
Rechts davon ein Dreisitz (Fig. 93), 53 cm tief, für den Zelebrans und die beiden Diakone, durch zwei kapitellose schlanke Pfosten geteilt, rhombisch im Querschnitt, reich und tief gegliedert und hinter den Dreipässen herumlaufend. Den oberen Abschluß bilden unter Aufnahme in die rechteckige Umrahmung blinde Vierpässe, durch ihre Größe von guter Wirkung, dabei zierlich und ruhig. Die Decke der Nische als Kreuzgewölbe ausgebildet.
In der Nordwand des Chores ein Wandtabernakel d. 15. Jh. Es steht auf einem mit reliefiertem Maßwerk verzierten Pilaster und ist bekrönt mit Wimpergen, Krabben und Fialenwerk. Stabwerk macht sich bemerkbar. Auf der Schräge der rechteckig gerahmten Nische der Name des geistlichen Stifters:
„PETRUS A LOUCBAIR“ [Luxemburg?] S[A]C[ERD]O[TUS].
Wie drei vorspringende Standspuren auf der Rückseite des Altartisches zeigen, war wie in St. Thomas (s. d.) ein Steinaltar mit frei davorstehenden Säulen vorhanden. Der jetzige neugotische Altar ist i. J. 1877 an die Stelle eines großen Barockaltars getreten, der nach einer Lagerbuchnotiz v. J. 1821 aus der Abtei St. Thomas stammte. Vier Figuren des Altars sind erhalten (s. u.).
An der Nordwand des Schiffes ein großer Steinaltar, den noch bei Lebzeiten der Kyllburger Kanonikus und Kantor Johannes Carl i. J. 1629 durch Adam Donner fertigen ließ. Roter Sandstein, sicher in leichten Farben getönt gewesen, jetzt graugelb mit Ölfarbe angestrichen. Vor der sonst geraden Fläche der Altarwand springen auf Konsolen zwei freistehende Säulen vor, die das breite Mittelbild von den schmalen, bis an die Außenkante gerückten Seitennischen trennen, in denen links ein Heiliger in bürgerlicher Tracht und rechts eine Heilige stehen, offenbar die Patrone des Stifters und seiner auf einem Sockelstück dargestellten Angehörigen. Er selber im Mittelbild, vor dem Kinde kniend, das auf einem Konsölchen zwischen der Mutter Maria und. der hl. Anna segnend steht, begleitet von den Symbolen Gottvaters und des Heiligen Geistes. Die Arbeit ist im Aufbau und Detail handwerklich. Einzelne Teile am Gesims, einzelne Hände, sowie das Christuskind sind von Holz. Der Meister nennt sich im Mittelbild: ADAM DONNER FECIT. Darunter: EXPECTANS EXPECTAVI DOMIXUM, wohl der Wahlspruch des Stifters. Auf dem Sockel der Altarwand: HOC ALTARE AD MAJORE.M DEI GLORIAM AC IN HONOREM SCTSS ANNAE MATRIS B. VIRGINIS. MORTIS MEMOR[IAE] VIVENS FIERI CURAVIT REVEREND. AC DEVOTUS DOMINUS JOHANNES CARL, KILBURGENSIS CANONICUS ET CANTOR HUIUS ECCLESIAE A. 1629 DIE 26 MENSIS FEBRUAY. Auf der Rückseite des Altaraufbaues sah BOCK (a. a. O. S. 62) Reste figürlicher Malerei.
Im J. 1807 angekaufte Kanzel d. 18. Jh., in Achteckform, in Weiß und leichten Tönen gehalten, zeigt wie die Treppe im Detail die Formen des späten Rokoko. Auf den Kanzelfeldern die Evangelistensymbole, der Schalldeckel bekrönt mit einem Engel des Gerichts.
Chorgestühl d. 14. Jh. (Fig. 94), von Eichenholz, handwerklich gute Arbeit, links und rechts im ersten Joch des Schiffes aufgestellt, angeblich aus dem Kloster St. Thomas a. d. Kyll. Mit je 13 Sitzen, beim dritten Sitz zugänglich, die Sitzbretter der vorderen Reihe sind entfernt. Die abschließenden Wangenstücke mit Maßwerkreliefs, Laubwerk und einfachen figürlichen Schnitzereien, ebenso sind die Wangen der einzelnen Sitze bereichert durch Säulchen und geschnitzte Knäufe; die Front ist durch z. T. reich geschnitzte Pilaster gegliedert.
Rest einer Chorbank d. 17. Jh., drei Sitze erhalten. Die fein geschwungene Wangenkante von schweren Blattlagen begleitet, die unter dem mittelalterlich weich gerundeten Kopfprofil und an der Armstütze aufgerollt endigen.
Zwei Beichtstühle v. Ende d. 18. Jh., gleichartig in schlichten Formen mit geschnitzten Pilasterflächen.
Die Orgelempore, durch die gleichen Profile im Schiff der Stadtkirche (s. u.) datiert, also um 1745 eingebaut, wirkt mit ihrem grauen Sandstein und der dreiteiligen Bogenarchitektur und dem gerade durchgehenden Gebälk angenehm gegensätzlich; der breitere Mittelbogen ist flach, die äußeren Bogen sind rund gewölbt.
Dreiteiliger Orgelprospekt, 18.Jh., die einzelnen Gehäuse wieder dreiteilig, das mittlere ist des Westfensters wegen nach unten gelegt, und die beiden großen Seitenbauten sind auseinandergezogen. Der sonst geschmackvolle Aufbau der drei Teile ist in seinem Kontur durch reichen Rokokozierat von durchbrochener Arbeit in seiner Wirkung verstärkt. Figur der Mutter Gottes auf dem Hochaltar, von weißem Sandstein, 1,50 m hoch, nach Mitte d. 14. Jh. (Fig. 95). Die wiederholt bemalte Figur ist i. J. 1875 scharf geputzt und neu gefaßt unter Berücksichtigung der Reste der ersten Bemalung. Es ist dieselbe Madonna, die in der Antwort auf ein Schreiben des Kurfürsten Klemens Wenzeslaus v. J. 1790 als das „mirakulöse Muttergottesbild“ genannt wird, und Ursache für die Gründung von Kirche und Stift gewesen sein soll (MARX, Erzstift IV, S. 115). Bei der sonst gut gearbeiteten Figur ist das mit der Ausbiegung der linken Hüfte eingeleitete Standmotiv nicht durchgeführt. Das den Hals freilassende, eng anliegende Gewand gleitet in schwacher Schwingung von der linken Hüfte zur rechten Fußspitze und staut sich über den Füßen, ein halblanger Mantel läßt die Brust frei und bildet dadurch vor dem Körper feste Kurven und Faltenbrüche, die unter dem linken Arm, der das Kind trägt, zu straff herabhängenden, ziemlich regelmäßigen Röhrenfalten werden, während die rechte Hand mit dem Zepter (jetzt eine Lilie) in halber Höhe das Gewand leicht hochnimmt. Es ist der sich an westliche Vorbilder anlehnende Typus, in Haltung, Antlitz, Händen zart und vornehm, mit der „neuen Drapierung“, während das Kind naturalistisch derb ist, alles wie bei der Steinfigur der Mutter Gottes am Hause an der Sternstraße in Trier, abgebildet im Aufsatz DEUSER in der Begrüßungsschrift : VI. Internationaler Marianischer Kongreß, Trier 1912. Auch bei dieser Trierer Figur ist das Standmotiv gehemmt, Drapierung, herabfallende Haarsträhne sind gleich. Es muß der gleiche (Trierer?) Künstler sein, in dessen Nähe die schöne „Würzburger Alabastermadonna“ (LILL: Cicerone XV, S. 222) entstanden ist mit der gleichen, etwas weichen Gewandbehandlung, dem heiteren Antlitz, den eleganten Händen. Das nur halb bekleidete, robuste Kind auch wieder mit einem Vogel in der Hand. Über die Figur der Mutter Gottes am Nordportal s. o.
Kruzifixus um 1400, 1,85 m hoch, aus dem Triumphkreuz, jetzt an der Innenwand des Nordportals. Angeblich in der Substanz stark angegriffen. Naturalistischer Kopf mit grüner Wulstkrone, die Hände offen und unbeteiligt, das Lendentuch ohne betonte Fältelung über die Knie herabhängend und eng anliegend.
Steinfigur einer Mutter Gottes, das unbekleidete Kind säugend, 1 m hoch, roter Sandstein, um 1600. Jetzt im Kreuzgang, früher auf einem Seitenaltar. Die im Grundriß rechteckig begrenzte Figur ist in sehr breiten, mütterlichen Formen gehalten; Haupt und Schultern vom aufgelösten Lockenhaar umrahmt. Die Kleidung schwer und faltenreich; ein Teil des Mantels ist ganz um den rechten Arm herumgeschlagen, ein Teil des Saumes fällt in dickem Faltenbausch vom rechten Knie herab.
Vom alten Hochaltar (s. o.) stammen vier bemalte Holzfiguren d. 18. Jh. von leidlicher Arbeit, angeblich Werkstattarbeiten des Klosters Himmerode. Davon sind die 1,70 m hohen naturalistischen Figuren der hhl. Bernardus und Benediktus zu Seiten des Triumphbogens auf Postamente gestellt. Die Figuren der hhl. Antonius und Franziskus, 1,50 m hoch, sind an den Chorwänden angebracht. Auf den Beichtstühlen stehen die Holzfiguren der hhl. Andreas und Matthias, 70 cm hoch, einfache Arbeiten d. 18. Jh. In der Sakristei Holzfiguren d. 18. Jh., und zwar die der hhl. Johannes des Täufers, 1,04 m hoch, des Papstes Cornelius, des Jakobus, Antonius und Wendelinus, je 60 cm hoch.
Entlang der Südwand des Kirchenschiffes sind sechs Grabsteine d. 14.—16. Jh. aufgestellt, heraldisch, genealogisch und kostümkundlich sehr wertvoll. Im Text sind sie von links nach rechts numeriert und nach dem Alter geordnet; die Wappen deutete E. v. OIDTMAN.
Grabstein (Nr. 6) des Johan von Brandscheit, 2x0,84 m, roter Sandstein (Fig. 96), vielleicht der i. J.1341 bei GOERZ, Reg. Erzb., S. 83 genannte. Die Figur ist aus dem Grund herausgearbeitet und bleibt hinter dem glatten Inschriftrand. Den Kopf umrahmt ein spitzrückiger, krabbenbesetzter Bogen, dessen Leibung mit Rosetten verziert ist. Den bleibenden Raum darunter nimmt ein Dreipaß ein, den Raum darüber die Wappen Brandscheid und Liessem (?). Der Dargestellte liegend in betender Haltung zu denken, mit einem Löwen zwischen den Füßen, ist mit Kettenhemd und eng anliegendem Lederkoller bekleidet. Auf der rechten Brustseite eine Kette für die Lanze. Die Glieder geschient, die glatte Beckenhaube geöffnet. Die oben auf der Mitte des Randes beginnende Inschrift ist z. T. verstümmelt und mit Farbe überstrichen:
ILES DE BRANTSCHIT JO[ANNES] NOBIL[lS] HIC REQUIESCIT MORIBUS .... IN KILBURG ET OPPIDI HUIUS. SI [EJ]US SPES SIBI VIDET ... QUI ... ET M DUOBIS X DAGS IBI MORTEM AM[EN].
Grabstein (Nr. 2) des i. J. 1438 verstorbenen Konrad von Brandscheit, 2,20 x 1,10 m, roter Sandstein (Fig. 97). Die handwerksmäßig gearbeitete Figur in Hochrelief unter krabbenbesetztem Kielbogen auf dünnen Säulen; daraufgestellte Fialen und ein Gesims als oberer Abschluß schließen die Wappen Antweiler (?), Ringsheim (?), Brandscheit und Smeich von Lissingen ein. Zu Füßen zwei nach außen gewendete, symmetrisch liegende Löwen, auf deren Rücken die im Unterkörper zu kurz geratene Figur die Füße setzt. Über dem in Zaddeltracht gehaltenen Wams mit weiten Ärmeln liegt die Halsberge; der kurze Maschenpanzer rockähnlich, der Gesichtsschutz des Topfhelms ist hochgeklappt. Auf den Langseiten ein schräg abfallender Schriftrand; der Anfang der Inschrift rechts auf der Mitte:
ANNO DOMINI MCCCXXX OCTAVO ... KILLBURG O[BIIT] Ml[LES] D[lGNUS] CONRADUS D[E] BRANDSCHEIT CUIUS ANIMA REQUIESCAT IN PACE AMEN.
Grabstein (Nr. 1) eines Herrn von Wilsecker, 2,15 x 1,10 m, roter Sandstein, 14. Jh., für die den Stein überschneidende Kanzeltreppe in der Mitte schräg weggemeißelt. Das Hochrelief ist durch Vertiefen des Grundes gewonnen. Der nur mit Kettenpanzer bekleidete Ritter liegt mit ausgestreckten Fußspitzen und gekrümmten Knien. Zur Linken das Schwert und verkleinerter Rundschild. Die Umrahmung bildet ein spitzbogiger, mit Krabben besetzter dünner Giebel und der Schriftrand; die Wappen sind Malberg und Wilsecker. Die gotischen Majuskeln sind jetzt lesbar: ANNO DNI MCCC ... CONO DE WILSAECKER MILES, ANIMA EIUS RE[QUIESCAT...]. Wahrscheinlich ist der Dargestellte ein Wäpeling Cuno von Wilsecker, der zwischen d. J. 1316 und 1345 gestorben ist, während ein i. d. J. 1363 und 1367 genannter Cuno vermutlich nicht in Betracht kommt (Mitteil, v. OIDTMAN).
Grabstein (Nr. 3) des i. J. 1411 verst. Johannes von Brantscheid, roter Sandstein, stark abgetreten, 2,14 x 0,94 m groß. Die in Flachrelief gearbeitete Figur steht in betender Haltung unter einem Bogen. Die Einzelheiten der Rüstung sind kaum noch erkennbar. Über dem Bogen die Wappen Brantscheid und Lissingen( ?). Die oben links beginnende Inschrift lautet:
ANNO DOMINI MILLESIMO CCCC UNDECIMO IPSA DIE BEATORUM MARTIRUM CRISPINI ET CRISPINIANI OBIIT STRENUUS MILES DNS JOHANNES DE BRANTSCHEIT. ANIMA EIUS REQUIESCAT IN SANCTA PACE. AMEN (vgl. SCHANNAT-BÄRSCH, a. a. O. II, 1, S. 70).
Renaissancegrabstein (Nr. 4) eines von Schönenburg, dargestellt in voller Rüstung. Die unter Muschelnische stehende Figur ganz glatt getreten, die Schrift fast erloschen. Sein Wappen oben rechts, links Weyer, unten rechts Leyen, links Bourscheidt.
Grabstein (Nr. 5) des i. J. 1537 verstorbenen Johannes Vianden, 2,10×0,90 m, roter Sandstein. Die in Flachrelief vor vertieftem glattem Grund gearbeitete Figur steht, einen Rosenkranz in den betend erhobenen Händen, unter einem einfachen Rundbogen, bekleidet mit weichem Wams und Stoff- oder Lederkappe, ein großes Schwert als Waffe. Der Stein ist stark abgetreten, ebenso die Randschrift, oben rechts beginnend: ...OBIIT HONEST[US] VIR JOHANNES VIANDEN... Heraldisch rechts unten ein bürgerliches Wappen.
Grabstein von grauem Sandstein, 1,86 x 0,86 m groß, durch den Beichtstuhl auf der Nordseite des Schiffes teilweise verdeckt, im ganzen stark abgetreten. Man erkennt einen mit Plattenharnisch und spitzer Ringhaube bekleideten Ritter in betender Haltung. Der Wappenschild oben rechts zeigt drei Krüge, das Wappen oben links ist ganz abgetreten. Umschrift oben links beginnend: ANNO DMI O.... ACH. ARMIGER. EIUS ANIMA REQUIESCAT IN SANCTA PACE AMEN.
Nicht mehr vorhandene Grabsteine: Neben dem Grabstein des Johann von Brandscheid befand sich früher unter der Orgel der Grabstein einer Frau, mit dem Wappen Brandscheid und Schmeich von Lissingen (?). Ferner lag früher „nahe der Tür zum Kreuzgang beim Rosenkranzaltar“ der Grabstein der i. J. 1410 verstorbenen Katharina von Wilsecker, Gemahlin des Conrad von Brandscheid (vgl. SCHANNAT-BÄRSCH, a. a. O. II, 1, S. 70 u. II, 2, S. 383).
An der Nordwand des Chores: Grabstein (Tat. VI) des i. J. 1540 verst. Johann von Schönenburg, Herrn zu Hartelstein und Ulmen, 2,10 x 1,06 m, grauer Sandstein. Schöne Renaissancearbeit mit elegantem feinem Detail. Der in Prunkrüstung auf einer Bank kniend im Profil Dargestellte zeigt ausgesprochene Porträtähnlichkeit. Die flache, halbkreisförmig abgeschlossene Nische ist seitlich eingerahmt von acht sehr reich gestalteten Ahnenwappen. Es sind links die der Geschlechter von Schönenburg, von der Leyen, Dürkem (Dürkheim), Wiltz, rechts Nickenich, Bourscheidt, Waltpoet (zu Ulmen) und Krueff (Croef). Auf der Kniebank ein Wappenschildchen mit drei Tatzenkreuzen. Oben ist der Rand mit einem naturalistisch gedachten Schriftband überdeckt, das von einem Engelchen gehalten wird: ANNO 1540 DEN 17. SEPTEMBRIS IST VERSTORBEN DER EDEL UND ERENVEST JOHAN VON SCHÖNEN-BURGH HER ZU HARTELSTEIN UND ULM, DEM GOT GNADICH UND BARMHERZIG SEIN WUL IN EWIGKEIT AMEN.
Daneben ein einfach gearbeitetes Stifterepitaph von Sandstein, bemalt, 2,70 m hoch und 1,30 m breit, i. J. 1630 von Hugo Schmidtburg, Kanonikus zu Kyllburg, gestiftet. In einer hinten offenen Mittelnische ein Vesperbild, angebetet von der hl. Maria Magdalena und dem Stifter. Als Umrahmung dienen unten ein Gesims auf Konsolen mit Stiftungstafel. Die seitlichen Pilaster sind durch die (nach dem Tode hinzugefügten?) knienden Figuren fast verdeckt. Den oberen Abschluß bildet ein Rundbogen, auf dem in der Mitte eine Madonna mit dem Kinde, zur Seite links die Figur des hl. Hugo, rechts die des hl. Johannes des Täufers stehen.
Im rechten Seitenchor die Grabinschrift des i. J. 1526 verst. Kanonikus Matthias Wilhelmi: ANNO DOMINI MCCCCCXXVI MORE TREVERENSI DIE PRISCAE V[lRGINIS] OBIIT REV. DNS. MATHIAS WILHELMI CANONICUS HUIUS ECCLESIAE ET PASTOR IN SINSPELT.
In der Sakristei ein einfaches Ölgemälde auf Leinwand
(aus einem Altar?), 17.Jh.(?), 1,48m breit, 1,20 m hoch, beschädigt, zuletzt in der Pfarrkirche St. Maximin in Kyllburg. Neben einem Kruzifixus stehen die hhl. Valentinus, Cornelius, Hubertus und Antonius. Vor dem Kreuz knien eine Äbtissin und zwei Nonnen in schwarzer Tracht mit weißem Kopfputz als Stifterinnen, jede durch zwei, wohl elterliche Wappen genannt, deren Farben jedoch (bei einer Übermalung?) alle in Schwarz und Weiß umgewandelt sind, so daß die Namen der Stifterinnen und die Herkunft des Gemäldes nicht zu ermitteln waren.
Die Glasmalereien im Hauptchor
sind die wertvollsten Ausstattungsstücke der Kirche und auch kunstgeschichtlich mit das beste im Kreise. Von den fünf hohen und schlanken zweiteiligen Fenstern wurden drei laut Inschrift i. J. 1533 u. 1534 von Kyllburger Kanonikern, den Brüdern Bernhard und Jakob mit prachtvollen Glasgemälden ausgestattet, die sich mit ihrer ins Breite drängenden Frührenaissance dem schmalen frühgotischen Rahmen anpassen müssen. Das untere Drittel des südlichen Fensters wurde um 1820 durch die Leiter eines Handwerkers eingeschlagen und war durch weißes Glas ersetzt, aber sonst i. J. 1841 „unverletzt erhalten“. Von der alten Unterschrift las SCHMIDT i. J. 1836 noch „DOMINUS BERNARDUS HANC ... DEDIT ... 1534“ (SCHMIDT, a. a. O. III, S. 16. — KUGLER, Kl. Schriften II, S. 326); sie wurde i. J. 1875 durch Glasmaler Binsfeld erneuert, nachdem ein Hagelschlag das weiße Glas und anstoßende Teile der alten Malerei zerstört hatte. Die beiden anderen Fenster (Fig. 98) wurden i. J. 1887 durch die Firma Binsfeld & Jansen technisch instandgesetzt. Sie waren „an ihren figuralen und ornamentalen Teilen, namentlich seit dem Anfang dieses Jahrhunderts, vielfach beschädigt und an einzelnen Stellen zerstört worden“ (BOCK, a. a. O. S. 70) und wurden nach Mitteilung von Herrn Jansen neu in Blei gefaßt, ebenso die Sprünge und Risse. Der Vierpaß des nördlichen Fensters (Verkündigung) wurde jedoch unverändert wieder eingesetzt. Neu hergestellt wurde nur, was unbedingt nötig war. Defekte Malerei wurde in einzelnen Fällen ausgebessert und wieder gebrannt, namentlich wenn das Silbergelb nicht geraten war. Die Abbildungen nach den 1,60 m hohen Aquarellkopien der Firma (die Kopie des linken Fensters befindet sich im Architekturmuseum zu Charlottenburg) zeigen jedoch im Figürlichen und namentlich in den Gesichtern die Art d. 19. Jh. (Fig. 98 u. Taf. VII). Die Hauptbilder, Anbetung, Kreuzigung und Grablegung, nehmen zwei Drittel der Fläche ein unter einer überaus reichen, durch Putten belebten Renaissancearchitektur. In den Vierpässen entsprechend untergebracht: Verkündigung, Dreifaltigkeit und Auferstehung. Das untere Drittel nehmen unter einer abschließenden Architektur je zwei Heiligenfiguren ein, auf dem nördlichen und mittleren Fenster kommen dazu die knienden Stifter. Die Szene der Anbetung auf dem nördlichen Fenster inmitten einer offenen Ruine, die in ihren Formen mit der umrahmenden Renaissancearchitektur zusammengeht. Das Kind auf einer Art Tumba mit der knienden Mutter Gottes im Vordergrunde. Hinter der Tumba jugendliche Engelgestalten, unter den Rundbogen die Hirten und über der Ruine das beliebte Motiv der schwebenden Engel. Im Architekturaufbau die bekannten naturalistischen Putten, die sich in lebendiger Bewegung mit den herabhängenden Laubgewinden zu schaffen machen. Die Szene der Verkündigung im Vierpaß wieder in einem reichen Renaissanceraum mit einem großen Himmelbett; der Engel heranschwebend. Im Bildsockel der kniende Stifter mit dem hl. Antonius Eremita und dem hl. Nikolaus, ruhig gehaltene Figuren in rechteckigem Architekturrahmen (Tat. VII). Die aufgelöste Inschrift lautet:
JACOBUS KILBURGENSIS CANONICUS ET CANTOR HUIUS ECCLESIAE, FRATER DECANI, DEDIT.
Das mittlere Fenster mit einer erweiterten Kruzifixusszene, aber ohne die Schacher. Die Architektur paßt sich ebenfalls dem schmalen Fenster an, die Vertikale des Kruzifixus betonend. Im Vierpaß ist die Dreifaltigkeit gerade untergebracht mit manteltragenden Engeln zur Seite. Unter einem Doppelbogen unten wieder der kniende Stifter vor der hl. Familie, vom hl. Matthias der Madonna empfohlen. Die aufgelöste Inschrift lautet:
DOMINUS BERNARDUS KILBURGENSIS DECANUS RURALIS ET [HUIUS] ECCLESIAE DOMINAE VIRGINIS MARIAE IN KILBURG ANNO 1533.
Die Farben sind silbergelb in allen Abstufungen bis orangegelb als Hauptton, tiefes Blau für Himmel und Hintergrund, sparsam verwendet sind tiefes Rot und Violett, sowie etwas Grün in mehreren Stufen. Die Ergänzung fällt dagegen ab. Diese Glasmalereien fallen in dasselbe Jahrzehnt wie die Fenster in der Kirche zu Schieiden, der Marienkirche zu Düren und des Fensters in Drove bei Düren (vgl. diese bei OIDTMANN: Zs. f. christliche Kunst XII, Sp. 59). Jedoch unmittelbar schließen sich die Kyllburger Fenster den prachtvollen, i. d. J. 1528—1532 von der Gräfin Elisabeth von Manderscheid-Blankenheim, Äbtissin des Stiftes St. Cäcilien in Köln, gestifteten Fenstern von St. Peter in Köln an und sind ihnen ebenbürtig. Dieselbe heitere Renaissancearchitektur, dieselben ornamentalen Einzelheiten, die weichen Kopftypen finden wir wieder in den Glasmalereien von St. Jacques und St. Paul in Lüttich, gemalt um 1529/30 und von Bischof Eberhard von der Marck in Auftrag gegeben, und an den Fenstern v. J. 1533 u. 1535 im nördlichen Querschiff und Chor der St. Katharinenkirche zu Hoogstraeten. Die Kyllburger Fenster gehören somit zu den besten Stücken, die die flandrisch-kölnische Frührenaissance hervorgebracht hat (vgl. GRAUL, Die Glasmalerei in St. Gudula zu Brüssel: bei CLEMEN, Belgische Kunstdenkmäler II, S. 41. — RENARD bei HANSEN, Gesch. d. Rheinlandes II, S. 426. — RENARD i. d. Jahrb. d. Rhein. Denkmalpflege I, S. 54).
Scheibenmonstranz v. Ende d. 18. Jh.
50 cm hoch, Messing vergoldet. Der in zweimal vier Felder aufgeteilte ovale, gewölbte Fuß mit Blumenornament in getriebener Arbeit verziert, bei glatt herumgeführtem Rand. Der Schaubehälter mit freischwebenden adorierenden Engeln zur Seite; unten eine Madonna mit dem Kind, oben eine Trinitätsdarstellung unter einem Baldachinaufbau. Den Hintergrund bildet eine silberne Scheibe in spätem Rokokowerk, untermischt mit Weinlaub; als Rückwand dient eine goldene Strahlenglorie.
Silbervergoldeter Kelch v. J. 1476
mit der neuen Kuppa 18,5 cm hoch. Der achtteilige Fuß ist mit gravierten Stifterbildnissen geschmückt, die Beischriften haben, und sich um einen erhaben gearbeiteten Christuskopf gruppieren. Der Stifter ist Johannes Wylre, Kanonikus und Kantor in Kyllburg. Dann folgen: eine Frau Elisabeth und deren Tochter Elisabeth, Wilhelm Sarter, Katharina filia, Thilmannus filius, Petrus filius; danach die Zahl 1476, dann Thilmannus Seynet. Neben jeder Figur ein Spruch auf einem sich durchwindenden Band. Der Griff mit achteckigem Knauf betont und mit stark vortretenden Rotulis, sonst ist er glatt gehalten. Zum Kelch gehört( ?) eine Patena mit vertieftem Sechspaß und einem Relief des Auferstehenden in der Mitte. Kein Beschau.
Silbervergoldeter Kelch
20 cm hoch, nach der Inschrift auf der Unterseite „MAXIMINUS PERGNER DOCTOR, EXECUTOR TESTAMENTI DOMINI JACOBI HOSPITIS, CANONICUS HUIUS ECCLESIAE FIERI FECIT 1540“ von Dr. Pergner in Auftrag gegeben und mit dessen Wappen (vgl. Marktkreuz in Neuerburg) versehen. Der sechsteilige Fuß glatt, der Griff mit gravierten gotischen Formen, der dicke runde Knauf rundherum mit getriebenen Blumen besetzt, zwischen stilisiertem Blattwerk. Kein Beschau.
In der Sakristei eine spätgotische Holzkonsole
38cm hoch, mit dreimal wiederholten, sehr sorgfältig gearbeiteten Profilen und stark zurückgehendem langem Zapfen.
Mittelalterliche Weihwassersteine zum Aufstellen auf Gräbern
wie noch in Süddeutschland und in der Schweiz üblich; einer wie ein romanisches Kapitell mit 4 Halbkreiswulsten besetzt, zwei mit je vier vertikalen Wülsten zum Greifen, ähnlich den kopfartigen Konsolen an Taufsteinen d. 12. u. 13. Jh.
Kasel a. d. Z. um 1500
der venezianische, karmoisinrote Sammet durch violetten Lyoner Sammet ersetzt. Die in Stickerei von Goldfäden hergestellten zwölf Doppeladler sind wieder auf den Grund aufgenäht, ebenso die Kölner Borte. Auf dem Goldgrund des Stabes sind in Stilformen vom Ausgang der Gotik Figuren aufgesetzt. Von unten angefangen folgen übereinander: der gläubige Hauptmann, der blinde Kriegsknecht mit der Lanze, der Kruzifixus und oben Gottvater. Die Rückseite zeigt auf dem Stab in der Mitte die Mutter Gottes, darüber die Figur des hl. Petrus und unten den adeligen Stifter. Durch Verkürzung ist das alte Wappen fortgefallen, der zugehörige Chormantel und zwei Leviten sind in den siebziger Jahren verkauft.
Drei Glocken v. J. 1740 u. 1759
sind nach BOCK (a. a. O. S. 76) aus älterem Glockenmaterial gegossen:
DONATUM VENEROR SANCTUM SANCTUMQUE JOHANNEM, UT PRECIBUS JUGITER FULGURA CUNCTA FUGENT IN KYLLBURG. F. M. HEINTZ ME FUNDIT 1740.
IN HONOREM BEATISSIMAE VIRGINIS MARIAE ME REFUNDI AC BENEDICI CURAVIT RMUM CAPITULUM KYLBURGENSE SUB RMO D. D. DECANO CHRISTOPHERO NELL. FRANCISCUS HEINTZ VON TRIER GOSS MICH 1759.
SANCTI BAPTISTAE SUM FUSA JOHANNIS HONORE ET MERITIS HUIUS FULGURA PELLO SONUM ... ARTIS FUSORE FRANCISCO HEINTZ ANNO 1759.
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